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Mpox: Zugang zu Impfstoffen
17. Februar 2025
Wie nachhaltig sind die globalen Bemühungen?
Der Mpox-Ausbruch in der Demokratischen Republik (DR) Kongo und weiteren afrikanischen Ländern ist nicht unter Kontrolle. In den Fokus rückt dabei neben der Diagnostik abermals die nicht adäquate Verteilung von Impfstoffen, wie ein zivilgesellschaftliches Bündnis Ende 2024 hervorhob.
Die BUKO Pharma-Kampagne und zwölf weitere NGOs haben anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember 2024 in einer Pressemitteilung angemahnt, endlich die richtigen politischen Lehren aus der Covid-Pandemie zu ziehen – gerade mit Blick auf die Ausbreitung von Mpox.
Denn zwar gibt es Impfstoffe gegen diese zoonotische Infektionskrankheit, doch aufgrund hoher Preise sind ärmere Länder auf Spenden angewiesen: „Dabei sind die Kosten in jedem Gesundheitsnotfall ein Schlüsselfaktor für eine ausreichende Versorgung und Vorsorge. Die verfügbaren Impfstoffe und Medikamente für die Behandlung der Krankheit unterliegen aber dem Patentschutz, das bedeutet hohe Preise, eine eingeschränkte Produktion, keine Transparenz über die Preisgestaltung und folglich ein begrenzter Zugang für betroffene Länder des Globalen Südens.“1
Beispielloser Ausbruch
Bis zum 8.12.2024 hatten 20 afrikanische Länder insgesamt 13.257 laborbestätigte Mpox-Fälle gemeldet, neben der Demokratischen Republik (DR) Kongo waren vor allem Burundi und Uganda betroffen, wobei die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte: „Eine beträchtliche Anzahl von Mpox-Verdachtsfällen, die klinisch mit Mpox vereinbar sind, bleiben aufgrund der begrenzten diagnostischen Möglichkeiten in einigen afrikanischen Ländern ungetestet und werden daher nie bestätigt.“2 Entsprechend liegen die gemeldeten Fälle ohne Laborbestätigung um ein Vielfaches höher, zusätzlich wird von einer bedeutenden Dunkelziffer ausgegangen, besonders in ländlichen Gegenden.
Neben der Anzahl der Fälle beunruhigte im Jahresverlauf auch das Aufkommen einer neuen Klade des Virus die globale Gemeinschaft, da sie schwerere Verläufe mit sich bringt (wir berichteten).3 Den
Erreger selbst kennt die Medizin bereits seit Ende der fünfziger Jahre. Nach der weltweiten Ausrottung der Pocken im Jahr 1980 profitierte das Mpox-Virus vom Ende der Pockenimpfung, denn der Impfstoff ist auch gegen Mpox wirksam. Das derzeitige Ausbruchsgeschehen ist allerdings beispiellos.4 Wie eine New York Times-Reportage aus einer der am stärksten betroffenen Kongo-Regionen nachzeichnete, hat sich vor Ort durch die rasante Verbreitung der neuen Klade das Profil der Patient*innen längst verändert, bei ihnen handele es sich „[…] nicht mehr größtenteils um Sexarbeiter*innen und Bergleute; das Virus breitet sich in der Allgemeinbevölkerung aus und trifft vor allem Kinder schwer.“5 Diese wiederum wurden bis Jahresende mangels geeigneter Impfstoffe noch überhaupt nicht versorgt.6 Mitte Dezember ließ Japan eine Einigung über die Schenkung von Impfstoffdosen an die DR Kongo verlauten, die auch bei Kindern eingesetzt werden können.7 Für Erwachsene zeigen sich wiederum die aus der Covid-Pandemie bekannten Hürden.
Anhaltende Abhängigkeiten
Zusagen über die Lieferung von Impfstoffdosen von der Europäischen Union und anderen Akteuren waren anfangs eher „ein Tropfen auf den heißen Stein“.8 Der Bedarf für eine realistische Eindämmung von Mpox auf dem afrikanischen Kontinent lag deutlich darüber, bis heute wird er nicht gedeckt und ist zudem von Spenden der reichen Länder abhängig. Neben regionalen Hindernissen, wie etwa eine häufig marginale Gesundheitsinfrastruktur, spielt gegenwärtig die immer noch mangelnde Diversifizierung der globalen Impfstoff-Produktion eine zentrale Rolle. Nicht umsonst stellte Raji Tajudeen, stellvertretender Generaldirektor des Africa CDC (Africa Centres for Disease Control and Prevention), kürzlich fest, man müsse über lokale Produktionsmöglichkeiten sprechen: „Wir können nicht damit weitermachen, diese medizinische[n] Gegenmaßnahmen aus dem globalen Norden zu importieren.“9
Leider hat sich Deutschland durch restriktive Positionen bei den Konfliktthemen Wissenstransfer und geistigem Eigentum sowohl in der Welthandelsorganisation als auch der WHO oft wenig konstruktiv, sondern im Gegenteil extrem industriefreundlich verhalten. Deshalb fordert das NGO-Bündnis: „Zur Unterstützung lokaler Gesundheitssysteme müssen transparente Strategien zum Wissens- und Technologietransfer entwickelt werden: Wir fordern die Bundesregierung dazu auf, die Entwicklung regionaler Produktionsstätten und Innovationszentren in Ländern des Globalen Südens, insbesondere in Afrika, zu unterstützen.“ Es lohnt sich, in diesem Kontext noch einmal einen Blick auf den Stand der Dinge beim Pandemievertrag zu werfen.
