Novo Nordisk Stiftung wächst
14. November 2025
Mit dem Diabetes- und Abnehmmittel Semaglutid nahm der Hersteller Novo Nordisk (NN) zuletzt 25 Milliarden US-Dollar ein.1 Damit wächst die finanzielle Schlagkraft der eigenen Stiftung, deren Wirken eine Studie kritisch beleuchtet.
In Dänemark lässt sich der Einfluss der Novo Nordisk Fonden (NNF) nicht mehr übersehen, außerhalb des Landes jedoch ist sie nur wenigen ein Begriff. Dies überrascht angesichts des mittlerweile beachtlichen Kapitals dieser seit über 100 Jahren bestehenden Stiftung. Wie der dänische Autor Adam Moe Fejerskov in einer UNU-IIGH2-Studie darlegt, unterscheidet sich NNF von ihrer Struktur teils deutlich von prominenteren Stiftungen. Sie eint allerdings, schwindelerregende Summen nach Gutdünken einzusetzen und damit den Diskurs massiv beeinflussen zu können, was dringende Fragen nach einer Rechenschaftspflicht mit sich bringt.3 Fejerskovs Arbeit verdeutlicht, wie groß die Bedeutung von NN für das Königreich ist. Der Wert des Unternehmens sei momentan größer als das gesamte dänische BIP, gemäß Schätzungen entfielen 18% aller nationalen Unternehmenssteuern auf Unternehmen der Novo-Gruppe.2 Jüngste Meldungen über tausendfache Entlassungen wurden begleitet von Ankündigungen zu einem geplanten Firmenzukauf für über vier Milliarden Euro.4
Gemeinwohl oder wirtschaftliche Interessen?
NFF ist eine kommerzielle Stiftung, aber frappierenderweise NN strukturell als de facto Eigentümerin übergeordnet. Das komplexe Gesamtkonstrukt, welches zusätzliche Akteure wie die einflussreiche World Diabetes Foundation einschließt, erklärt sich auch aus dem speziellen Ökosystem für Stiftungen in Dänemark, so Fejerskov. Oft sei Externen unklar, wo NN aufhöre und NNF anfange. Wenig überraschend gibt es auch personell enge Verbindungen.2 Was abstrakt klingen mag, verweist auf ein Kernproblem: NNFs finanzielle Potenz wächst unmittelbar mit den Einnahmen von NN, bemerkenswerterweise ist es aber zugleich erklärtes Mandat von NFF, vorteilhafte Rahmenbedingungen für das Wirtschaften von NN zu schaffen.
Von Dänemark in die Welt
2024 gab NFF mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar an fast 1.800 verschiedene Projekte.2 Weitreichend ist der Einfluss im akademischen Bereich, etwa durch umfassende finanzielle Unterstützung der Universität Kopenhagen. Auffallend ist, so Fejerskov, dass vom Management die letzten Jahre ein Trend zur Globalisierung der NFF-Arbeit gefördert wurde. Dänemark ist offenbar für die Ambitionen zu klein geworden. Da die Verantwortlichen Schwerpunkte wie Infektionskrankheiten durch andere Stiftungen bereits abgedeckt sahen, orientierte man sich jüngst gezielt Richtung „Planetary Health“ und das Thema Nachhaltigkeit. Angesichts der bereits skizzierten Finanzkraft hat man dafür einen beachtlichen Hebel. Der aktuelle CEO von NNF Mads Krogsgaard Thomsen zeigte sich überrascht, wie sehr ihm der rote Teppich seitens der Politik ausgerollt wurde.2 Dies dürfte mehr als bloße Koketterie sein.
Womöglich erst der Beginn
In Dänemark nehmen Fragen nach dem politischen Einfluss der NNF zu, etwa beim international beachteten Projekt zur Renaturierung großer Agrarflächen. Laut Fejerskov fehlt es bislang aber an akademischen Analysen zur Stiftung. Kritische Blicke werden auch deshalb dringend benötigt, weil das NFF-Management selbst betont, dies sei erst der Beginn einer Entwicklung, die Fördervolumen, Reichweite und thematische Breite weiter vergrößern werde.2 (MK)
- Kansteiner F (2025) Novo Nordisk predicts milder growth in 2025 after obesity star Wegovy doubles sales in Q4. Fierce Pharma, 5 Feb [Zugriff 23.10.2025] ↩︎
- United Nations University International Institute for Global Health ↩︎ ↩︎
- Fejerskov AM (2025) Private Foundations and Global Health Governance: A Case Study of the Novo Nordisk Foundation. United Nation University International Institute for Global Health, Kuala Lumpur ↩︎
- AFP (2025) Novo Nordisk kauft US-Biotech-Firma Akero. Deutsches Ärzteblatt, 10. Okt [Zugriff 17.10.2025] ↩︎