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Impfstoff als global öffentliches gut

Die Europäische Bürgerinitiative Right to Cure fordert, dass die Europäische Kommission alles in ihrer Macht Stehende tut, um Behandlungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und vor allem Impfstoffe zu global öffentlichen Gütern zu machen, die für jeden Menschen auf der Welt ohne Hürden zugänglich sind. Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit und somit auch auf Heilmittel. Logo Right to Cure


Forderung: "kein Patentschutz auf lebensnotwendige Medikamente und Impfstoffe"

Berlin/Bielefeld, 19.02.2021

In einem offenen Brief hat sich ein Zusammenschluss von international arbeitenden Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen heute Vormittag an die Kanzlerin Angela Merkel gewandt. Dieser offene Brief erinnert zunächst daran, dass eine bestmögliche Gesundheitsversorgung zu jeder Zeit und besonders in Zeiten einer Pandemie ein Menschenrecht darstellt. Die Organisationen, darunter auch die BUKO Pharma-Kampagne, machen auf die ungerechte Impfstoffverteilung weltweit aufmerksam und sprechen sich für eine Patentschutzaufhebung aus.


EU-Maßnahme gegen Pharma-Hersteller Aspen lenkt den Blick auf globale Preishürden

Die Europäische Kommission hat in der vergangenen Woche die Verpflichtungszusagen der Firma Aspen Pharmacare für bindend erklärt. Der jahrelange Streit mit dem Hersteller um extreme Kosten und geringe Verfügbarkeit von sechs Arzneimitteln soll damit beigelegt werden. Konkret geht es um die Wirkstoffe Melphalan, Chlorambucil, Mercaptopurin, Tioguanin und Busulfan, die bei der Behandlung verschiedener Formen von Blutkrebs eingesetzt werden.

Aspen Durban panoramio xeonAspen hatte die Herstellung der Präparate 2012 nach Auslauf des Patentschutzes übernommen – und anschließend die Preise nach oben gejagt. Die EU antwortete 2017 mit einem Prüfverfahren und warf dem Hersteller vor, seine Marktmacht zu missbrauchen: „Selbst nach Berücksichtigung einer angemessenen Rendite hätten die Preise durchschnittlich um fast 300 Prozent über den relevanten Kosten gelegen, so die Kommission, wobei der Überschuss von Produkt zu Produkt und von Land zu Land unterschiedlich groß ausgefallen sei.“[1] Deutschland war als eines der ersten europäischen Länder von den Preissprüngen betroffen.


Zugang zu Impfstoffen weltweit und in ausreichender Menge - Appell an zwei deutsche Impfstoffhersteller 

CC Flickr Pfizer BioNTech Spritze in ImpfdoseBielefeld, 11.02.2021

In einem offenen Brief haben sich über 20 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die BUKO Pharma-Kampagne, an zwei deutsche Impfstoffhersteller gewandt. Die Schreiben sind ein Appell an BioNTech (im Folgenden zu lesen) und CureVac, die von ihnen produzierten Impfstoffe allen Menschen weltweit in ausreichenden Mengen und zu bezahlbaren Preisen zugänglich zu machen:


Globale Impfstoffversorgung in der Sackgasse?

Mit dem Covid-19-Impfstart in einigen Ländern wird der Blick auf die Verteilungspraxis kritischer. Dabei rücken besonders die verschiedenen Initiativen bei der WHO und der WTO in den Fokus.

Während in Deutschland eine Debatte darüber tobt, wann in den kommenden Wochen die notwendigen Impfstoffmengen gegen Covid-19 zur Verfügung stehen, stellt sich für den Großteil des globalen Südens die Frage, wie viele Monate oder Jahre vergehen mögen, bis es ausreichenden Zugang gibt.


Wissensstand noch unbefriedigend

BioNTech COVID 19 Vaccine 22Mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 stehen kurz vor der Zulassung oder haben schon eine Notfallzulassung erhalten. Aber was wissen wir überhaupt über Nutzen und Risiken?

Die Medien berichten über eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe von 90% und mehr.[1],[2] Die Meldungen suggerieren, dass damit die Verhinderung schwerer Erkrankungen und die Unterbrechung der Übertragung von Covid-19 gemeint sind. Das ist ein Missverständnis, vermutlich ausgelöst dadurch, dass die kursierenden Zahlen im Wesentlichen auf kurzen Pressemitteilungen der Hersteller beruhten, nicht aber auf unabhängig begutachteten wissenschaftlichen Veröffentlichungen über die Impfstoffe.

