Die Abwärtsspirale in der Entwicklungshilfe
21. Mai 2026
Großbritannien legt Global Health Workforce Programme lahm
Das Vereinigte Königreich streicht ein zentrales Gesundheitsprogramm in Afrika – und verschärft damit den Trend sinkender Entwicklungshilfe. Kritiker*innen warnen vor langfristigen Folgen und sprechen von einer politischen Kehrtwende mit globalen Konsequenzen.
Die britische Regierung beendete im März 2026 vorzeitig das Global Health Workforce Programme, ein zentrales Gesundheitsprojekt in mehreren afrikanischen Ländern. Das Programm unterstützte die Aus- und Fortbildung von Gesundheitspersonal in Ghana, Kenia, Nigeria, Äthiopien, Malawi und Somaliland. Lange galt es als wichtige Initiative zur Stärkung nationaler Gesundheitssysteme und der globalen Pandemievorsorge. Über Jahre hinweg wurden so Kapazitäten aufgebaut – nun zieht London abrupt den Stecker. Und das, obwohl gewarnt wird, dass sich Fortschritte umkehren und steigende HIV-Neuinfektionen langfristig auch über Grenzen hinaus Auswirkungen haben könnten.1
Die Regierung betonte, Großbritannien könne „stolz auf die Fortschritte“ der Entwicklungszusammenarbeit sein, doch „die Welt hat sich verändert“ und zwinge dazu, „mit weniger Geld Prioritäten zu setzen“.2 Gerade diese Argumentation wirkt widersprüchlich: Ausgerechnet ein Programm, das Fortschritte sichern und ausbauen sollte, fällt nun den Kürzungen zum Opfer.
So viel zu den Prioritäten: Die Regierung der Labour Party kündigte bereits im Februar 2025 an, die Entwicklungshilfe von 0,5 % auf 0,3 % des BIP zu senken, um höhere Militärausgaben zu finanzieren – das geschah noch vor den Kürzungen unter Donald Trump (wir berichteten3). Bereits unter Boris Johnson war die Quote zuvor von 0,7 % auf 0,5 % reduziert worden – die Mittel wurden also innerhalb weniger Jahre mehr als halbiert.
„Das ist eine wahrhaft historische Entscheidung“, warnt Ben Simms, Geschäftsführer von Global Health Partnerships, der Organisation hinter dem Programm, und Großbritannien riskiere damit, „im Bereich der globalen Gesundheit an Boden zu verlieren, den wir nur schwer wieder gutmachen können“. Die Kritik zielt auch auf einen weiteren Punkt: Über Jahre hinweg wurden im Rahmen solcher Programme zahlreiche Fachkräfte für den britischen National Health Service (NHS) und die Sozialfürsorge gewonnen.1 Vor diesem Hintergrund wirkt der abrupte Rückzug widersprüchlich – denn wer Personal aus Partnerländern anwirbt, trägt auch eine moralische Mitverantwortung für die Stabilität der dortigen Gesundheitssysteme. (EF)
- Lay K (2026) UK government axes flagship global health project. The Guardian, 12 March [Zugriff 28.4.2026] ↩︎
- UK Parliament (2026) Development Aid: Health Services. Question for Foreign, Commonwealth and Development Office. 25 February [Zugriff 28.4.2026] ↩︎
- Pharma-Brief (2025) Entwicklungspolitik: Plant die EU Einschnitte? Nr. 10, S. 8 ↩︎