Journalists AMISOM cc

Berlin 2020 03Schon in der kommenden Woche, ab 23.3.2020, soll ein Gesetz verabschiedet werden, das dem Gesundheitsminister angesichts der Ausbreitung von Corona weitreichende Vollmachten geben würde, die durch das Parlament nicht mehr kontrolliert werden können.
Auch angesichts der insgesamt großen Bereitschaft der Bevölkerung, Einschränkungen hinzunehmen und den bereits vorhandenen Restriktionsmöglichkeiten durch das Infektionsschutzgesetz sind die Maßnahmen übertrieben und greifen tief in die Grundrechte ein.
 
Eine Einordnung der gegenwärtigen Lage bietet auch ein Papier des Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin: www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19 

lottery loose 1422098 640Die Gentherapie Zolgensma® soll Kindern helfen, die an einer seltenen Muskelerkrankung leiden. Die einmalige Behandlung kostet rund zwei Millionen Euro, das Mittel ist in Europa noch nicht zugelassen. Novartis kündigte Anfang des Jahres an, 100 Einzelgaben zu verlosen. Das stößt ebenso wie der hohe Preis auf Kritik.

Außerdem im aktuellen Heft:
Maßnahmen gegen Arzneimittelfälschungen
Interview mit Amit Khurana zu Umweltaspekten von Antibiotikaresistenzen
Infos zu unserer Wanderausstellung und Straßentheatertournee 2020
Ungesunde Eile durch vorschnelle Zulassungen

Download: Pharma-Brief 2/2020 [pdf/420kB]


Memento Preis JSchaaber Für ihren Einsatz für bezahlbare Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente wird die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens mit dem diesjährigen Memento Politikpreis ausgezeichnet. „Es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn Menschen sterben, weil das Medikament, das geholfen hätte, zu teuer ist oder wegen mangelnder Renditeerwartung nicht entwickelt wurde“, so die Preisträgerin, Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit des Deutschen Bundestages. Die Preisverleihung wird nicht wie geplant am Mittwoch, dem 11. März stattfinden, sondern wird auf Grund der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) und der veränderten gesundheitspolitischen Empfehlungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.


DPGG-Tagung zu Öffentlich-Privaten Partnerschaften

DPGG win loseAm 11.11.2019 veranstaltete die Deutsche Plattform für globale Gesundheit (DPGG) in Berlin unter dem Titel „Win-win oder win-loose?“ eine gut besuchte Veranstaltung zu den Chancen und Risiken Öffentlich-Privater Partnerschaften in der Globalen Gesundheit. Die Pharma-Kampagne hatte die Fachkonferenz mitorganisiert.

Damit wurde ein Thema auf die Agenda gesetzt, das gewöhnlich von Parteien, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen gleichermaßen lieber hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Mit der Frage „Win-win oder Win-lose?“ beleuchteten wir die Wucht, mit der private AkteurInnen, allen voran die großen philanthropischen Stiftungen, die Agenda der globalen Gesundheit beeinflussen. Der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Anna Holzscheiter, Wissenschaftszentrum Berlin, die dort die Forschungsgruppe Governance for Global Health leitet, machte pointiert den massiven Einfluss deutlich, den einzelne private Akteure bereits heute haben.
Danach gab es zwei moderierte Gespräche. Die erste Runde mit einer Journalistin, die die engen Kooperationen von staatlichen und privaten Akteuren seit längerem kritisch verfolgt, einer Vertreterin des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und einem ehemaligen Vertreter des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. In der zweiten Runde stellten sich PolitikerInnen von CDU, SPD, Grünen und Linken der Diskussion. Die zusammenfassende Dokumentation der Tagung ist jetzt erschienen (JS)

DPGG (2020) Win-win oder win-loose.


pexels photo 928199Die Charité Universitätsmedizin, eines der größten Lehr- und Forschungskrankenhäuser in der Republik, hat sich Bayer-Vorstand Stefan Oelrich in den Aufsichtsrat geholt. Dazu Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Es ist uns gelungen, fünf exzellente Expertinnen und Experten für den Aufsichtsrat der Charité zu gewinnen. Ich danke ihnen für ihre Bereitschaft, die Charité auf dem Weg zu einer der weltweit besten Unikliniken zu begleiten, und freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“1 Kliniken, die zu 100% im Besitz des Landes Berlin sind, von einem Topmanager eines privaten Pharmakonzerns beaufsichtigen und beeinflussen zu lassen, scheint uns keine besonders brillante Idee. (JS)