Was gemessen wird

Nach erheblichem Druck von WissenschaftlerInnen haben vier Impfstoffhersteller[3] ihre Studienprotokolle öffentlich gemacht. Deshalb kann man genau sehen, was tatsächlich geprüft wird. Peter Doshi, Mitherausgeber des British Medical Journal (BMJ) hat die Protokolle durchgesehen. Seine Schlussfolgerung: „Keine der Impfstudien ist so angelegt, dass sie eine signifikante Verringerung der Krankenhauseinweisungen, der Aufnahmen in die Intensivstation oder der Todesfälle entdecken kann.“[4] Als ausreichendes Kriterium für den Erfolg der Impfung gilt eine Reduktion des Auftretens von Symptomen wie Husten und Fieber, verbunden mit einem Labornachweis von Covid-19. Die Schwere der Erkrankung spielt


Carre JS2001 erschien „Der ewige Gärtner“ von John le Carré. Was hat das mit der Pharma-Kampagne zu tun?

Es fing mit einem Anruf an. „Ich recherchiere im Auftrag eines Krimi-Autors“, ließ uns eine Dame in unverkennbar Schweizer Dialekt wissen. Sie bräuchte Information zur Pharmakritik und der Pharma-Kampagne selbst. Erst beim zweiten Telefongespräch fiel der Name. Ob der Autor uns besuchen könne?

Keine Woche später, Anfang April 2000, saß David Cornwell – so hieß John le Carré im wirklichen Leben – im Büro der Pharma-Kampagne im Welthaus Bielefeld. Ein perfekter Gentleman, höflich, zurückhaltend, aber warmherzig. Ein aufmerksamer Zuhörer, der viele Fragen zu den Geschäftspraktiken der Pharmaindustrie in den ärmeren Ländern der Welt hatte und was wir dagegen tun. Erst mitten im Gespräch gestand er uns, dass er die Pharma-Kampagne schon fest in die Handlung des Buches, das er gerade schreibe, eingeplant habe. Ob wir damit einverstanden sein? Wir würden das Manuskript auch vorher zu sehen bekommen.



Gileads Remdesivir-Deal im Zwielicht

Bild: Joyce N. Boghosian/White House

Der US-Pharmakonzern Gilead hat mit der EU einen milliardenschweren Vertrag über Remdesivir geschlossen. Dabei wusste die Firma zu diesem Zeitpunkt schon, dass eine große Studie mit dem Medikament negativ ausgegangen war.

Am 16. Oktober 2020 verkündete die WHO, dass Remdesivir gegen Covid-19 praktisch nutzlos ist. Das hat eine Zwischenauswertung der großen von der WHO geleiteten Solidarity-Studie ergeben.[1] WHO Generaldirektor Dr. Tedros Ghebreyesus: „Remdesivir und Interferon tragen kaum etwas oder gar nichts dazu bei, den Tod durch Covid-19 zu verhindern oder den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen.“[2] Die Untersuchungsarme mit diesen Medikamenten wurden gestoppt. Bereits im Sommer waren zwei Wirkstoffe wegen Unwirksamkeit aus der Studie geflogen.[3] Die WHO-Studie wird mit anderen Arzneimitteln fortgesetzt.


 

BCCAuf der Online-Veranstaltung von Business Crime Control zur Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen spricht Jörg Schaaber von der BUKO Pharma-Kampagne.

Programm:

Samstag, 14. November 2020, 13 – 18 Uhr

Pillendreh am Rande der Legalität, Das Pharmageschäft mit manipulierter Wissenschaft und Laienwerbung
mit Jörg Schaaber, Geschäftsführer der BUKO Pharma-Kampagne, Bielefeld, Chefredakteur des „PHARMA-BRIEFS“ und von „Gute Pillen – Schlechte Pillen“

Weiße Kittel – Dunkle Geschäfte
Im Kampf gegen die Gesundheitsmafia
mit Dina Michels, Chefermittlerin bei der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover KKH

Profite first
Im Angesicht von Corona zeigt Bayer schlicht Marktversagen
mit Marius Stelzmann, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V., Düsseldorf

Sie können sich am 14.11. ab 13 Uhr einwählen:
https://conf.ccc-ffm.de/b/han-quc-qrj


WTO logoAm 15. und 16. Oktober tagte das das für Patente zuständige TRIPS Council[1] der Welthandelsorganisation (WTO). Bereits am 2. Oktober hatten Indien und Südafrika einen vielbeachteten Vorschlag eingebracht, zeitweilig für alle Produkte, die zur Vorbeugung, Eindämmung und Behandlung von Covid-19 notwendig sind, den Patentschutz auszusetzen. In der Sprache der WTO heißt so eine Ausnahmeregelung „Waiver“.


