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Einsatz in stürmischen Zeiten

Hinter uns liegt ein turbulentes Jahr für die globale Gesundheit. Es begann schon damit, dass der US-Präsident den Ausstieg der USA aus der WHO ankündigte – mit verheerenden Folgen für die öffentliche Gesundheit. Doch auch in der deutschen Politik wird die Luft dünner: Unter der neuen Bundesregierung gibt es keinen Unterausschuss Globale Gesundheit mehr. Genau deshalb ist es uns wichtig, diese Themen weiter in der Bevölkerung und der Politik zu verbreiten. Unter anderem konnten wir folgendes im vergangenen Jahr erreichen.

Vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTD)

Mehrere Personen sitzen an einem Tisch und diskutieren.
Parlamentarisches Frühstück mit Blick auf den Bundestag (Foto: © Corinna Krämer)

Die Problematiken im Zusammenhang mit dem Thema NTD, wie die unzureichende Finanzierung von Forschung und Versorgung, tourten mit der Pharma-Kampagne 2025 durch ganz Deutschland. In Zusammenarbeit mit verschiedensten Partnerorganisationen fanden Vorträge von Nürnberg bis Hamburg statt und erreichten ein breites Publikum. Darüber hinaus erstellten wir den politischen Handlungsleitfaden „Dengue ante portas: Impulse für die deutsche Politik zu NTDs“ und richteten im November ein digitales Parlamentarisches Frühstück zu diesem Thema aus. Unter der Schirmherrinnenschaft von MdB Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen) gab es u.a. spannende Expert*innenvorträge zu Leishmaniose und Vergiftungen durch Schlangenbisse. Im Jahr 2025 endete die Projektlaufzeit, doch mit dem Thema Zoonosen startet direkt ein Anschlussprojekt.

Zoonosen

Neben umfangreichen Recherchen markierte vor allem das 1. Fachtreffen im Juli den Start des Projekts. Neben der inhaltlichen Schwerpunktsetzung diskutierten wir in Bielefeld mit externen Expert*innen die für 2026 geplante Podcast-Reihe, für die schon erste Kontakte geknüpft werden konnten. Auch zwei Vorträge für Mediziner*innen fanden bereits statt. Wie aktuell das Thema ist, zeigten die Herausforderungen, vor denen viele afrikanische Staaten durch Mpox standen oder die auch in Deutschland wieder aufflammende Debatte rund um die Vogelgrippe.

Arzneimittel und Umwelt

Zwei Personen schauen sich die Wanderausstellung an.
Die Wanderausstellung „Arzneimittel und Umwelt“ (Foto: © Corinna Krämer)

Im Sommer und Herbst tourte unsere Wanderausstellung zum Projektthema durch NRW. Auf Messen, an Pflege- und Volkshochschulen sowie an anderen Orten lenkten wir so die Aufmerksamkeit auf die Gefahren, die durch Arzneimittel in der Umwelt entstehen. Über 400 Arzneimittel und ihre Abbaustoffe wurden bereits in Deutschland in der Umwelt nachgewiesen – sie beeinflussen Ökosysteme und stellen so auch für uns Menschen ein Risiko dar. In Kooperation mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe veranstalteten wir zwei Online-Fortbildungen für Pharmazeut*innen und PTA, die den Teilnehmenden neben Informationen auch Handlungsoptionen für ihren Arbeitsalltag an die Hand gaben. Außerdem veröffentlichten wir im September einen politischen Handlungsleitfaden. Den Abschluss des Projekts bildete im Oktober eine Konferenz mit spannenden Vorträgen von Gerd Maack vom Umweltbundesamt, Rodrigo Vidaurre vom Ecologic Institut und Robin Gundert von der Universität Freiburg. Die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Professionen lobten den gemeinsamen Austausch und den gelungenen Anlass zur Vernetzung.

Nicht übertragbare Krankheiten (NCDs)

Nach intensiver Recherchearbeit konnten wir im Juni die Fachbroschüre „Nicht übertragbare Krankheiten – Die stille Epidemie“ veröffentlichen. Besonders im Globalen Süden sind mehr und mehr Menschen von NCDs betroffen, gleichzeitig ist dort oft der Zugang zu Behandlung und Medikamenten erschwert. Durch Präventionsmaßnahmen wären viele Erkrankungen und Todesfälle verhinderbar. Mit drei Organisationen, die sich international für die Prävention und Behandlung von NCDs einsetzen, haben wir Interviews geführt und diese in unsere Fachbroschüre einfließen lassen. Im weiteren Projektverlauf verwenden wir sie zusätzlich für die Erstellung von einem Online Escape-Game und Podcasts.

Märchenhaftes Straßentheater

Unsere Theatergruppe „Schluck & weg“ trat in diesem Jahr ebenfalls zum Thema NCDs auf. An elf Auftrittsorten fieberten fast 2500 Zuschauende mit, wie Rotkäppchen mit der Hilfe des tapferen Schneiderleins und eines lungenkranken Froschkönigs versuchte, die Diabetesmedikamente für ihre Großmutter von der goldgierigen Pharma-Königin zu bekommen.

Abschied vom Memento-Bündnis

Die Arbeit im Memento-Bündnis sah dieses Jahr anders aus. Im Oktober veranstalteten wir im Jakob-Kaiser-Haus mit Blick auf den Bundestag ein Parlamentarisches Frühstück, dann gaben wir mit den anderen Bündnisorganisationen im November in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums das Ende des Memento-Bündnisses bekannt. Viele Wegbegleiter*innen verbrachten mit uns den Abend zum Thema „Jetzt ist Zeit zu handeln – Gemeinsam gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten“. Die vier Organisationen werden weiterhin daran arbeiten, vernachlässigte Krankheiten auf die politische Agenda zu setzen und betroffenen Menschen eine Stimme zu geben.

Vielseitig vernetzt

Drei Pharma-Brief Spezial Hefte
Pharma-Brief Spezial (© Hendrike Otto)

Internationalen Austausch genossen wir bei der Generalversammlung der International Society of Drug Bulletins (ISDB) in Verona. Mit den Vertreter*innen aus beispielsweise Uruguay, den USA, Moldau, Ecuador, Frankreich und Kanada vereint uns das Ziel, verlässliche und unabhängige Informationen über Arzneimittel und Therapien bereitzustellen, frei von Interessenkonflikten.

Zudem konnten wir Anfang des Jahres nach unzähligen Arbeitsstunden endlich unsere neu gestaltete Website launchen (Schauen Sie gern mal vorbei unter www.bukopharma.de). Außerdem wurden all unsere Aktivitäten von Social-Media-Arbeit begleitet, bei der uns auch unsere wechselnden Praktikant*innen unterstützten. Wir veröffentlichten sieben Pharmabriefe und sogar drei Pharma-Brief Spezial, darunter die politischen Leitfäden zu Vernachlässigten Tropenkrankheiten und Arzneimitteln in der Umwelt sowie die Fachbroschüre zu nichtübertragbaren Krankheiten im Globalen Süden. Doch neben allen Erfolgen musste sich auch die Pharma-Kampagne im vergangenen Jahr großen Herausforderungen stellen, unter anderem anhaltenden finanziellen Unsicherheiten und dem Abschied von geschätzten Kolleginnen.

Wir bedanken uns bei allen, die unsere Arbeit so vielfältig unterstützen, Beiträge teilen, sich mit uns bei Veranstaltungen austauschen und spenden! Danke, dass Sie auch in rauer See mit uns für eine gerechte globale Gesundheit im Boot sitzen. (HO)

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