1 Senatskanzlei (2020). Der Neue Sachverständige im Aufsichtsrat der Charité. Pressemitteilung vom 25. Feb. www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.899253.php [Zugriff 3.3.2020]


csm GF MSF Memento Preis 2018 WEB 070 96f2c4abaeDie Preisverleihung des Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten wird nicht wie geplant am Mittwoch, dem 11. März 2020 stattfinden, sondern wird auf Grund der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) und der veränderten gesundheitspolitischen Empfehlungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen in ärmeren Ländern werden seit langem vernachlässigt. Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten wie zum Beispiel Chagas oder Tuberkulose sind entweder nicht vorhanden, veraltet oder ungeeignet für die klimatischen und strukturellen Gegebenheiten vor Ort, nicht für Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten und für die Betroffenen oft unbezahlbar. Um auf diesen Notstand hinzuweisen, haben sich Ärzte ohne Grenzen e.V., Brot für die Welt, die BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. zusammengeschlossen und gemeinsam den Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten ins Leben gerufen. Seit 2014 wird er für besonderes Engagement in der Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten in den Kategorien „Forschung und Entwicklung“, „Journalismus“ und „Politischer Wille“ an Personen in einer öffentlichen Funktion verliehen.

Weitere Informationen zum Memento-Bündnis und dem Preis finden Sie auf der Internetseite: www.memento-preis.de.


Leider wird der diesjährige Kongress Armut und Gesundheit 2020 abgesagt!

csm Armut und Gesundheit 2020 750x500px 7c6475fdb8Auf dem Kongress wird Jörg Schaaber von der BUKO Pharma-Kampagne am 08.03. zum Thema "Das 1 x 1 der globalen Gesundheitspolitik: Private Interessen und globale Gesundheit – wie geht das zusammen?" zu Gast sein:

Termin: 8.3.2020 11.00-12.30
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135
Raum: H 1012

Globale Gesundheit hat es in den letzten 20 Jahren vom Nischendasein zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda geschafft. In Deutschland zeigt sich dies unter anderem in der neuen Globalen Gesundheitsstrategie der Bundesregierung. Mit dem Bedeutungsgewinn von Global Health treten aber auch inhaltlich-konzeptionelle Differenzen stärker zu Tage. Diese will die Deutschen Plattform für Globale Gesundheit näher beleuchten. Eine besondere Dynamik ist nicht zuletzt durch die wachsende Bedeutung internationaler Privatstiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation und die Bildung von so genannten Multi-Akteurs-Foren wie dem Global Health Hub Germany entstanden, die die Gesundheitsdebatte in Deutschland stark prägen. Die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit will das Gesundheitsverständnis der neuen Akteure beleuchten und nach ihrer Prioritätensetzung bei der Lösung globaler Gesundheitsprobleme fragen. Mit dem Fachforum „Das Einmaleins der Gesundheitspolitik - Wie kann Gesundheit gesamtgesellschaftlich gedacht und gestaltet werden?“ bietet die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit (DPGG) eine Einführung in die grundlegenden Fragen und Probleme der Gesundheitspolitik an. Das Format soll eine Orientierung über die komplexen Anforderungen und Verflechtungen der nationalen und globalen Gesundheitspolitik bieten. Das Fachforum richtet sich vor allem an alle Neulinge in der Gesundheitspolitik.

11:00 Uhr: Das Partnerschafts-Paradigma in der globalen Gesundheit
Mareike Haase | Brot für die Welt | Germany

11:20 Uhr: Der Global Health Hub Germany, der Einfluss philanthropischer Stiftungen und andere aktuelle Entwicklungen in Deutschland
Jörg Schaaber | BUKO Pharma-Kampagne | Germany



Am 09.03. wird Claudia Jenkes von der BUKO Pharma-Kampagne zum Thema "Zunehmende Antimikrobielle Resistenzen im Globalen Süden und weltweit – welche Rolle spielt die Armut?" zu Gast sein.

