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Covid-19 offenbart tiefe Versorgungslücke

Die Covid-19-Pandemie geht weltweit mit enormen psychischen Belastungen einher: Social Distancing, Isolation, Furcht vor Ansteckung oder erlebtes Leid im näherem Umfeld. Auch finanzielle Sorgen gelten als Stressfaktor.[1] Weltweit führte das zu einer Zunahme psychischer Erkrankungen. Vor allem während des ersten Pandemiejahres haben schwere depressive Störungen und Angststörungen um rund 25% zugenommen, meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO.[2] Junge Menschen und auch Frauen seien besonders häufig betroffen. Außerdem gebe es Hinweise auf ein erhöhtes Suizid-Risiko – vor allem in der Altersgruppe der 20 bis 25jährigen. Menschen mit mentalen Vorerkrankungen trügen außerdem ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Tod durch COVID-19. Bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen sei Erschöpfung ein wesentlicher Auslöser für Selbstmordgedanken.[3]

Heikle Versorgungslage

Doch nur eine Minderheit der Menschen mit psychischen Problemen werde behandelt und die Pandemie habe diese Behandlungslücke sogar noch vergrößert. Denn 2020 reduzierten viele Dienste für psychische und neurologische Erkrankungen ihre Hilfsangebote und noch immer sind viele Beratungs- und Serviceangebote unterbrochen. Kein anderer wesentlicher Bereich im Gesundheitssektor sei global so schwer beeinträchtigt worden, so die WHO. „Die Informationen, die wir jetzt über die Auswirkungen von COVID-19 auf die psychische Gesundheit der Welt haben, sind nur die Spitze des Eisbergs“, warnte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Dies ist ein Weckruf an alle Länder, der psychischen Gesundheit mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die psychische Gesundheit ihrer Bevölkerung besser zu unterstützen.“[2] 

Schon vor der Pandemie mangelte es vor allem im globalen Süden an  psychiatrischen und psychologischen Fachkräften. So kommt im ostafrikanischen Kenia nur ein Psychiater auf eine halbe Million Menschen.[4] In reichen Ländern wie Deutschland sind es dagegen rund 115.[5] Die Pandemie habe zwar das Interesse und die Sorge um die psychische Gesundheit geweckt, sagt Dévora Kestel, Direktorin der Abteilung für psychische Gesundheit und Substanzgebrauch bei der WHO, „aber sie hat auch gezeigt, dass in der Vergangenheit zu wenig in psychosoziale Dienste investiert wurde. Die Länder müssen dringend handeln, um sicherzustellen, dass die Unterstützung für psychische Gesundheit für alle verfügbar ist.“[2]  (CK) 

Artikel aus dem Pharma-Brief 2/2022, S. 7
Foto © Jesse Awalt/Flickr

[1] Shuyan L et al. (2021) Globale Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Der Nervenarzt

 https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00115-021-01068-2.pdf [Zugriff 9.3.2022]

[2] WHO (2022) Mental Health and COVID-19: Early evidence of the pandemic’s impact. 2 March https://www.who.int/publications/i/item/WHO-2019-nCoV-Sci_Brief-Mental_health-2022.1 [Zugriff 6.3.2022]

[3] WHO (2022) COVID-19 pandemic triggers 25% increase in prevalence of anxiety and depression worldwide. 2 March https://www.who.int/news/item/02-03-2022-covid-19-pandemic-triggers-25-increase-in-prevalence-of-anxiety-and-depression-worldwide [Zugriff 6.3.2022]

[4] Simmank J (2018) Psychisch krank, allein und vergessen. https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-10/kenia-afrika-psychisch-kranke-psychiater-behandlung-stigmatisierung?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.1d5920f4b44b27a802bd77c4f0536f5a-gdprlock%2F [Zugriff 9.3.2022]

[5] Mugglin C et al. (2021) Dringend nötig: ein globaler Blick auf psychische Erkrankungen. Schweizerische Ärztezeitung https://saez.ch/article/doi/saez.2021.20113 [Zugriff 9.3.2022]

 

 

 

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