Bekannte Bruchlinie
Nach letzten erfolglosen Sitzungen zum Vertrag im Dezember 2024 liegen die Hoffnungen auf Einigung bei der WHO auf den wenigen verbliebenen Verhandlungstagen in der ersten Jahreshälfte 2025. Einer der am härtesten umkämpften Punkte im Vertragsentwurf dreht sich um das sogenannte PABS (Pathogen Access and Benefits Sharing). Hier zeigt sich eine nicht zuletzt seit Covid-19 bekannte Bruchlinie zwischen beteiligten Akteursgruppen: „Was die Afrika-Gruppe von PABS will, ist ein bevorzugter Zugang zu allen pandemiebezogenen Produkten, die mit Hilfe von Informationen über pandemieverursachende Krankheitserreger, die sie [die Afrika-Gruppe] geteilt haben, entwickelt werden. Dies ist für die Pharmaindustrie, die hauptsächlich von der EU und den USA vertreten wird, ein Gräuel.“10
Währenddessen geriet die medizinische Situation in der DR Kongo hierzulande Ende 2024 mit einem anderen Schwerpunkt in die Schlagzeilen. Nach Meldungen lokaler Gesundheitsbehörden über bislang ungeklärte Todesfälle in der Region Panzi, wurde über eine mögliche „Krankheit X“ als Auslöser berichtet. Dass die Lage vor Ort unübersichtlich war,12 trug das Ihrige dazu bei. Der Zoonose-Experte Fabian Leendertz konstatierte allerdings: „Mpox macht mir aktuell viel mehr Sorge als diese „Krankheit X“. Das ist regional immer noch ein Riesen problem.“13 Mittlerweile sieht die WHO die Fälle in Panzi auch nicht als Folge eines neuen Erregers, sondern bekannter gravierender Gesundheitsprobleme (mehr dazu in „Aus aller Welt“). Ob man Mpox im Verlauf von 2025 in den Griff zu bekommen vermag, hängt auch maßgeblich davon ab, ob Industrienationen nachhaltige Lösungen angehen wollen oder ob am Ende Schenkungen den Königsweg bilden sollen, der augenblicklich – wieder einmal – ein Holzweg ist. (MK)
- BUKO Pharma-Kampagne et al. (2024) Mpox-Ausbruch in Afrika – erhalten Länder des Globalen Südens wieder zu wenig Impfstoff? Pressemitteilung 10. Dez. www.aids-kampagne.de/presse/pressemitteilungen/2024-12-09-mpox-ausbruch-afrika [Zugriff 13.12.2024] ↩︎
- WHO (2024) 2022-24 Mpox (Monkeypox) Outbreak: Global Trends. Stand vom 10. Dezember, https://worldhealthorg.shinyapps.io/mpx_global/ [Zugriff 10.12.2024] ↩︎
- Pharma-Brief (2024) Viruserkrankung Mpox: WHO verkündet Notlage. Nr. 8, S. 3 ↩︎
- Cohen J (2024) Congo´s Mpox Crisis. Science, 9 Dec www.science.org/content/article/can-congo-contain-its-exploding-mpox-epidemic-and-curtail-its-international-spread [Zugriff 10.12.2024] ↩︎
- Nolen S (2024) Sex, a Hex and a Sick Child Offer Clues to an Epidemic’s Birth. New York Times, 7 Dec
www.nytimes.com/2024/12/07/health/mpox-virus-congo.html [Zugriff 10.12.2024] ↩︎ - Reuters (2024) New mpox vaccines for Congo‘s children held up by old problem. 26 Nov www.reuters.com/world/africa/new-mpox-vaccines-congos-children-held-up-by-old-problem-2024-11-26/ [Zugriff
16.12.2024] ↩︎ - Congo to get Japan’s mpox vaccine for children from next week, Africa CDC says | Reuters[Zugriff 13.12.2024] ↩︎
- RND (2024) „Mpox in Afrika nicht unter Kontrolle“. 29. Dez. www.rnd.de/gesundheit/mpox-in-afrika-nicht-unter-kontrolle-krankheit-breitet-sich-weiter-aus [Zugriff 10.12.2024] ↩︎
- Ärzteblatt.de (2024) Bisherige Reaktion auf Mpox Ausbruch aus Expertensicht zu langsam. 16. Okt.
www.aerzteblatt.de/nachrichten/154999/Bisherige-Reaktion-auf-Mpox-Ausbruch-aus-Expertensicht-zu-langsam [Zugriff 10.12.2024] ↩︎ - No Pandemic Agreement This Year – And Doubt About Feasibility Of May 2025 Deadline – Health Policy Watch[Zugriff 10.12.2024] ↩︎
- Demokratische Republik Kongo: „Die Lage ist tragisch – auch ohne neuartigen Erreger“ | ZEIT ONLINE [Zugriff 13.12.2024]
↩︎ - Heinze S (2024) „Mpox macht mir aktuell viel mehr Sorge als diese ‚Krankheit X‘“. 11. Dez. www.rnd.de/gesundheit/kongo-mpox-macht-mir-aktuell-viel-mehr-sorge-als-diese-krankheit-x [Zugriff 13.12.2024]
↩︎