Öffentlich erforscht – für alle zugänglich?
26. Oktober 2026
Wemos veröffentlicht Leitfaden zu Socially Responsible Licensing
Öffentlich finanzierte Forschung führt nicht automatisch dazu, dass medizinische Innovationen für alle zugänglich und bezahlbar sind. Sozial verantwortliche Lizenzierung will deshalb das öffentliche Interesse bereits bei der Vergabe von Nutzungsrechten berücksichtigen.
Die niederländische Gesundheitsorganisation Wemos hat im September 2026 einen neuen Leitfaden zu sozial verantwortlicher Lizenzierung (Socially Responsible Licensing, SRL) veröffentlicht.1 Er zeigt, wie öffentliche Geldgeber, Universitäten und Forschungsinstitute dazu beitragen können, dass mit öffentlichen Mitteln entwickelte Innovationen später auch für Patient*innen zugänglich und bezahlbar sind. Der Leitfaden fordert, SRL systematisch in Forschungsförderung und Lizenzierung zu verankern.
Öffentliches Geld, private Produkte
Öffentliche Gelder spielen bei medizinischer Forschung eine wichtige Rolle. 2020 stammten laut Wemos 26 % der weltweiten Investitionen in pharmazeutische Forschung und Entwicklung – rund 75 Milliarden US-$ – von öffentlichen und gemeinnützigen Organisationen. Die EU investiert Milliarden in Forschung.
Öffentliche Finanzierung garantiert aber nicht den öffentlichen Nutzen. Im Gegenteil: Werden Forschungsergebnisse an private Unternehmen lizenziert, entscheiden kommerzielle Interessen darüber, ob ein Produkt weiterentwickelt wird, wo und zu welchem Preis es auf den Markt kommt.
Genau hier setzt das Konzept an. SRL ist „die Praxis, Produkte auf eine Weise zu lizenzieren, die den globalen Bedürfnissen Rechnung trägt. Sie fördert den Zugang zu Innovationen für diejenigen, die sie benötigen, sei es im weit gefassten Sinne der Gesundheit oder für weitere Forschung und Innovation.“1 Aber wie genau kann das aussehen?
Zugang von Anfang an mitdenken
Lizenzverträge können beispielsweise Vorgaben zu Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit enthalten. Auch nicht-exklusive Lizenzen2 oder Verpflichtungen zur Versorgung bestimmter Länder oder Möglichkeiten zur Weiterlizenzierung kommen infrage. Wird die Entwicklung eingestellt, können Rechte zudem an die erforschende Einrichtung zurückfallen und an andere Entwickler vergeben werden. Solche Bedingungen müssten früh festgelegt werden. Sind exklusive kommerzielle Rechte erst einmal vergeben, wird es schwierig, den Zugang nachträglich neu auszuhandeln.
Für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen könnten geografisch begrenzte Zugangsregeln, nicht-exklusive Lizenzen oder reduzierte Lizenzgebühren eingesetzt werden, ohne kommerzielle Möglichkeiten in wohlhabenden Märkten aufzugeben.
Mehr Einsatz von SRL nötig
Noch wird SRL uneinheitlich umgesetzt. Es fehlen Daten über die Auswirkungen, Wissen in Technologietransferstellen und verbindliche Verfahren. Freiwillige Prinzipien allein reichen deshalb nicht aus. Es braucht klare vertragliche Verpflichtungen sowie Verfahren zur Kontrolle und Rechenschaft.
Auch wir beschäftigen uns seit Jahren mit Equitable Licensing und setzen uns dafür ein, dass öffentlich finanzierte Forschung im öffentlichen Interesse genutzt wird und medizinische Innovationen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Bereits vor einigen Jahren haben wir dazu einen ausführlichen Leitfaden entwickelt.3 (EF)
- Wemos (2026) Unlocking the potential of socially responsible licensing of medical innovations. Guidance brief to improve access to publicly funded medical innovations. Amsterdam ↩︎
- Erlaubt es mehreren Personen oder Unternehmen, dasselbe geistige Eigentum oder Werk gleichzeitig zu nutzen. ↩︎
- Godt C (2017) Equitable Licensing & Global Access. ↩︎