Emodepsid: Beschwerlicher Weg zur Umnutzung
23. Februar 2026
Beim Menschen zählen Erkrankungen mit Helminthen (parasitären Würmern) zu den oft schwer zu behandelnden Armutskrankheiten, auch auf der WHO-Liste vernachlässigter Tropenkrankheiten sind sie zu finden.1 Die Forschung dazu ist entsprechend stark unterfinanziert, die neuesten Wurmmittel sind 40 Jahre alt. Das macht das sogenannte Repurposing für Wissenschaftler*innen besonders attraktiv. Dabei werden bereits bekannte Wirkstoffe für andere Verwendungszwecke in der Medizin getestet.
Der Wirkstoff Emodepsid wird in der Veterinärmedizin seit Jahren zur Entwurmung eingesetzt, etwa bei Hund und Katze. Gleich drei Medienveröffentlichungen beleuchteten Ende 2025 seinen beschwerlichen Weg bei der Umnutzung für die Humanmedizin.2, 3, 4 Die BUKO Pharma-Kampagne lieferte Hintergrundinformationen für die Recherche und kommt in einem Beitrag ausführlich zu Wort: Unter dem bezeichnenden Titel „Erst die Katze – dann der Mensch“ widmet sich das Feature von WDR/Deutschlandfunk/SWR auch der problematischen Rolle der Firma Bayer in dem Prozess.
Wurmerkrankungen beim Menschen sind äußerst divers, viele von ihnen zoonotischer Natur, aber auch die Übertragung von Mensch zu Mensch spielt eine zentrale Rolle. Dabei rücken neben Medikamenten besonders die Lebensumstände von Patient*innen in den Fokus, etwa der Zugang zu sauberem Trinkwasser und angemessener Sanitärversorgung. (MK)
- Pharma-Brief (2024) Von wegen exotisch. Vernachlässigte Tropenkrankheiten im Fokus. Spezial Nr. 1 ↩︎
- Keller M (2025) Hoffen auf ein Medikament aus der Tiermedizin. FAZ, 14.11. [Zugriff 15.1.2026] ↩︎
- Keller M (2025) Wie eine Pharmazeutin den Peitschenwurm besiegen will. Deutschlandfunk, 27.10. [Zugriff 15.1.2026] ↩︎
- Keller M (2025) Über das Versagen des globalen Pharmamarkts. Erst die Katze – dann der Mensch. WDR/Deutschlandfunk/SWR, 16.12. [Zugriff 15.1.2026] ↩︎