Termin: 9.3.2020 9.00-10.30
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135
Raum: H 1058

Hintergrund: Antimikrobielle Resistenzen (AMR) breiten sich durch reisende Menschen und globalisierten Handel rund um den Globus aus. Sie sorgen weltweit für massive Behandlungsproblemen, tragen zur Explosion der Gesundheitskosten und erhöhten Sterberaten bei behandelbaren Erkrankungen bei u.a.: Tuberkulose, Wundinfektionen, Malaria, krankenhausassoziierten Infektionen. Das drohende Zukunftsszenario eines post-antibiotischen Zeitalters bezeichnete die WHO schon 2015 als eine "globale Gesundheitskrise". Methode: In vier Beiträgen werden eigene wissenschaftliche (quantitative und qualitative) Daten der teilnehmenden Referenten bzw. ihrer Netzwerke dargestellt und diskutiert: Die aktuelle Verbreitung von AMR und die Herausforderungen an effektives Monitoring. Außerdem der Einfluss der Armut, schwacher Gesundheitssysteme, des Gesundheitsfachkräftemangels, fehlender Diagnostika sowie begrenzter Überwachung von Arzneimitteln- und Arzneimittelmärkten. Ergebnisse: AMR und fehlende Wirksamkeit essentieller Medikamente werden aus zahlreichen low- and middle-income countries (LMICs) berichtet, die Daten sind allerdings häufig unvollständig, werden selten erhoben und notwendige Diagnostika sowie Instrumente zur Surveillance fehlen oft. Es werden irrationale Verschreibungspraxis durch inadäquat qualifiziertes Personal bei Erkrankten und unkontrollierter Gebrauch in der Tierproduktion berichtet. Diskussion: Armut und fehlender Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung und Gesundheitsüberwachung sind Triebfedern für hohe Resistenzraten in LMICs. Um die komplexen Probleme zu lösen braucht es nationale und globale Antworten. Auch Deutschland steht hier in der Verantwortung.

09:00 Uhr: Antimikrobielle Resistenzen - soziale, ökonomische und politische Dimensionen Indien, Tansania und Südafrika
Claudia Jenkes | BUKO Pharma-Kampagne | Germany

09:20 Uhr: Antimikrobielle Resistenzen in Afrika und Indien
Prof. Dr. Frank Mockenhaupt | Charité | Germany

09:40 Uhr: Erfahrungen bei der Erhebung Antimikrobieller Resistenzen (AMR) in Nigeria
Dr. Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser | Berater für das Robert Koch-Institut | Germany

10:00 Uhr: Antimikrobielle Resistenz (AMR) als globale Herausforderung
Dr. Tim Eckmanns | Robert Koch-Institut, Berlin | Germany


800px J30 193 Bf Karsdorf Weiche 62Für den Global Health Hub Germany (GHHG) stehen Richtungsentscheidungen an. Zeitnah wird der Interims-Lenkungskreis in einer Sitzung über die Kommentare zum Satzungsentwurf entscheiden. In den vergangenen Monaten war intensiv darum gerungen worden, wie transparent und partizipativ das BMG-Projekt wirklich arbeiten sollte – der Satzung kam in der Debatte eine zentrale Rolle zu (wir berichteten).

Die Akteursgruppen Jugend und Zivilgesellschaft kommentierten intensiv und konstruktiv. Dabei ging es ihnen vor allem um die Sicherung basisdemokratischer Strukturen und Partizipationsmöglichkeiten. So soll nach Meinung der zwei Gruppen zwingend jährlich eine Mitgliederversammlung (MV) stattfinden, die das zentrale Entscheidungsgremium bilden soll. Auch soll das Wahlverfahren für den Lenkungskreis basisdemokratisch werden, so dass die jeweiligen Akteursgruppen selbst ihre Kandidaten dafür benennen können und zuvor „intern“ wählen. Zudem sollen die zu Recht kritisierten automatischen Mitgliedschaften im Lenkungskreis, wie sie etwa für den World Health Summit und die großen Stiftungen eingerichtet wurden, auf keinen Fall einfach in der Satzung verankert, sondern zunächst gut begründet und in der MV zur Abstimmung gebracht werden. Im Übrigen findet sich in der Kommentierung auch die Forderung nach einem Bekenntnis des GHHG zu Open Access, Open Data und Equitable Licensing.