ABR virt AusstellungUnsere virtuelle Ausstellung zu Antibiotikaresistenzen ist nun online. Wir haben gemeinsam mit Partnerorganisationen in Indien, Tansania, Südafrika und Deutschland die Problematik der Antibiotikaresistenzen weltweit untersucht. Die Beispiele aus den Ländern verdeutlichen, wo die Probleme liegen und was zu tun bleibt.  Kurze Videos zu den Themen Mensch, Tier und Umwelt vermitteln einen Eindruck aus den vier Ländern. Denn Antibiotikaresistenz ist ein globales Problem. Resistente Keime nehmen keine Rücksicht auf Grenzen.

Wir freuen uns über euren virtuellen Besuch und Feedback!

Die Ausstellung findet ihr hier: www.bukopharma.de/antibiotika-resistenzen-ausstellung


International Monetary Fund building CC AgnosticPreachersKidIm Zuge der Covid-19-Pandemie hat der Internationale Währungsfonds (International Monetary Fund/IMF) in den vergangenen Monaten hohe Summen als Kredite oder Hilfszahlungen ausgeschüttet. Nach eigenen Angaben gingen bis zum zweiten Oktober dieses Jahres über 100 Milliarden US-Dollar an insgesamt 81 Länder.[i] Weitere Gelder wurden angekündigt.

Ein genauer Blick, an welche Vorgaben bzw. Empfehlungen an diese Unterstützung von IMF-Seite gekoppelt sind, ist nötig. Auch bedarf es einer kritischen Betrachtung von Instrumenten für Rechenschaftspflicht. So ergab eine Analyse von IMF-Unterlagen durch die NGO Oxfam, dass Empfänger zwar ermutigt wurden, die Bereiche Gesundheit und Soziale Sicherung zu stärken, jedoch bindende Vereinbarungen zumeist fehlten.[ii] Darüber hinaus mangelt es häufig an einer Überprüfung der realen Mittelverwendung. Besonders frappierend sind allerdings die massiven IMF-Forderungen nach Sparmaßnahmen für die Zeit nach der Pandemie, in einigen Fällen wurde das sogar zur festen Bedingung gemacht.


Patente töten PetitionPressemitteilung BUKO Pharma-Kampagne und medico international, 22.09.2020

In einem internationalen Aufruf fordern über 100 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 20 Ländern gemeinsam mit Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen, Gesundheitsexpert*innen und Kreativen anlässlich der Covid-19-Pandemie die Aufhebung des Patentschutzes auf alle unentbehrlichen Medikamente. Um aktuelle und künftige Pandemien erfolgreich einzudämmen, müssten Regierungen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Forschung transparent erfolgt, medizinisches Wissen und seine Endprodukte als Gemeingut der Menschheit behandelt werden und die Macht von Pharmaunternehmen im öffentlichen Interesse begrenzt wird.


StrassentheaterUnser Straßentheater ist auch dieses Jahr in ganz Deutschland unterwegs. Noch bis zum 26.09. können Sie unserem Stück in 11 Städten zusehen. Thema dieses Jahr: Straßentheater warnt vor Antibiotika-Resistenzen weltweit.

Die globale Gesundheit ist schwer angeschlagen. Viren und Bakterien sitzen ihr im Nacken. Ein Lehrling, der ihr zur Seite steht, kommt da wie gerufen. Doch der Gehilfe ist ein eitler, selbstgefälliger Typ. Er überschätzt seine Fähigkeiten und setzt einen Zauber in Gang, den er schon bald nicht mehr kontrollieren kann: Fiese Bakterien werden immer stärker und entwickeln Resistenzen. Er schickt sie an entlegene Orte, doch das macht alles nur noch schlimmer. Ist der Zauber noch zu stoppen? Mit ihrem skurrilen Märchen informiert die Theatergruppe Schluck & weg über Antibiotika-Resistenzen weltweit.

Hier finden Sie das Faltblatt mit noch mehr Infos zum Stück. Außerdem führen die Schauspieler dieses Jahr auch einen Blog während der Tour.

Und hier gibt es alle Auftrittorte, -zeiten und -städte.


Ausstellung AntibiotikaresistenzenUnsere Wanderausstellung zu Antibiotikaresistenzen ist vom 14.-25. September in Steinfurt auf der Fairen Woche zu sehen. Der Besuch ist kostenfrei möglich und wir freuen uns darauf, Ihnen die Ergebnisse unserer weltweiten Kooperation & Recherche zu präsentieren. Kommen Sie vorbei!

