USA: Medizinische Informationssysteme bedroht
23. Februar 2026
Für das Auffinden medizinischen Wissens und klinischer Studien spielen zwei von der US-National Library of Medicine (NLM) betriebene Informationssysteme eine zentrale Rolle: Die Datenbank Medline (PubMed) bietet mit 5.264 indexierten Fachzeitschriften weltweit den umfangreichsten Zugriff auf medizinische Artikel und ClinicalTrials.gov den besten Überblick zu klinischen Studien weltweit.
Politische Entscheidungen der Trump-Regierung gefährden jedoch den Zugang und die Verlässlichkeit der Daten. So wurden in den Behörden, die dem US-Gesundheitsministerium unterstehen, mehrere Leitungsposten neu besetzt. Außerdem gab die Regierung nicht das vollständige Budget für die Behörden frei.

Bislang sind die Störungen noch moderat. Während des Government Shutdowns waren einige Dienste nicht verfügbar. Bei ClinicalTrials.gov und Medline gibt es nach wie vor Rückstände bei der Einspeisung von Daten (siehe Screenshot). Es gibt nicht nur die Sorge, dass die Angebote kostenpflichtig werden könnten, sondern auch, dass sie unzuverlässiger werden.
Insbesondere Schlagwörter wie Genderforschung, Bias, Frauen, Diversity oder Inklusion könnten zensiert werden. Damit wären entsprechende Artikel nicht mehr auffindbar – sofern die Einträge nicht sogar komplett gelöscht werden. Diese Befürchtung ist keineswegs aus der Luft gegriffen, denn die staatliche Förderung entsprechender Forschung wurde teilweise gestrichen oder Wissenschaftler*innen mit einem Reise- und Sprechverbot belegt (Communication Freeze). 1, 2
In einem gemeinsamen Positionspapier warnen das Institut für Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG), der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und Cochrane Deutschland vor den Folgen und suchen nach Alternativen.3 In einem Arbeitspapier hat das IQWiG die Sachlage zusammengefasst und sich Gedanken um mögliche Handlungsoptionen gemacht: 4
Bei anderen Anbietern fehlen Artikel
Die kostenpflichtige Datenbank Embase, die von ihrer Funktionalität am ehesten mit Medline vergleichbar ist, hat nur 64% der in Medline verfügbaren Zeitschriften indiziert. Bei Crossref finden sich zwar 94% der Zeitschriften, aber diese Datenbank verfügt aber über keine ausreichende Suchfunktionen. Auch wenn man beide Quellen kombiniert, fehlen noch Artikel aus 213 Fachzeitschriften.
Das IQWiG sieht dringenden Handlungsbedarf: Für das frei verfügbare Crossref wird der „Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur mit einem leistungsfähigen Interface und professionellen Suchfunktionen“ gefordert.
Lücken in der Erfassung von Studien
In der 2000 live gegangenen Datenbank ClinicalTrials.gov waren Ende 2025 über eine halbe Millionen Studien registriert. Seit 2007 muss dort nicht nur das Studienprotokoll, sondern auch eine Zusammenfassung der Ergebnisse veröffentlicht werden.
Andere Register können da nicht mithalten. Das britische ISRCTN Register entspricht zwar von der Informationstiefe ClinicalTrials.gov, listet aber nur gut 26.000 Studien. Die staatlichen EU-Register EU CTR und sein Nachfolger CTIS verzeichnen zusammengenommen 53.000 Studien, öfter auch Ergebnisse, aber bieten nur Minimalangaben zu den Studien. Gleiches gilt für das Metaportal ICTRP der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit fast einer Million Einträgen.
Das IQWiG empfiehlt, das WHO-Portal benutzerfreundlicher zu machen und das EU-Register CTIS für die freiwillige Registrierung zu öffnen. Perspektivisch sei es besser, eine zentrale Plattform zu fördern und die Registrierungspflichten gesetzlich zu verschärfen, damit sich die Register auch füllen. (JS)
- Ärzteblatt (2025) „Momentan müssen wir uns jederzeit auf drastische Einschränkungen gefasst machen“. 30.4. [Zugriff 2.2.2026] ↩︎
- Gross G et al. (2025) Regierungswechsel in den USA: Wissenschaft weltweit unter Druck. Dtsch Arztebl International, S. 215 ↩︎
- IQWiG et al. (2025) Informationsbeschaffung in unsicheren Zeiten Version 2, 18.12. [Zugriff 2.2.2026] ↩︎
- IQWiG (2025) Sicherstellung wissenschaftlicher Recherchen ohne PubMed und ClinicalTrials.gov; Arbeitspapier [Zugriff: 2.2.2026] ↩︎