Malaria: Fortschritt stockt
23. Februar 2026
WHO-Report sieht kritische Entwicklungen
Die globale Malaria-Bekämpfung konnte in den vergangenen Jahren trotz Rückschlägen durch die Covid-19-Pandemie Erfolge verzeichnen. Doch der jüngste Welt-Malaria-Bericht nennt große Risiken für die Zukunft, darunter die 2025 eskalierten finanziellen Kürzungen wichtiger Fördernationen (wir berichteten1) sowie die schleichende Resistenzentwicklung.
Laut WHO-Schätzungen wurden 2024 170 Millionen Malariafälle verhindert, gleichzeitig starben immer noch über 600.000 Menschen an der Infektion.2 Über 90% der Erkrankungen und Todesfälle treten in der WHO Region Afrika auf, besonders hoch ist die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren.
Medizinischer Wettlauf
Resistenzen sind in der Malaria-Bekämpfung generell kein neues Phänomen, sondern ständige Begleiter. So waren die in den 1950ern begonnenen WHO-Programme zunächst erfolgreich. „Doch in den 70er Jahren wendete sich das Blatt: [Das Pestizid] DDT hatte aufgrund der großflächigen Anwendung (auch in der Landwirtschaft) seine Wirksamkeit eingebüßt. Zugleich wurden die Malariaerreger zunehmend resistent gegen Chloroquin.“3 Der kostengünstige Wirkstoff war lange das Rückgrat von Behandlung und Vorbeugung, doch wurde dieses Werkzeug im Laufe der Zeit stumpf – mit dramatischen Folgen, vor allem bei der Kindersterblichkeit. An seinen Platz trat zwischendurch Sulfadoxin-Pyrimethamin, jedoch bildeten sich hier sogar noch rascher Resistenzen, längerfristige Hoffnung ruhte schließlich auf Artemisinin. Es findet seit der Jahrtausendwende in Kombinationstherapien breite Anwendung. Vor allem in der Behandlung unkomplizierter Verläufe markierten sie einen Wendepunkt. Doch zunächst aus Ostasien, zuletzt allerdings auch dem östlichen und südlichen Afrika kamen Berichte über Probleme bei der Wirksamkeit.
Gut kombiniert – oder?
Resistenzen gegen Artemisinin sind bislang glücklicherweise partiell, beschrieben wird dies mit dem Kürzel ART-R (Artemisinin partial resistance). Im Gegensatz zu z.B. Chloroquin werden Therapien daher nicht plötzlich komplett unwirksam. Wenn allerdings ART-R vorliegt, müssen die Begleitmedikamente in den Kombinationstherapien eine größere Anzahl von Malaria-Parasiten bekämpfen. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Resistenzbildung gegen solche ergänzenden Präparate.
Der WHO-Bericht 2025 macht deutlich, dass diese Entwicklung die Folge verflochtener biologischer, ökologischer und sozialer Dynamiken ist. „Parasitenmutationen, Übertragungsintensität, Immunität der Bevölkerung und Vektordynamik wirken zusammen mit den realen Bedingungen in Gesundheitssystemen: wie Menschen medizinische Versorgung in Anspruch nehmen, ob sie eine bestätigte Diagnose erhalten, wie die Qualität der verfügbaren Medikamente ist und wie hoch die Therapietreue.“ Verbesserte Surveillance sei daher zentral, so die WHO, außerdem eine rationale Versorgung auch im privaten Sektor, da hier ein Großteil der Malaria-Patient*innen vorstellig wird.
Malaria als Zoonose
Wie in den zurückliegenden Jahren blickt die WHO in ihrer Analyse globaler Trends auch kurz auf einen zoonotischen „Spezialfall“. Plasmodium knowlesi ist eine Variante des Malariaparasiten, die primär in Südostasien auftritt und dort Affen als Reservoir nutzt. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt wie gewohnt über Mücken. Bislang geschieht sie offenbar weiterhin vergleichsweise selten, für 2024 wurden weniger als 2.200 Infektionen gemeldet, primär in Malaysia. Zugleich scheinen sich Erkrankungen durch Plasmodium knowlesi in der Region zu verbreiten. (MK)