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Der Pharma-Brief 8-9/2020 bietet als Doppelnummer ein breites Spektrum an Themen:

Nutzloses Covid-19 Medikament an EU vertickt
Gileads Remdesivir-Deal im Zwielicht

Der US-Pharmakonzern Gilead hat mit der EU einen milliardenschweren Vertrag über Remdesivir geschlossen. Dabei wusste die Firma zu diesem Zeitpunkt schon, dass eine große Studie mit dem Medikament negativ ausgegangen war. Weiterlesen

Auf einem Auge blind?
Globale Gesundheitsstrategie der Bundesregierung veröffentlicht

Anfang Oktober wurde das neue Leitdokument für die globale Gesundheitspolitik Deutschlands vorgestellt. Doch ein großer Wurf sieht anders aus.

Viele Facetten der Beeinflussung
Interessenkonflikte in der Medizin

Bewusst oder unbewusst verzerrte Studienergebnisse beeinträchtigen eine optimale Behandlung von PatientInnen. Welche Rolle spielen Interessenkonflikte der AutorInnen der Berichte? Weiterlesen

Interview zum Corona-Impfstoff
„Nicht auf die Gutwilligkeit der Industrie setzen“

Das Ringen zwischen Pharmaindustrie und Industriestaaten, den Ländern des Südens und der Weltgesundheitsorganisation ist in vollem Gange. Anne Jung sprach mit Jörg Schaaber.

WTO: Patente wegen Covid-19 aussetzen?
Konflikte in der Welthandelsorganisation um geistige Eigentumsrechte

Die Covid-19-Pandemie hat bestehende Konflikte innerhalb der WTO verschärft. Das zeigen jüngste interne Diskussionsprozesse rund um das Thema geistige Eigentumsrechte. Das zähe Ringen um die neue Führung der Organisation erschwert die Situation.

Resistent durch Glyphosat?
Interview mit Agrarwissenschaftlerin Prof. Dr. Maria Finckh

Die gesundheitsschädliche Wirkung des Herbizids Glyphosat wurde in den vergangenen Jahren viel diskutiert. Weniger bekannt ist, dass etliche Studien den Unkrautvernichter mit der Verbreitung resistenter Bakterien in Zusammenhang bringen.

Aus aller Welt

  • Drehtür bei der EU-Kommission rotiert
  • Die Politisierung von Chloroquin
  • Nebenwirkungen von Statinen

Hier findet sich der ganze Pharma-Brief 8-9/2020 [pdf/786 kB] zum Download.



Gileads Remdesivir-Deal im Zwielicht

Bild: Joyce N. Boghosian/White House

Der US-Pharmakonzern Gilead hat mit der EU einen milliardenschweren Vertrag über Remdesivir geschlossen. Dabei wusste die Firma zu diesem Zeitpunkt schon, dass eine große Studie mit dem Medikament negativ ausgegangen war.

Am 16. Oktober 2020 verkündete die WHO, dass Remdesivir gegen Covid-19 praktisch nutzlos ist. Das hat eine Zwischenauswertung der großen von der WHO geleiteten Solidarity-Studie ergeben.[1] WHO Generaldirektor Dr. Tedros Ghebreyesus: „Remdesivir und Interferon tragen kaum etwas oder gar nichts dazu bei, den Tod durch Covid-19 zu verhindern oder den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen.“[2] Die Untersuchungsarme mit diesen Medikamenten wurden gestoppt. Bereits im Sommer waren zwei Wirkstoffe wegen Unwirksamkeit aus der Studie geflogen.[3] Die WHO-Studie wird mit anderen Arzneimitteln fortgesetzt.


 

BCCAuf der Online-Veranstaltung von Business Crime Control zur Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen spricht Jörg Schaaber von der BUKO Pharma-Kampagne.

