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Wie stark die Kosten zwischen Krankenhäusern in der EU variieren

Die Preise für Krebsmedikamente steigen – und setzen Gesundheitssysteme, Versicherte und Krankenhäuser zunehmend unter Druck. Einheitliche Preise und Transparenz in der EU? Fehlanzeige.

In einer Analyse der Preise von 15 Krebsmedikamenten werden Unterschiede zwischen europäischen Krankenhäusern deutlich. So schätzen Kliniken oftmals falsch ein, wie gut die ausgehandelten Preise sind, und ärmere EU-Länder zahlen teilweise mehr als reichere.1 Doch bevor man diese Unterschiede bewertet, stellt sich die grundsätzliche Frage: Warum sind Krebsmedikamente überhaupt so teuer?

Kosten und Nutzen neuer Therapien

Krebsmedikamente kommen oft im Schnellverfahren auf den Markt, angeblich damit Patient*innen früh Zugang zu neuen Therapien erhalten. Doch der tatsächliche Nutzen bleibt dabei häufig unklar: Die Datenlage ist dünn, ein klarer Zusatznutzen gegenüber bestehenden Behandlungen fehlt häufig. Gleichzeitig treiben hohe Preise selbst in wohlhabenden Ländern die Gesundheitssysteme an ihre Grenzen – weniger wegen tatsächlicher Entwicklungskosten, sondern vor allem, weil sich Preise daran orientieren, was der Markt hergibt.

Studien zeigen immer wieder, dass die Gewinne die tatsächlichen Kosten deutlich übersteigen. So kommt etwa ein Bericht der Organisation Public Eye zu dem Ergebnis, dass die Profitmargen bei untersuchten Krebsmedikamenten zwischen 40 % und bis zu 90 % der Investitionskosten liegen (wir berichteten2). Gleichzeitig kritisiert der Bericht die fehlende Transparenz der Pharmaindustrie, die hohe Preise oft mit angeblich enormen Forschungskosten begründet, ohne diese offenzulegen.

Geheime Preise und fehlende Transparenz

Die ausgehandelten Rabatte bleiben oft unter Verschluss. Krankenhäuser geben diese Informationen selten preis – ihre Verhandlungsposition könnte darunter leiden. In der Studie zu Krebsmedikamenten in europäischen Kliniken spielte dieser Aspekt eine zentrale Rolle: Die Forschenden anonymisierten die Preisdaten deshalb gezielt, sodass sich nicht mehr nachvollziehen lässt, welches Krankenhaus welche Preise meldete. Ein Blick auf die konkreten Ergebnisse zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität bei den Medikamentenpreisen tatsächlich ist.1

Was die Studie zeigt

Die höchsten Preise für Krebsmedikamente zahlte Frankreich, gefolgt von Serbien, Deutschland, Ungarn und den Niederlanden. Dabei zeigt die Studie deutliche Unterschiede – nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch innerhalb einzelner Länder. Zudem bilden Referenzpreise die tatsächlichen Kosten oft nur unzureichend ab. Denn je nach Land weichen die ausgehandelten Rabatte stark davon ab: Während sie in Serbien mit rund 7 % vergleichsweise gering ausfielen, waren die Ersparnisse in südeuropäischen Ländern mit bis zu 38 % deutlich höher.

Auch haben Krankenhäuser wegen fehlender Transparenz häufig eine falsche Einschätzung ihrer Verhandlungsposition: Rund die Hälfte lag mit ihrer Preiswahrnehmung daneben. Sie gingen davon aus, weniger zu zahlen als vergleichbare Einrichtungen – tatsächlich lagen ihre Preise jedoch bis zu 22 % über dem Durchschnitt.

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass ein niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen nicht automatisch zu günstigeren Medikamentenpreisen führt. So zahlte Serbien für mehrere Krebsmedikamente besonders hohe Preise, während sie in Deutschland und den Niederlanden niedriger ausfielen. Insgesamt bestätigt die Studie: Wohlhabendere Länder sichern sich häufig bessere Konditionen.1 Doch die europäischen Preisunterschiede sind nur ein Teil des Problems.

Ein globales Ungleichgewicht

Im globalen Vergleich zeigt sich ein noch deutlich größeres Ungleichgewicht – nicht nur bei den Preisen, sondern beim Zugang zu lebenswichtigen Therapien insgesamt. Während es in Europa bei Krebsmedikamenten oft eine Vielzahl ähnlicher Wirkstoffe gibt, die die Therapiewahl komplizierter machen, fehlt es in vielen Regionen Afrikas noch immer an grundlegenden und bezahlbaren Behandlungsmöglichkeiten für Patient*innen.3

Die Studie macht deutlich: Ohne mehr Transparenz und koordinierte Preisverhandlungen bleiben die Unterschiede bestehen – mit spürbaren Folgen für Patient*innen. (EF)


  1. Vancoppenolle J et al. (2026) Price transparency of cancer medicines: a crucial step towards informed pricing negotiations in the European region. Frontiers in Pharmacology; 17, 1736741 ↩︎
  2. Pharma-Brief (2022) Gefährlich hohe Profite bei Krebsmedikamenten. Nr. 9, S. 6 ↩︎
  3. Pharma-Brief (2025) Krebs: Geld oder Leben. Spezial Nr. 1, S. 14 ↩︎

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