Für mehr Infos zur Ausstellung schauen Sie sich gerne den Trailer an:

 

 


Memento Preisverleihung 2020Nachdem wir Anfang des Jahres leider auf Grund der epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung Covid-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) die Memento-Preisverleihung absagen mussten, freuen wir uns nun umso mehr, Sie zu unserer Online-Diskussion zum Thema "Fehler im System: Was lehrt uns Covid-19 über Medikamentenforschung?" am 14. September 2020 von 16:00-17:30 Uhr einzuladen.

Obwohl wir es sehr schade finden, dass die Preisverleihung nach wie vor nicht wie ursprünglich geplant stattfinden kann, möchten wir dennoch die Gelegenheit nutzen, um unsere Preisträger*innen zu würdigen und gemeinsam zu diesem wichtigen Thema zu diskutieren.

Seit Langem ist zu beobachten, dass bestimmte Krankheiten von Forschung, Politik und Medien vernachlässigt werden. Wo keine lukrativen Absatzmärkte locken, unterbleibt die Entwicklung dringend benötigter Produkte und die Gesundheitsbedürfnisse von Millionen von Menschen, besonders in ärmeren Ländern werden vernachlässigt. Covid-19 hat dies noch einmal überdeutlich gemacht: Bis zum Ausbruch der Epidemie gab es nur wenige – fast ausschließlich öffentlich geförderte – Forschungsprojekte zu Corona-Impfstoffen.

Anlässlich der Verleihung der Memento-Preise 2020 diskutieren wir mit den Preisträger*innen: Rückt die Covid-19-Pandemie diese vernachlässigten Gesundheitsbedürfnisse stärker in den Fokus? Sollten wir über andere Forschungsmodelle nachdenken? Wo ist die Politik gefordert und wie können die Medien mehr Aufmerksamkeit für bessere globale Gesundheit wecken?

Wir freuen uns sehr auf unsere Diskutant*innen:
Heike Baehrens, Mitglied des Bundestags, SPD, Politikpreisträgerin
Theresa Breuer und Vanessa Schlesier, Freie Reporterinnen im Nahen Osten und Afrika, Medienpreisträgerinnen (TBC)
PD Dr. med. Christian Keller und Dr. rer. nat. Anke Osterloh, Universitätsklinikum Marburg und Forschungszentrum Borstel, Forschungspreisträger*innen
Moderation: Marco Alves, Ärzte ohne Grenzen

Registrieren können Sie sich unter diesem Link.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Nora Dettmer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).


Industriespende löst Antibiotika-Problem nichtDer Pharma-Brief 6/2020 widmet sich folgenden Themen:

Antibiotika-Ablasshandel
Industriespende für Forschung löst die Probleme nicht

Anfang Juli 2020 versprach der internationale Verband von Big Pharma (IFPMA) knapp eine Milliarde US$ für die Erforschung neuer Antibiotika. Damit reagiert die Industrie auf die Kritik an ihrem weitgehenden Ausstieg aus der Entwicklung von Medikamenten gegen resistente bakterielle Krankheitserreger. Weiterlesen

Antibiotika: Wo Deutschland noch dazulernen muss
Interview mit Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser

Können bakterielle Erkrankungen in Deutschland in naher Zukunft nicht mehr erfolgreich behandelt werden? Weiterlesen

Advocacy-Arbeit im Aufwind
Initiativen fordern eine bessere globale Gesundheitsversorgung

Die COVID-19 Pandemie lässt lange existierende Probleme in der globalen Gesundheitsversorgung wie in einem Brennglas erscheinen und gibt kritischen Positionen Aufwind. Zugleich werden für Forschung und Versorgung gewaltige Summen locker gemacht. Das ruft die Zivilgesellschaft auf den Plan und sorgt für intensive Advocacy-Arbeit. Gemeinsam mit ihren Bündnis-Partnern brachte die BUKO Pharma-Kampagne zahlreiche Initiativen auf den Weg. Weiterlesen

Entwicklungshilfe (einmal mehr) kritisch hinterfragt

Thomas Schwarz von Medicus Mundi International erzählt wie es zu der „Kampala-Erklärung“ zur internationalen Hilfe kam und warum eine kritische Auseinandersetzung mit dem Hilfe-Paradigma auch heute so wichtig ist. Weiterlesen