Programm:

Samstag, 14. November 2020, 13 – 18 Uhr

Pillendreh am Rande der Legalität, Das Pharmageschäft mit manipulierter Wissenschaft und Laienwerbung
mit Jörg Schaaber, Geschäftsführer der BUKO Pharma-Kampagne, Bielefeld, Chefredakteur des „PHARMA-BRIEFS“ und von „Gute Pillen – Schlechte Pillen“

Weiße Kittel – Dunkle Geschäfte
Im Kampf gegen die Gesundheitsmafia
mit Dina Michels, Chefermittlerin bei der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover KKH

Profite first
Im Angesicht von Corona zeigt Bayer schlicht Marktversagen
mit Marius Stelzmann, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V., Düsseldorf

Sie können sich am 14.11. ab 13 Uhr einwählen:
https://conf.ccc-ffm.de/b/han-quc-qrj


EU orphanVor 20 Jahren trat in der EU die Orphan Drugs-Verordnung in Kraft. Sie sollte die Entwicklung von Medikamenten gegen seltene Erkrankungen fördern. Doch der Erfolg ist bescheiden, die Mitnahmeeffekte enorm. Der ohnehin lange Patentschutz wird extrem verlängert, Wettbewerb verhindert.

Weitere Themen im Pharma-Brief 7/2020:

Die (Wieder-)Herstellung einer WHO für die Menschen

Aufruf: Patente töten

Download: Pharma-Brief 7/2020 [pdf/499 kB]


WTO logoAm 15. und 16. Oktober tagte das das für Patente zuständige TRIPS Council[1] der Welthandelsorganisation (WTO). Bereits am 2. Oktober hatten Indien und Südafrika einen vielbeachteten Vorschlag eingebracht, zeitweilig für alle Produkte, die zur Vorbeugung, Eindämmung und Behandlung von Covid-19 notwendig sind, den Patentschutz auszusetzen. In der Sprache der WTO heißt so eine Ausnahmeregelung „Waiver“.


ABR virt AusstellungUnsere virtuelle Ausstellung zu Antibiotikaresistenzen ist nun online. Wir haben gemeinsam mit Partnerorganisationen in Indien, Tansania, Südafrika und Deutschland die Problematik der Antibiotikaresistenzen weltweit untersucht. Die Beispiele aus den Ländern verdeutlichen, wo die Probleme liegen und was zu tun bleibt.  Kurze Videos zu den Themen Mensch, Tier und Umwelt vermitteln einen Eindruck aus den vier Ländern. Denn Antibiotikaresistenz ist ein globales Problem. Resistente Keime nehmen keine Rücksicht auf Grenzen.

Wir freuen uns über euren virtuellen Besuch und Feedback!

Die Ausstellung findet ihr hier: www.bukopharma.de/antibiotika-resistenzen-ausstellung


International Monetary Fund building CC AgnosticPreachersKidIm Zuge der Covid-19-Pandemie hat der Internationale Währungsfonds (International Monetary Fund/IMF) in den vergangenen Monaten hohe Summen als Kredite oder Hilfszahlungen ausgeschüttet. Nach eigenen Angaben gingen bis zum zweiten Oktober dieses Jahres über 100 Milliarden US-Dollar an insgesamt 81 Länder.[i] Weitere Gelder wurden angekündigt.

Ein genauer Blick, an welche Vorgaben bzw. Empfehlungen an diese Unterstützung von IMF-Seite gekoppelt sind, ist nötig. Auch bedarf es einer kritischen Betrachtung von Instrumenten für Rechenschaftspflicht. So ergab eine Analyse von IMF-Unterlagen durch die NGO Oxfam, dass Empfänger zwar ermutigt wurden, die Bereiche Gesundheit und Soziale Sicherung zu stärken, jedoch bindende Vereinbarungen zumeist fehlten.[ii] Darüber hinaus mangelt es häufig an einer Überprüfung der realen Mittelverwendung. Besonders frappierend sind allerdings die massiven IMF-Forderungen nach Sparmaßnahmen für die Zeit nach der Pandemie, in einigen Fällen wurde das sogar zur festen Bedingung gemacht.