Die baldige Satzungsentscheidung wird elementar für den weiteren Verlauf des Projekts sein. Sie wird zeigen, ob der Hub tatsächlich den deutlich formulierten Gestaltungswillen seiner Mitglieder ernst nimmt oder ein Gremium mit undurchsichtigen und asymmetrischen Strukturen bleibt. (MK)

Foto: Falk2 [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

 


Open letter access clinical study reportsSeit einiger Zeit ist die europäische Zulassungsbehörde EMA transparenter geworden. Sie hat begonnen, die Clinical Study Reports (CSR) von Medikamenten zu veröffentlichen. Für neue Mittel sieht das die EU Verordnung zu klinischen Studien von 2014 auch ausdrücklich vor.[i] Damit könnte bald Schluss sein: Der Europäische Gerichtshof hatte 2018 noch Herstellerklagen gegen die Veröffentlichung der Studienergebnisse zurückgewiesen. Jetzt hat der Generalanwalt der EU Gerard Hoogan dem Einspruch von zwei Firmen[ii] stattgegeben und die Sache muss erneut verhandelt werden.[iii]
Die Hersteller behaupten, der CSR enthielte Geschäftsgeheimnisse, die bei Offenlegung der Konkurrenz Vorteile verschafften. Das ist aber vermutlich nur ein Teil der Wahrheit. CSR enthalten unentbehrliche Informationen für die Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln. Würden sie nicht mehr öffentlich zugänglich, wäre es noch einfacher zweifelhafte Produkte zu vermarkten. Das schadet PatientInnen. Auch die EMA warnt, dass ihre Transparenzpolitik dann revidiert werden müsse.[iv]
Die Einlassungen des Generalanwalts sind sehr wirtschaftsfreundlich und enthalten auch bizarre Elemente. So wird allen Ernstes als Argument, dass der CSR ein Geschäftsgeheimnis sei, darauf verwiesen, dass auf jeder Seite steht: „PTC Therapeutics, Inc. — Confidential“. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird für Anfang 2020 erwartet. Die Pharma-Kampagne hat einen offenen Brief mit unterzeichnet, der zu einer Verteidigung des Zugangs zu unterstützt und die Politik zum Handeln auffordert.[v] (JS)


[i] Regulation (EU) No 536/2014 of the European Parliament and of the Council of 16 April 2014
[ii] Translarna® (Ataluren) von PTC Therapeutics International (Case C-175/18 P) und ein Tierarzneimittel von MSD (Case C‑178/18)
[iii] Opinion of advocate general Hogan delivered on 11 September 2019 Case C-175/18 P http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=217636&pageIndex=0&doclang=EN&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=6556014
[iv] Coombes R (2019) European drug regulator fears return to days of data secrecy. BMJ; 367, p I6133
[v] www.bukopharma.de/images/aktuelles/EU_Clinical_studies_2019.pdf


PhB2019 10Recherchen des britischen Bureau of Investigative Journalism zufolge belohnen zwei Pharmafirmen in Indien die Verschreibung von Antibiotika mit Geschenken. Zielgruppe der Werbemaßnahmen sind vor allem informelle ÄrztInnen ohne anerkannte medizinische Ausbildung. Diese selbsternannten Doktoren behandeln überwiegend arme PatientInnen, die keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem haben.

Außerdem im aktuellen Heft:
Verzerrte Evidenz durch Industrieeinfluss
Misshandlungen bei der Geburt
Schwachstellen bei der Arzneimittelversorgung

Download: Pharmabrief 10/2019 [pdf/500kB]


Erick gets congratulated by Prince WilliamIn unserem Projekt zu Antibiotika-Resistenzen arbeiten wir mit Partnern auf der ganzen Welt zusammen. In Tansania gehört Erick Vevant von der RBA-Intitiative dazu. Ende November erhielt er nun den "Legacy Award" für seine Arbeit im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Am selben Tag empfing Prince William die PreisträgerInnen im Kensington Palast. Erick Venant sprach mit ihm kurz über Antimikrobielle Resistenzen und nahm eine Gratulation des Prinzen auf Swahili entgegen. Auch wir gratulieren herzlich zum Gewinn des Awards!


