Nächster Halt in Bielefeld: Ausstellung und Vortragsreihe zu Antibiotika-Resistenzen in der Stadtbibliothek am Neumarkt

Der massive Verbrauch von Antibiotika fördert Resistenzen und hat dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Alle drei Bereiche sind eng miteinander verknüpft. Und die Probleme sind global. Das zeigt eine Ausstellung der BUKO Pharma-Kampagne, die vom 29. Juni bis 31. Juli in der Stadtbibliothek am Neumarkt zu sehen ist. Kooperationspartner ist dabei auch das Naturkundemuseum Bielefeld.

Antibiotika werden noch immer zu sorglos verschrieben und falsch angewendet. Das fördert die Entwicklung multiresistenter Keime. In der Humanmedizin erschweren sie z.B. die Behandlung von Tuberkulose, Sepsis (Blutvergiftung) oder Lungenentzündung. Rund 700.000 Menschen sterben jährlich weltweit an bakteriellen Erregern, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Betroffen sind ganz besonders PatientInnen in armen Ländern, wo Infektionskrankheiten weitaus häufiger auftreten. Doch auch in Deutschland sind Antibiotika-Resistenzen ein Problem.Flyer Wanderausstellung Bielefeld

Gemeinsam mit Partnerorganisationen in Indien, Tansania, Südafrika und Deutschland hat die BUKO Pharma-Kampagne die globale Resistenzlage untersucht. Ihre Wanderausstellung präsentiert die Ergebnisse. Beispiele aus verschiedenen Ländern zeigen, wo die Probleme liegen. Kurzfilme geben Einblick in die Situation vor Ort, lassen unterschiedliche Stakeholder zu Wort kommen und stellen lokale Lösungsansätze vor.
„Nicht zu stoppen?“ lautet der Titel der Ausstellung und Claudia Jenkes von der BUKO Pharma-Kampagne sieht darin zugleich einen Appell: „Unsere multimediale Ausstellung richtet sich sowohl an kritische VerbraucherInnen als auch an Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Landwirtschaft. Denn nur ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika kann die Entwicklung von Resistenzen bremsen.“ Jeder und jede Einzelne könne dazu einen Beitrag leisten.

Das Thema ist komplex: Denn nicht nur die Humanmedizin, auch die Tierhaltung – vor allem zur Produktion von Lebensmitteln – trägt zum massiven Verbrauch von Antibiotika bei. Regionen mit intensiver Landwirtschaft gelten als Hotspots der Resistenz-Entwicklung. Resistente Keime finden sich in Fleisch und Milchprodukten ebenso wie auf Obst und Gemüse. Mit Abwässern aus Schlachthöfen, aus der intensiven Tierhaltung oder aus Krankenhäusern gelangen resistente Bakterien und antibiotische Rückstände nicht zuletzt in Gewässer und Böden. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind bislang nicht absehbar.
„Antibiotika zählen genau wie Impfstoffe zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin, um Infektionskrankheiten zu bekämpfen“, so Dr. Isolde Wrazidlo, Leiterin des Naturkundemuseums. „Wir sollten also alles daransetzen, ihre Wirksamkeit zu bewahren.“ Auch Dr. Katja Bartlakowski, Direktorin der Stadtbibliothek betont: „Wir freuen uns, eine Ausstellung zu diesem wichtigen Thema zeigen zu können und möchten mit unseren Begleitveranstaltungen öffentliche Diskussionen anstoßen.“

„Drängende weltweite Gesundheitsprobleme gehen uns alle an. Das gilt bei Antibiotika-Resistenzen ebenso wie bei Covid-19“, erklärt Claudia Jenkes von der BUKO Pharma-Kampagne. „In beiden Fällen handelt es sich um globale Pandemien und sektorübergreifende Zusammenarbeit ist gefragt, um die Probleme zu lösen.“ Die Ausstellung lade dazu ein, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und auch eigene Handlungsmuster kritisch zu überdenken.
Drei Begleitveranstaltungen zur Ausstellung sind geplant. Sie finden jeweils auf der Lesebühne der Stadtbibliothek am Neumarkt in Kooperation mit dem Naturkundemuseum Bielefeld statt.

Zum Auftakt am 29. Juni gibt es um 18:00 Uhr Vorträge und Gespräche zum Handlungsfeld Humanmedizin mit dem Kinder- und Jugendarzt Roland Tillmann und Prof. Dr. Reinhard Bornemann von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Beide stellen das Bielefelder Modellprojekt Antibiotische Therapie in Bielefeld (AnTiB) vor. Das Projekt wurde 2016 gegründet, um die Qualität der Antibiotika-Verordnungen in der ambulanten Medizin in Bielefeld zu verbessern und der Entwicklung von Resistenzen entgegenzuwirken.

+++ ALLE ABENDVERANSTALTUNGEN MÜSSEN LEIDER AUSFALLEN +++

Weitere Vorträge, die Tiermedizin und Umwelt in den Fokus nehmen, stehen für den 13. bzw. 27. Juli auf dem Veranstaltungsprogramm der Stadtbibliothek. Über den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung referiert Frau Dr. Preuß-Ueberschär von der Initiative Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft. Dr. Ulrich Schumacher vom Biolandbetrieb Gut Wilhelmsdorf berichtet über Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls und Erfahrungen aus der Praxis. Zum Themenbereich Umwelt sprechen Paul Kröfges, Gewässerexperte des BUND sowie Dr. Dirk Zimmermann, Agrarbiologe bei Greenpeace.

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Download: Flyer Ausstellung in der Stadtbibliothek 

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Kooperationspartner Wanderausstellung Bielefeld

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