Patente töten PetitionPressemitteilung BUKO Pharma-Kampagne und medico international, 22.09.2020

In einem internationalen Aufruf fordern über 100 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 20 Ländern gemeinsam mit Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen, Gesundheitsexpert*innen und Kreativen anlässlich der Covid-19-Pandemie die Aufhebung des Patentschutzes auf alle unentbehrlichen Medikamente. Um aktuelle und künftige Pandemien erfolgreich einzudämmen, müssten Regierungen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Forschung transparent erfolgt, medizinisches Wissen und seine Endprodukte als Gemeingut der Menschheit behandelt werden und die Macht von Pharmaunternehmen im öffentlichen Interesse begrenzt wird.


StrassentheaterUnser Straßentheater ist auch dieses Jahr in ganz Deutschland unterwegs. Noch bis zum 26.09. können Sie unserem Stück in 11 Städten zusehen. Thema dieses Jahr: Straßentheater warnt vor Antibiotika-Resistenzen weltweit.

Die globale Gesundheit ist schwer angeschlagen. Viren und Bakterien sitzen ihr im Nacken. Ein Lehrling, der ihr zur Seite steht, kommt da wie gerufen. Doch der Gehilfe ist ein eitler, selbstgefälliger Typ. Er überschätzt seine Fähigkeiten und setzt einen Zauber in Gang, den er schon bald nicht mehr kontrollieren kann: Fiese Bakterien werden immer stärker und entwickeln Resistenzen. Er schickt sie an entlegene Orte, doch das macht alles nur noch schlimmer. Ist der Zauber noch zu stoppen? Mit ihrem skurrilen Märchen informiert die Theatergruppe Schluck & weg über Antibiotika-Resistenzen weltweit.

Hier finden Sie das Faltblatt mit noch mehr Infos zum Stück. Außerdem führen die Schauspieler dieses Jahr auch einen Blog während der Tour.

Und hier gibt es alle Auftrittorte, -zeiten und -städte.


Ausstellung AntibiotikaresistenzenUnsere Wanderausstellung zu Antibiotikaresistenzen ist vom 14.-25. September in Steinfurt auf der Fairen Woche zu sehen. Der Besuch ist kostenfrei möglich und wir freuen uns darauf, Ihnen die Ergebnisse unserer weltweiten Kooperation & Recherche zu präsentieren. Kommen Sie vorbei!

Für mehr Infos zur Ausstellung schauen Sie sich gerne den Trailer an:

 

 


Memento Preisverleihung 2020Nachdem wir Anfang des Jahres leider auf Grund der epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung Covid-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) die Memento-Preisverleihung absagen mussten, freuen wir uns nun umso mehr, Sie zu unserer Online-Diskussion zum Thema "Fehler im System: Was lehrt uns Covid-19 über Medikamentenforschung?" am 14. September 2020 von 16:00-17:30 Uhr einzuladen.

Obwohl wir es sehr schade finden, dass die Preisverleihung nach wie vor nicht wie ursprünglich geplant stattfinden kann, möchten wir dennoch die Gelegenheit nutzen, um unsere Preisträger*innen zu würdigen und gemeinsam zu diesem wichtigen Thema zu diskutieren.

Seit Langem ist zu beobachten, dass bestimmte Krankheiten von Forschung, Politik und Medien vernachlässigt werden. Wo keine lukrativen Absatzmärkte locken, unterbleibt die Entwicklung dringend benötigter Produkte und die Gesundheitsbedürfnisse von Millionen von Menschen, besonders in ärmeren Ländern werden vernachlässigt. Covid-19 hat dies noch einmal überdeutlich gemacht: Bis zum Ausbruch der Epidemie gab es nur wenige – fast ausschließlich öffentlich geförderte – Forschungsprojekte zu Corona-Impfstoffen.

Anlässlich der Verleihung der Memento-Preise 2020 diskutieren wir mit den Preisträger*innen: Rückt die Covid-19-Pandemie diese vernachlässigten Gesundheitsbedürfnisse stärker in den Fokus? Sollten wir über andere Forschungsmodelle nachdenken? Wo ist die Politik gefordert und wie können die Medien mehr Aufmerksamkeit für bessere globale Gesundheit wecken?