Versorgungslücken weltweit und auch in Deutschland

Tony WebsterMinnesota AIDS Project Twin Cities Pride Parade 9180874836Auch wenn sich der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten weltweit stark verbessert hat – Stigmatisierung, Kriminalisierung und auch hohe Medikamentenpreise schließen immer noch viele Menschen von Prävention, Diagnose und Behandlung aus. Eine neue Broschüre von BUKO Pharma-Kampagne und Aktionsbündnis gegen Aids (AgA) analysiert den Status Quo der globalen Bemühungen gegen HIV/Aids und beleuchtet diese Probleme.

UNAIDS verzeichnet weiterhin Rekordzahlen bei den Behandlungsraten und Erfolge bei der Verringerung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV. Auch im Bereich Vorsorge hat sich Einiges getan: So stehen z.B. neue Therapien zur Verfügung, um stark gefährdete Menschen aus Schlüsselgruppen vor einer Ansteckung zu schützen.


Während sich die Transparenz bei der Europäischen Kommission und dem EU-Parlament langsam bessert,  bleibt der europäische Rat eine Black Box. Welche LobbyistInnen ihn beeinflussen bleibt im Dunkeln. Gemeinsam mit vielen anderen europäischen NGOs hat die BUKO Pharma-Kampagne einen offenen Brief an den neuen Präsidenten des EU-Rates, den Belgier Charles Michels geschrieben. Wir fordern, dass die Industrielobby nicht nur offengelegt wird, sondern der Präsident sich auch darum kümmert, dass alle gesellschaftlichen Gruppen fairen Zugang zum Rat erhalten und der Einfluss von Großkonzernen zurückgedrängt wird. Der ganze Brief findet sich hier: https://www.alter-eu.org/documents/2019/11

Spezial AIDSAuch wenn sich der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten weltweit stark verbessert hat – Stigmatisierung, Kriminalisierung und auch hohe Medikamentenpreise schließen immer noch viele Menschen von Prävention, Diagnose und Behandlung aus. Eine neue Broschüre von BUKO Pharma-Kampagne und Aktionsbündnis gegen Aids (AgA) analysiert den Status Quo der globalen Bemühungen gegen HIV/Aids und beleuchtet diese Probleme.

 

Download: Pharma-Brief Spezial 1/2019 HIB/Aids global [PDF]
Die Broschüre kann auch für 5,- € bestellt werden. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


German Health Alliance der Wirtschaft

GHA 2019Die deutsche Wirtschaft will die globale Gesundheit stärken, so die Eigenwerbung der neu gegründeten „German Health Alliance“.1 NGOs und staatliche Träger der Entwicklungshilfe sind mit im Boot. Wem nützt dieses „Public Private Partnership“ (PPP)?

Eigentlich ist die vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) gegründete „German Health Alliance“ (GHA) nicht ganz frisch. Sie bündelt die Aktivitäten des BDI aus drei schon länger bestehenden Exportförder-Part­nerschaften, darunter dem German Healthcare Partnership (GHP).2 Letzteres war wiederum Ideengeber für den „Global Health Hub Germany“, der vergangenes Jahr formal vom Bundesgesundheitsministerium ins Leben gerufen wurde (wir berichteten 3,4).

Etwas verwirrt über die vielen „Partnerschaften“? Dahinter könnte Methode stecken: Es kann gar nicht genug Foren geben, in denen man seine Meinung zu Gehör bringt. Um dem Ganzen mehr Legitimität zu verleihen, holt man sich einige NGOs an Bord und verstrickt Bundestagsabgeordnete – ein paar WissenschaftlerInnen als Garnitur machen sich auch nicht schlecht.

Die Industrie versucht mit aller Macht, den Diskurs über globale Gesundheit in ihr genehme Bahnen zu lenken. Die „German Health Alliance“ wird am 26.11.2019 aus der Taufe gehoben. Thema der Veranstaltung: „Deutschlands Rolle und Verantwortung in Globaler Gesundheit“. Als Ziel wird ausdrücklich genannt, „die Zusammenarbeit zu stärken und gemeinsam neue Wege zu beschreiten.“5

Es geht nicht nur um Exportförderung der deutschen Pharma- und Medizintechnikindustrie, sondern auch um möglichst günstige Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft. Durch den UN-Beschluss, Gesundheitsversorgung für alle (UHC6) hoch auf die politische Agenda zu setzen, locken größere Märkte.