Aus aller Welt

  • Universitäten: Rassismus scha­det der Gesundheit
  • EU: Zwangslizenzen für Covid-19 Produkte
  • Allgemeinheit zahlt – Firmen machen Kasse
  • Transparenz: Italien macht Ernst

Download: Pharma-Brief 06/2020 [pdf/425kB]


Vorabdruck aus Pharma-Brief 7/2020

Von Anne-Emanuelle Birn und Laura Nervi

749px Palais des Nations unies GenveWährend sich globale Gesundheitsexperten, Politiker, zivilgesellschaftliche Gruppen und sechs der G7-Führer versammeln, um die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu unterstützen und etwas gegen die Diskreditierung der Organisation durch die US-Regierung und dem Zurückhalten der Mitgliedsbeiträge zu unternehmen,[1] ist es an der Zeit für eine Reflektion.


Eine Milliarde für neue AntibiotikaBig Pharma reagiert auf die Kritik an fehlender Antibiotikaforschung und will angeblich knapp eine Milliarde für die Erforschung neuer Antibiotika zur Verfügung stellen.[i] Die Initiative wird von den Pharmaverbänden unter Teilnahme von MinisterInnen und der WHO heute (9.7.2020) vorgestellt. Die Pharma-Kampagne kritisiert, dass der Zugang zu den neuen Antibiotika, die durch diese Forschungsgelder ermöglicht werden soll, keineswegs gesichert ist. Die Rechte an den neuen Medikamenten müssten an den Patentpool der WHO gehen, nur so kann eine preiswerte Produktion gesichert werden. Wenn der Cheflobbyist des internationalen Pharmaverbands Thomas Cueni gleichzeitig fordert, dass Anreize geschaffen werden müssten, um die Forschung wieder lukrativ für die Pharmaindustrie zu machen,[i] lässt das das Schlimmste befürchten. Statt weiterer Public Private Partnerships brauchen wir gezielte staatlich finanzierte Antibiotikaforschung mit klaren Regelungen zum Preis und Vertrieb. Damit können auch Fehlanreize verhindert werden, durch Werbung mehr Verschreibungen und damit höhere Umsätze zu erzielen. Dazu äußerte sich Jörg Schaaber von der Pharma-Kampagne auch in der Tagesschau.

 [i]www.tagesschau.de/investigativ/ndr/antibiotika-initiative-101.html


HIV Aids Schleife ribbonDer Pharma-Brief 5/2020 widmet sich folgenden Themen:

Aktuelle Herausforderungen in der globalen HIV-Arbeit
Neuer Online-
Kurs der Pharma-Kampagne

HIV und Aids stellen weiter massive Herausforderungen für die Weltgemeinschaft dar. Die Angst vor Rückschlägen in den globalen Bemühungen zur Eindämmung der Krankheit ist schon länger vernehmbar und wird durch COVID-19 verschärft. Seit dem 23. Juni ist im Internet ein deutschsprachiges Lern-Instrument zugänglich, das den großen Handlungsbedarf aufzeigt und den Nutzerinnen und Nutzern praktische Handreichungen bietet. Weiterlesen

Antibiotika – eine saubere Sache?
Indische Pharmakonzerne gegen Abwasserkontrollen

Indiens Regierung will die Abwässer aus der Antibiotika-Produktion besser regulieren. Dafür hat sie ein bahnbrechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Doch mächtige Pharmakonzerne versuchen, bessere Umweltstandards zu verhindern. Das britische Bureau of Investigative Journalism veröffentlichte dazu einen brisanten Bericht, den wir in deutscher Übersetzung ­präsentieren.

Wer bleibt außen vor?
Zugang zu Covid-19-Produkten nicht gesichert

Gegenwärtig gibt es weder eine Impfung noch eine spezifische Behandlung für Covid-19. Einige bereits existierende Medikamente werden auf ihre Wirksamkeit gegen das Virus getestet, vor allem in die Impfstoffforschung fließt jetzt viel öffentliches Geld. Doch wie gut werden die Ergebnisse der Forschung verfügbar sein? Derzeit werden von der UN, der WHO und vielen Staatschefs große Versprechen gemacht, dass alle Zugang zu Impfungen bekommen, wenn sie zugelassen sind. Doch das ist keineswegs sicher.

Aus aller Welt

  • Deutschland: Bei Kinderstudien Schlusslicht
  • Datentransparenz bei Covid-19 gefordert
  • Covid-19: Chloroquin nutzlos
  • Covid-19 fördert Resistenzen
  • WTO: Niederlage für Tabakindustrie

Download: Pharma-Brief 5/2020 [pdf/420kB]


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