Wir freuen uns sehr auf unsere Diskutant*innen:
Heike Baehrens, Mitglied des Bundestags, SPD, Politikpreisträgerin
Theresa Breuer und Vanessa Schlesier, Freie Reporterinnen im Nahen Osten und Afrika, Medienpreisträgerinnen (TBC)
PD Dr. med. Christian Keller und Dr. rer. nat. Anke Osterloh, Universitätsklinikum Marburg und Forschungszentrum Borstel, Forschungspreisträger*innen
Moderation: Marco Alves, Ärzte ohne Grenzen

Registrieren können Sie sich unter diesem Link.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Nora Dettmer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).


Vorabdruck aus Pharma-Brief 7/2020

Von Anne-Emanuelle Birn und Laura Nervi

749px Palais des Nations unies GenveWährend sich globale Gesundheitsexperten, Politiker, zivilgesellschaftliche Gruppen und sechs der G7-Führer versammeln, um die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu unterstützen und etwas gegen die Diskreditierung der Organisation durch die US-Regierung und dem Zurückhalten der Mitgliedsbeiträge zu unternehmen,[1] ist es an der Zeit für eine Reflektion.


Eine Milliarde für neue AntibiotikaBig Pharma reagiert auf die Kritik an fehlender Antibiotikaforschung und will angeblich knapp eine Milliarde für die Erforschung neuer Antibiotika zur Verfügung stellen.[i] Die Initiative wird von den Pharmaverbänden unter Teilnahme von MinisterInnen und der WHO heute (9.7.2020) vorgestellt. Die Pharma-Kampagne kritisiert, dass der Zugang zu den neuen Antibiotika, die durch diese Forschungsgelder ermöglicht werden soll, keineswegs gesichert ist. Die Rechte an den neuen Medikamenten müssten an den Patentpool der WHO gehen, nur so kann eine preiswerte Produktion gesichert werden. Wenn der Cheflobbyist des internationalen Pharmaverbands Thomas Cueni gleichzeitig fordert, dass Anreize geschaffen werden müssten, um die Forschung wieder lukrativ für die Pharmaindustrie zu machen,[i] lässt das das Schlimmste befürchten. Statt weiterer Public Private Partnerships brauchen wir gezielte staatlich finanzierte Antibiotikaforschung mit klaren Regelungen zum Preis und Vertrieb. Damit können auch Fehlanreize verhindert werden, durch Werbung mehr Verschreibungen und damit höhere Umsätze zu erzielen. Dazu äußerte sich Jörg Schaaber von der Pharma-Kampagne auch in der Tagesschau.

 [i]www.tagesschau.de/investigativ/ndr/antibiotika-initiative-101.html


Aids StophandWeiterhin sterben weltweit jährlich etwa 770.000 Menschen an Aids. Bereits vor dem Ausbruch von COVID-19 grassierte die Sorge vor Rückschritten in der HIV-Arbeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass eine der größten Herausforderungen in dem Feld seit Langem besteht: HIV betrifft nach wie vor überdurchschnittlich häufig Menschen, die marginalisiert und zugleich von den globalen Bemühungen nur ungenügend erreicht werden. Zu diesen Schlüsselgruppen gehören etwa Menschen in der Sexarbeit und Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung behindern oft Prävention und Behandlung.

Am 23. Juni veröffentlicht die BUKO Pharma-Kampagne ihren neuen Online-Lernkurs zu HIV. Er beleuchtet den aktuellen Handlungsbedarf und bietet praktische Empfehlungen. Das deutschsprachige Angebot ist frei zugänglich unter www.bukopharma-online-lernbox.de/aids/. Der Launch erfolgt im Vorfeld der im Juli (digital) stattfindenden Fachkonferenzen „HIV2020“ und „AIDS 2020“.

