Blei bisher als Gesundheitsrisiko unterschätzt
22. Mai 2026
Neubewertung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die Belastung mit Blei erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Studie ordnet die Gefahr neu ein. Blei gilt nun nach Luftverschmutzung als das zweitgrößte umweltbezogene Gesundheitsrisiko. Der Globale Süden ist besonders betroffen.
Die kürzlich veröffentlichte “Global Burden of Disease Study 2023” stellt fest, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund von Bleibelastung weit höher ist als bisher angenommen.1 Mit jährlich mindestens 3,5 Millionen zusätzlichen Todesfällen klettert Blei von Platz 18 auf Platz 8 der Risiken für die globale Sterblichkeit insgesamt.
Neben der Erhöhung des Blutdrucks löst Blei auch oxidativen Stress, Arteriosklerose und Nierenschäden aus – allesamt Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit wesentlich zu Krankheitslast und Todesfällen beitragen.2 Einmal vom Körper aufgenommen, lagert sich Blei beispielsweise in den Knochen ab und beeinflusst den menschlichen Körper so lebenslang.
Obwohl die Verwendung des giftigen Schwermetalls mittlerweile stark zurückgegangen ist, findet es sich nach wie vor in Batterien, Elektroschrott, alten Trinkwasserrohren und teilweise auch in traditioneller Kosmetik oder Medizin. Auch durch Altlasten oder bei Entsorgungsprozessen kommen Menschen mit dem Metall in Kontakt. Ländern mit niedrigem und mittleren Einkommen sind besonders betroffen. Dort sind die geschätzten Blut-Blei-Werte bis zu viermal höher als in Ländern mit hohem Einkommen.
Die Autor*innen der Studie fordern deshalb, die Nutzung von Blei weiter drastisch zu reduzieren und Maßnahmen vor allem auf Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen zu konzentrieren, wo die Belastung am höchsten ist. (HO)
- GBD 2023 Lead Collaborators (2026) Lead-Attributable Cardiovascular Disease Burden. Global Burden of Disease Study 2023. JAMA. ↩︎
- Pharma-Brief (2025) Nicht übertragbare Krankheiten. Die stille Epidemie. Spezial Nr. 2 ↩︎