Angesichts der massiven Kritik an hohen Preisen für Medikamente weltweit gilt es, eine harte Regulierung der Geschäfte zu verhindern. Und was hilft da besser, als möglichst viele AkteurInnen an den Tisch zu holen, um sie für die eigenen Zwecke einzuspannen. Und selbst wenn das nicht gelingt, hält man die Leute so beschäftigt.

Die GHA rühmt sich auch der engen Kooperation mit dem World Health Summit.7 Dieses industrielastige jährliche Treffen zu globaler Gesundheit wird von Prof. Detlev Ganten, Vorsitzender des Stiftungsrats der Charité, geleitet. Was liegt da näher, als dass die GHA ihm am 26.11. auch den „German Global Health Award“ verleiht? Überreicht wird der Preis von Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Laudatio hält Prof. Karl Max Einhäupl, ehemaliger Vorstandsvorsitzender, Charité. Ganten ist übrigens auch im Advisory Board der GHA – so schließen sich die Kreise. (JS)

Vorabdruck aus Pharma-Brief 9/2019, S. 1

1 https://gha.health/ [Zugriff 19.11.2019]
2 Die anderen sind German Healthcare Export Group (GHE) und die German-Sino Healthcare Group (GSHCG)
3 Pharma-Brief (2018) Abgekartetes Spiel. Nr. 8/9, S. 1
4 Pharma-Brief (2019) Gesundheitshub krankt. Nr. 4/5, S. 4
5 GHA (2019) https://gha.health/wp-content/uploads/Programm_26112019_deutsch.pdf [Zugriff 19.11.2019]
6 Universal Health Coverage
7 https://ghp-initiative.de/about-us/ [Zugriff 20.11.2019]


x ray scan lungSeit 1997 wirft der Global TB Report der WHO jährlich einen Blick auf die weltweiten Dynamiken bei Tuberkulose. Für das zurück liegende Jahr sieht er einige positive Tendenzen. Doch den globalen Bemühungen fehlt es weiterhin an Nachdruck.

Außerdem im aktuellen Heft:
Big Pharma beeinflusst Medizinstudierende
Vom Wert unabhängiger Informationen

Download: Pharmabrief 7-8/2019 [pdf/540kB]

 


Antibiotic pills cc Maksym KozlenkoSchlechte Datenlage weltweit und auch in Deutschland

Antibiotika-Resistenzen (ABR) kosten Menschenleben, führen zu langen KrankenhausAufenthalten und verursachen immense Kosten. Millionen Menschen im globalen Süden könnten dadurch künftig jedes Jahr in extreme Armut getrieben werden, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Doch bei der Kontrolle von ABR liegt noch Vieles im Argen wie Recherchen der BUKO Pharma-Kampagne zeigen.

Zur Welt-Antibiotika-Woche vom 18.-23. November mahnt die WHO mehr Engagement an im Kampf gegen die Resistenz-Problematik. Denn einige der früher am meisten gefürchteten Infektionskrankheiten werden heute weltweit wieder bedrohlich: Pneumonie, Tuberkulose, Sepsis, Gonorrhö oder Salmonellose sind aufgrund resistenter Erreger immer schwerer zu behandeln. Allein an multiresistenter Tuberkulose sterben jedes Jahr rund 230.000 Menschen.