Der E-Learning-Kurs richtet sich an Personen, die im globalen Süden in Gesundheitsprojekten tätig sind oder in Deutschland zuständig für deren Konzeption und Management. Auch die politische Arbeit zu Gesundheitsthemen wird aufgegriffen und die Finanzierenden von entsprechenden Vorhaben angesprochen. Ebenso können Aidshilfen in Deutschland davon profitieren und natürlich alle, die sich für die Probleme der Bekämpfung von HIV interessieren.PFQ Startvideo

Der Kurs umfasst sechs Module mit Unterkapiteln. Jeder Abschnitt wird mit einem Erklärvideo eingeleitet. Neben den medizinischen Grundlagen werden vor allem die Formen und Auswirkungen von Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung verdeutlicht. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf den verschiedenen Ebenen und Instrumenten der Präventionsarbeit sowie den UNAIDS-Schlüsselgruppen. Länder- und Projektstudien aus dem globalen Süden bringen in allen Kapiteln positive und negative Ansätze näher. Praktische Hilfestellungen für die Zielgruppen runden den Kurs ab. Teilnehmende können ein Zertifikat erhalten, wenn sie sich anmelden und erfolgreich Testfragen beantworten.

 


Warum die EU-Handelspolitik umlenken muss.

Webinar Menschenleben vor PatentrechteDas Patentrecht ist seit langem ein Zankapfel zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden. Auch hier zeigt die Coronakrise den notwendigen Handlungsbedarf in einer globalen Dimension auf. Da es sich um eine Pandemie handelt, die auch die Industrienationen mit voller Wucht trifft, kann es sich keine Regierung leisten, einseitig die wirtschaftlichen Interessen von Pharmakonzernen zu schützen. Obwohl noch gar kein Impfstoff für COVID-19 entwickelt werden konnte, legen Parlamente bereits jetzt die Grundlage für eine Zwangslizenzierung.

Insbesondere die Länder des Globalen Südens sind aufgrund ihrer oft mangelhaften Gesundheitssysteme auf globale Solidarität angewiesen. Jedoch stellt die Herstellung und Verbreitung von Impfstoffen und Medikamenten speziell Entwicklungsländer vor große Herausforderungen. Grund: Der Schutz geistiger Eigentumsrechte von Pharmakonzernen. Pharmaunternehmen blockierten die Produktion generischer Medikamente, um ihre Profite zu schützen, die oftmals die Entwicklungskosten neuer Medizin um ein Vielfaches übersteigen. Entwicklungsländer werden so von der Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten abgeschnitten, aber auch die Krankenkassen in Deutschland und Europa geraten durch die hohen Lizenzkosten unter Druck.Im Rahmen des WTO-Abkommens über handelsbezogene geistige Eigentumsrechte (TRIPS) verpflichten sich die WTO-Mitglieder dazu, geistige Eigentumsrechte wie Patente, Markenzeichen und Urheberrechte auch im grenzüberschreitenden Handel zu schützen. Doch schon früh hagelte es Kritik: TRIPS erschwere den Zugang zu neuen Technologien und erhöhe die Abhängigkeit von den Industrieländern bei der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse, wie dem Schutz der Gesundheit durch Zugang zu bezahlbaren Medikamenten.

Das Webinar gibt einen Einblick in die Problemlage und wir diskutieren mit Jörg Schaaber (BUKO Pharma Kampagne) und Anna Cavazzini (Mitglied des Europäischen Parlaments/Handelspolitische Sprecherin der Fraktion Die Grünen/EFA) in welche Richtung die EU-Handelspolitik jetzt einschlagen muss.

Coronakrise: Warum Menschenleben vor Patentrechte gehen & die EU-Handelspolitik jetzt umlenken muss

Öffentliches Webinar am Mittwoch, den 24. Juni 2020 um 16 Uhr.

Die Anmeldung ist hier möglich.


Ein Webinar der AG Handel.
Konzeption Brot für die Welt, Forum Umwelt und Entwicklung, PowerShift und Greenpeace.
Unter Mitwirkung der Mitglieder der AG Handel im Forum Umwelt und Entwicklung.


Antibiotikaresistenzen nehmen durch COVID-19 zuDie COVID-19 Pandemie droht, Antibiotikaresistenzen weltweit zu fördern. Bereits vor der Krise stiegen die Resistenzraten. Doch im Zuge der Pandemie werden noch einmal mehr Antibiotika irrational eingesetzt, wie Health Policy Watch berichtet. Laut WHO benötigen nur wenige COVID-19 PatientInnen aufgrund von zusätzlichen bakteriellen Erkrankungen eine solche Therapie. Neue Antibiotika sind dringend nötig, um das globale Resistenzproblem in den Griff zu bekommen. Ansonsten droht uns allen, dass bisher behandelbare Infektionskrankheiten in Zukunft tödlich enden. Leider werden jedoch kaum neue Antibiotika entwickelt, denn sie sind nicht profitabel für die Pharmaindustrie.

