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EU gibt grünes Licht für Acoziborol

Die Schlafkrankheit zählt zu den bekannteren der vernachlässigten Tropenkrankheiten und wird durch den Stich der Tsetsefliege übertragen. Ohne schnelle Diagnose und Behandlung, um ein Eindringen des Parasiten ins zentrale Nervensystem zu verhindern, verläuft sie fast immer tödlich.1 Nun könnte die Behandlung jedoch einfacher werden.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts führte die Schlafkrankheit als Epidemie vor allem im Kongobecken zu hunderttausenden Toten, die letzte große „Welle“ ebbte erst Ende der neunziger Jahre ab.2 Durch großangelegte Eindämmungsmaßnahmen wie Vektorkontrolle und systematische Screenings sind die Fallzahlen seither stark zurückgegangen. Ausgerottet wurde die Krankheit jedoch nicht. Aktuelle Dynamiken wie gewaltsame Konflikte und illegaler Goldbergbau erhöhen in einigen Gegenden wieder das Infektionsrisiko.

Später Durchbruch

Eine adäquate Diagnose und Behandlung war für Betroffene seit jeher mit hohen Hürden verbunden. Lange wurden nur toxische Präparate mit massiven Nebenwirkungen eingesetzt, deren adäquater Anwendung zudem komplizierte sowie schmerzhafte Testungen vorangingen. Seit 2019 stellt Fexinidazol3 die Erstlinien-Therapie ab sechs Jahren dar und galt vor allem durch orale Anwendung und bessere Verträglichkeit als Durchbruch.4

Nun kommt ein neues Mittel auf den Markt, das weitere Vorteile bietet: Der Ausschuss für Humanarzneimittel der European Medicines Agency (EMA) empfahl im Februar in einem beschleunigten Bewertungsverfahren die Zulassung von Acoziborol.5 Das Präparat wurde von der Produktentwicklungspartnerschaft DNDi mit Sanofi und lokalen Partnern in Afrika erfolgreich gegen Trypanosoma brucei gambiense getestet. Dieser Erreger führt zur deutlich häufigeren der zwei Unterarten der Schlafkrankheut (gHAT). Ein naher Verwandter, Trypanosoma brucei rhodesiense, kann die Erkrankung ebenfalls verursachen (rHAT), jedoch unterscheiden sich Verlauf und Reservoirs sowie die regionale Verbreitung in Afrika.6

Neues Mittel bietet weitere Vorteile

Acoziborol soll nun gar das Ziel einer zeitnahen Ausrottung der Schlafkrankheit realistischer machen. Das Präparat wird bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren einmalig gegeben, was im Gegensatz zu Fexinidazol Adhärenzprobleme entfallen lässt und zukünftig in strukturschwachen Gegenden eine direkte Behandlung nach Schnelltestung erlauben könnte. Zudem hilft Acoziborol auch in schweren Fällen von gHAT, was die erwähnten Testungen obsolet macht, die Nebenwirkungen fallen geringer aus.7 Die genaue Wirkweise des Präparats ist bislang nicht vollständig geklärt. Gegen rHAT ist Acoziborol nicht zugelassen.
Neben medizinischem Fortschritt erfordert der Umgang mit der Schlafkrankheit allgemein weiter auch begleitende One Health-Kontrollmaßnahmen.8 So handelt es sich bei rHAT um eine Zoonose, als Hauptreservoir dienen verschiedene Nutz- und Wildtiere. (MK)


  1. Pharma-Brief (2024) Von wegen exotisch. Vernachlässigte Tropenkrankheiten im Fokus. Spezial Nr. 1 ↩︎
  2. Sawadogo PA et al. (2025) Human African Trypanosomiasis (HAT): Epidemiology, Biological Diagnosis and Treatment: A Review. Acta Parasitologica; 70, p 193 ↩︎
  3. Pharma-Brief (2018) Schlafkrankheit: Erstes orales Mittel. Nr. 10, S. 8 ↩︎
  4. WHO (2024) Guidelines for the treatment of human African trypanosomiasis. [Zugriff 17.4.2026] ↩︎
  5. EMA (2026) Summary of opinion. Acoziborole Winthrop. [Zugriff 17.4.2026] ↩︎
  6. Papagni R et al. (2023) Human African Trypanosomiasis (sleeping sickness): Current knowledge and future challenges. Frontiers in Tropical Diseases ↩︎
  7. Vogel G (2026) ‘Truly spectacular’ drug for sleeping sickness simplifies treatment, raising hopes for eradication. Science; 391, p 962 ↩︎
  8. May J et al. (2024) Einschätzung des Beitrags deutscher Institutionen bei der Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten. Hamburg: BNITM ↩︎

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