Diabetes WeltdiabetestagSeit 1991 wird am 14. November der Weltdiabetestag begangen, seit 2007 ist er auch ein offizieller Tag der Vereinten Nationen. Das Datum markiert den Geburtstag von Sir Frederick Banting. Zusammen mit Kollegen gelang ihm 1921 erstmals die Isolierung von Insulin und machte ihn zum jüngsten Medizin-Nobelpreisträger aller Zeiten.
Dieser Meilenstein im Kampf gegen Diabetes wurde an der Universität von Toronto erreicht, war also das Ergebnis öffentlicher Forschung. Um das Produkt möglichst vielen PatientInnen zugänglich zu machen und ein Monopol zu verhindern, übergaben die Entdecker das Patent an die Hochschule. Sie standen einer kommerziellen Nutzung generell kritisch gegenüber.
Wie richtig sie leider damit lagen, zeigt ein Blick auf den dramatischen Zustand des heutigen Insulinmarktes. Er wird, gemessen am Wert, zu 99% von lediglich drei Anbietern dominiert: Eli Lilly, Novo Nordisk & Sanofi. Entsprechend massiv eingeschränkt ist der Wettbewerb. Preisunterschiede zwischen den Herstellern sind gering und nicht nur die neueren Präparate werden immer teurer – die Kosten für ältere Präparate sind im Vergleich zur Einführung in den 1980er Jahren paradoxerweise ebenfalls stark gestiegen. So stehen besonders Länder mit geringen Gesundheitsbudgets vor der Frage, ob sie diese Ausgaben tätigen und andere Leistungen dafür wegfallen lassen können. Das entsprechende Problem trägt mittlerweile sogar einen eigenen Namen: „Insulin-Dilemma“.
Der hohe Insulinpreis betrifft Menschen weltweit, bildet z.B. derzeit auch ein wichtiges Element im beginnenden US-amerikanischen Wahlkampf. Allerdings ist der globale Süden besonders betroffen. Medizin aus eigener Tasche zu bezahlen, ist in armen Ländern oft üblich und kann ganze Familien ruinieren. Gleichzeitig sind die vergleichsweise geringen Weiterentwicklungen bei der Diabetes-Therapie nicht auf die Bedürfnisse in ärmeren Ländern ausgerichtet, zum Beispiel den Bedarf an hitzestabilen Wirkstoffen.
Dabei ist Diabetes, abseits der öffentlichen Wahrnehmung, auch im globalen Süden ein massives Problem. Die Krankheit ist eine "Globalisierungsgewinnerin" - fast 80% der Menschen mit Diabetes leben nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation mittlerweile in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens.
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe müssen dieser Herausforderung gerecht werden und Diabetes stärker in den Blick nehmen. Daher hat die BUKO Pharma-Kampagne am Weltdiabetestag 2018 ein deutschsprachiges Trainings-Tool für MitarbeiterInnen in der EZ entwickelt. Der Online-Kurs liefert nützliche und praxisbezogene Informationen rund um das Thema Diabetes im globalen Süden. Er ist hier frei zugänglich im E-Learning-Sortiment der BUKO Pharma-Kampagne.


Bundesregierung weicht bei Transparenzfragen aus

Transparenz

Hohe Medikamentenpreise betreffen verstärkt auch den globalen Norden, so ist Bewegung in die weltweite Debatte um Lösungen gekommen. Ein Aspekt dabei ist verstärkte Transparenz bei Kosten und Preisen. Welche Rolle die Bundesregierung einnehmen möchte, bleibt jedoch unklar. Eine Chance läge im konstruktiven Dialog mit der Zivilgesellschaft.

Eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der LINKEN vom 14. August setzte sich noch einmal mit den massiven Konflikten um die Transparenzresolution während der Weltgesundheitsversammlung (WHA) in diesem Frühjahr auseinander. Die Bundesregierung wurde zu ihrer damaligen „Dissoziierung“ von der durch Italien eingebrachten Transparenzresolution (wir berichteten1) befragt. Die Antwort vom Parlamentarischen Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums verdeutlicht vor allem, dass ein nachhaltiger Austausch zur deutschen Position bei dem Thema weiterhin dringend vonnöten ist.


Medikamente PackungenSeit über 40 Jahren gibt es die Modelliste für unentbehrliche Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die meisten Länder der Welt nutzen angepasste nationale Listen für ihre Gesundheitsversorgung. Doch die Auswahl der Wirkstoffe scheint nicht immer optimal. Und die hohen Preise für viele neue Präparate stellen ein ernstes Zugangshindernis dar.

Außerdem im aktuellen Heft:
Preistransparenz
Der Global Health Hub
Klinische Studien an Universitäten
Bilanz nach 7 Jahren Nutzenbewertung
Die Datenlage zu Antibiotika-Resistenzen weltweit

Download: Pharmabrief 4-5/2019 [pdf/700kB]


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