Interessiert an dem Thema? Weitere Informationen zu Antibiotikaresistenzen gibt es in unserem neuen Pharma-Brief Spezial!


Deutschland macht nicht mit

WHO Pool

Es war ein großartiger Vorschlag von Costa Rica: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) solle das Wissen und die notwendigen Technologien zu Covid-19 bündeln, damit Produkte schneller entwickelt werden und nach Zulassung allen Menschen weltweit zur Verfügung stehen. Jetzt wurde der COVID-19 Technology Access Pool (C-TAP) von der WHO aus der Taufe gehoben.[1]

In einem offenen Brief hatten die BUKO Pharma-Kampagne, medico international, das Aktionsbündnis gegen AIDS und World Vision Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, sich zu beteiligen. Doch vergeblich. Am 29. Mai 2020 beim Start von C-TAP war Deutschland nicht dabei.[2] Unterstützt wird der Pool bisher von 38 Ländern, darunter fünf EU-Staaten.[3] (Details zu C-TAP siehe unten.)


2020 05 12 Sharepic Beate Wieseler COVID 19 DWissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG und der Cochrane Collaboration appellieren an die Europäische Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, EMA), alle klinischen Studienberichte (CSR) zu allen COVID-19-Arzneimitteln und -Impfstoffen unmittelbar mit dem Tag der Marktzulassung zu veröffentlichen. Die sofortige Veröffentlichung beschleunigt den wissenschaftlichen Fortschritt. Und nur mit diesen umfasssenden Informationen ist sichere Therapie möglich. Eigentlich muss die EMA den CSR 60 Tage nach Zulassung eines Medikaments veröffentlichen. Wegen ihres Umzugs von London nach Amsterdam kommt sie dieser Verpflichtung seit Dezember 2018 aber nicht mehr zeitnah nach.  


Tedros WHA73 © WHOGegenwärtig gibt es weder eine Impfung noch eine spezifische Behandlung für Covid-19. Einige bereits existierende Medikamente werden auf ihre Wirksamkeit getestet, vor allem in die Impfstoffforschung fließt jetzt viel öffentliches Geld. Doch wie gut werden  die Ergebnisse verfügbar sein? Bei der Weltgesundheitsversammlung wurden am 19.5.2020 große Versprechen gemacht, doch wichtige Fragen bleiben offen.

Während sich zu Beginn der Epidemie die Aufmerksamkeit auf fehlende Masken für Gesundheitspersonal und den Mangel an zuverlässigen Tests konzentrierte, richten sich nun Hoffnungen auf einen Impfstoff. Bis zum Covid-19 Ausbruch gab es kaum kommerzielle Forschungsprojekte zu Corona, obwohl mit SARS (2002) und MERS (2012) schon zwei Corona-Virenstämme zirkulierten, die schwere Verläufe auslösten.[1] Dabei steckten z.B. die US-National Institutes of Health seit 2003 fast 700 Millionen US$ in die Corona-Forschung, davon flossen rund 100 Mio. direkt an Firmen.


2020 01 Spezial ResistenzenResistente Bakterien breiten sich weltweit aus. Welche Ursachen und Folgen das hat, haben wir gemeinsam mit Partnern in Indien, Tansania, Südafrika und Deutschland untersucht. Dieser Pharma-Brief Spezial präsentiert die Ergebnisse. Er beleuchtet die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt. Lokale Probleme und Handlungsansätze rücken dabei ebenso in den Fokus wie internationale Wechselwirkungen oder die Verantwortung von MedizinerInnen, LandwirtInnen und VerbraucherInnen.


Download: Pharma-Brief Spezial 1/2020 Resistente Erreger [PDF]
Die Broschüre kann auch für 5,- € bestellt werden. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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