Neue Optionen gegen antimikrobielle Resistenzen
16. April 2026
US-Zulassung für Antibiotika gegen Gonorrhö
Resistenzen stellen in der Therapie vieler sexuell übertragbarer Infektionen (STI) ein drängendes Problem dar. Nun gibt es zumindest für Gonorrhö Aussicht auf Neuerungen.
Gonorrhö ist eine der häufigsten STI weltweit. Auch der EU-Raum hat in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme an Fällen erfahren.1 Die umgangssprachlich Tripper genannte Erkrankung nahm global eine gleich doppelt beunruhigende Entwicklung. Denn ihren Erregern, den Gonokokken, fällt es leicht, von anderen Bakterien Resistenzgene aufzunehmen: „[D]iese Fähigkeit hat im Laufe der Jahre zu einer Resistenz gegen Tetracycline, Makrolide (einschließlich Azithromycin), Sulfonamide und Trimethoprim-Kombinationen und in jüngerer Zeit auch gegen Chinolone geführt.“2 Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt sie entsprechend prominent in ihrer aktuellen Prioritätenliste kritischer bakterieller Pathogene und sieht eine signifikante Gefahr für die momentan empfohlene Kombinationstherapie.3 Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Teilen Asiens dar. Sehr hohe Resistenzraten meldeten zuletzt etwa Kambodscha und Vietnam.4
Hoffnung auf adäquaten Zugang
Vor diesem Hintergrund sind zwei Neuzulassungen der US-amerikanischen Food and Drug Administration von Ende 2025 beachtenswert. Mit Gepotidacin und Zoliflodacin erhielten zwei neue orale Antibiotikatherapien gegen unkomplizierte urogenitale Gonorrhö grünes Licht von der Behörde. Besonders das letztere Präparat ist einen näheren Blick wert. Es ging hervor aus der Arbeit der Global Antibiotic Research & Development Partnership (GARDP). Diese nicht gewinnorientierte Schweizer Stiftung wurde von WHO und der Produktentwicklungspartnerschaft Drugs for Neglected Diseases Initiative ins Leben gerufen (wir berichteten5). Sie erhält seit Jahren auch deutsche Fördermittel, die jüngste Zusage umfasst 50 Mio. Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt für den Zeitraum 2023-27.6
Ein von GARDP formuliertes Ziel ist die Erprobung von De-Linkage-Ansätzen, bei denen Forschungskosten von Verkaufsvolumen- und Preis entkoppelt werden sollen.7 Entsprechend besteht die Hoffnung, dass das neue Antibiotikum in Zukunft adäquat verfügbar ist: „GARDP hat das Recht, Zoliflodacin in mehr als drei Viertel aller Länder weltweit zu registrieren und zu verkaufen, darunter alle Länder mit niedrigem Einkommen, die meisten Länder mit mittlerem Einkommen und mehrere Länder mit hohem Einkommen.“8 Das am Projekt beteiligte Pharmaunternehmen behält allerdings auch für einige Regionen die kommerziellen Rechte, unter anderem in der EU.8 (MK)
- RKI (2025) Epidemiologie und Resistenzlage der Gonorrhö in Deutschland in den Jahren 2023 und 2024. Epi. Bulletin; Nr. 38, S. 3 ↩︎
- The Lancet Infectious Diseases (2025) Stopping gonorrhoea‘s descent towards untreatability. The Lancet Infectious Diseases; 25, p 471 ↩︎
- WHO (2024) WHO Bacterial Priority Pathogens List, 2024. [Zugriff 6.3.2026] ↩︎
- WHO (2025) Enhanced Gonococcal Antimicrobial Surveillance Programme (EGASP) Gonorrhoea treatment optimization, 2025 report. [Zugriff 6.3.2026] ↩︎
- Pharma-Brief (2017) Wettlauf gegen die Zeit. Spezial Nr. 1 ↩︎
- BMFTR (2022) Stark-Watzinger: 50 Millionen Euro für die Erforschung innovativer Antibiotika. Pressemitteilung Nr. 67 [Zugriff 6.3.2026] ↩︎
- DNDi (2016) Global Antibiotic Research and Development Partnership (GARDP) Developing new antibiotic treatments, promoting responsible use, and ensuring access for all. [Zugriff 6.3.2026] ↩︎
- Cullinan K (2025) FDA Approves First New Gonorrhoea Treatment in Decades Amid Rising Antibiotic Resistance. Health Policy Watch; 15 Dez [Zugriff 6.3.2026] ↩︎