Zum Inhalt springen

Hilfsaktivitäten vor Ort mit zahlreichen Hindernissen

Der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo (DRK) findet hierzulande nur noch wenig öffentliche Beachtung. Ende September gab es die Diskussion, ob Fälle spürbar abebben oder sich eher verlagern. Wie nehmen Sie, Frau Christine Häfele-Abah, die Situation vor Ort wahr?

Wir von Difäm Weltweit sind seit dem 15. Mai, als der Ausbruch in der DRK erklärt wurde, mit unseren kirchlichen Partnern in den Provinzen Ituri, Haut-Uele sowie Nord- und Südkivu in Kontakt und versuchen, sie im Kampf gegen die Epidemie zu unterstützen.1 Auch wenn sich in Ituri, wo die Epidemie ausbrach und der bisherige Hotspot war, der Anstieg der Fallzahlen glücklicherweise wohl etwas verlangsamt, gibt es sehr viele neue Fälle in Nord-Kivu, und inzwischen sind insgesamt sieben Provinzen betroffen. Die Lage ist also weiterhin sehr alarmierend und mit bisher über 8.000 offiziell registrierten Fällen und fast 4.000 Todesfällen (Stand 28.9.2026) ist es bereits jetzt der schwerste Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Kongo. Die tatsächlichen Zahlen dürften zudem noch deutlich höher liegen, da viele Fälle in den Communities gar nicht erfasst werden konnten.

Ein Grund dafür war auch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus.2

Ja, dadurch fehlten in diesem Ausbruch von Beginn an schnelle Diagnostikmöglichkeiten sowie Impfstoffe und spezifische Therapeutika. Inzwischen sind PCR-Labore in den betroffenen Regionen verfügbar und die Tests müssen nicht mehr ins weit entfernte Kinshasa geschickt werden. Aber Antigen-Schnelltests, die man direkt in den Communities verwenden könnte, gibt es bisher nicht. Klinische Studien zu Impfstoffen und Therapeutika sind angelaufen, doch bis diese routinemäßig verwendet werden können, wird es noch dauern. Und der zeitliche Vorsprung des Virus war enorm.

Dies hat außerdem leider zu zahlreichen Todesfällen unter dem Gesundheitspersonal geführt, auch in unseren Partnereinrichtungen. Sie hatten zu Beginn keinerlei Schutzausstattung verfügbar. Viele internationale Partner, auch wir, haben schnell Lieferungen mit Schutzausstattung und Hygienematerialien organisiert und auf den Weg gebracht. Von Difäm Weltweit aus haben wir hierfür eine große kirchliche Beschaffungsstelle in Uganda genutzt und wurden beim Transport durch Kleinflugzeuge einer anderen NGO unterstützt. Aber aufgrund des sehr hohen Bedarfs, der nicht ganz einfachen Koordination vor Ort und insbesondere der begrenzten internationalen Ressourcen bleibt die kontinuierliche Versorgung weiter schwierig.

Gerade im aktuellen Ausbruch wurde wieder deutlich, wie mühevoll die Eindämmung bei schlechter Sicherheitslage und Infrastruktur ist. Können Sie uns aus der Praxis einen konkreten Einblick geben, wie dies Gesundheitsarbeit verändert?

Diese beiden Faktoren stellen eine enorme Herausforderung dar. Einerseits kann es für Patient*innen sehr schwierig sein, aus ihren Dörfern zu den Gesundheitseinrichtungen zu kommen. Andererseits kann auch das Erreichen abgelegener Einrichtungen zur Durchführung von Trainings durch qualifizierte Fachkräfte und der Transport von Materialien wie Schutzausstattung erschwert werden. In einem unserer aktuellen Projekte sollte zum Beispiel das Referenzkrankenhaus in Lolwa mit berücksichtigt werden, das unsere lokalen Fachkräfte aus Bunia aber bislang aufgrund des sehr hohen Sicherheitsrisikos nicht erreichen konnten.

Die schwache Infrastruktur betrifft letztlich die gesamte Versorgung. Gesundheitseinrichtungen waren bereits vor der Epidemie äußerst unzureichend ausgestattet. Es fehlt an Equipment, selbst an einfacher Schutz- und Hygieneausstattung wie Handschuhen, an Medikamenten und vielem mehr. Dies hat sich nun in der Epidemie noch zugespitzt. Und wo Medikamente fehlen und Patient*innen nicht adäquat versorgt werden können, verliert die Bevölkerung das Vertrauen. Anstatt Patient*innen schnell zu überweisen, versucht man, sie zuerst zuhause zu behalten und mit lokalen Mitteln zu versorgen. Es entsteht ein Teufelskreis.

Selbst wichtige Triage-Vorrichtungen, die es Gesundheitseinrichtungen ermöglichen, Verdachtsfälle schnell zu identifizieren, fehlen immer noch in vielen Einrichtungen. Gerade führte unser Team vor Ort in Ituri ein Assessment in zehn Einrichtungen durch, von denen acht noch keine ausreichenden Triage-Einrichtungen hatten – nach vier Monaten Epidemie! Und auch die speziellen Ebola-Behandlungszentren kommen immer wieder an Kapazitätsgrenzen. So hörten wir von unserem Partner aus Nord-Kivu wieder von überfüllten Zentren, die Patient*innen abweisen mussten, so wie es auch zuvor in Ituri längere Zeit der Fall war.

Ein weiteres oft genanntes Problem für Ebola-Einsätze ist Misstrauen in den örtlichen Communities.

Ja, das ist eine sehr große Hürde und trägt dazu bei, dass Fälle nicht zügig nachverfolgt und Infektionsketten somit nicht unterbrochen werden können. Auch die Einhaltung notwendiger Schutzmaßnahmen, inklusive Desinfektion kontaminierter Bereiche und Durchführung sicherer Bestattungen sind dann nicht gewährleistet.

Die Angst und das Misstrauen der Bevölkerung in dieser fragilen Region, wo Menschen bisher oft keinen Schutz durch Behörden erfahren haben, sondern in ihrem Alltag vielen Risiken ausgesetzt sind, ist verständlich. Hier können gerade die Kirchen einen großen Beitrag zur Vertrauensbildung leisten. Dies wird inzwischen auch von der WHO und vielen weiteren Akteuren anerkannt. So unterstützen wir unsere Partner darin, mit ihren Gesundheitsfachkräften, aber auch mit Pastoren in die Gemeinden zu gehen, über Ebola aufzuklären und die Menschen „mitzunehmen“ – auf sie zu hören, einzugehen, ihre Sorgen ernst zu nehmen und, wo möglich, lokale und angepasste Lösungen zu finden. Dazu gehören insbesondere auch sichere und würdevolle Bestattungen, die den trauernden Angehörigen gerecht werden und ihnen Trost spenden. Nur durch adäquates Einbeziehen der betroffenen Bevölkerung kann diese Epidemie besiegt werden. Dies ist aus meiner Sicht auch eine Frage der Menschenwürde.

Auch die sozialen Medien spielen natürlich eine große Rolle, worüber manches Gerücht sehr schnell verbreitet und das Misstrauen gefördert wird. Gerade gestern haben sich unsere Partner daher in einem Online-Meeting intensiv darüber ausgetauscht, wie sie die sozialen Medien in der Bekämpfung der Epidemie selbst aktiv nutzen können und wie sie Falschmeldungen am besten begegnen können. Ich war sehr beeindruckt davon, wie intensiv und kompetent unsere Partner mit solchen Themen umgehen und selbst die Notwendigkeit von interdisziplinären Teams sehen, um „Risk Communication und Community Engagement“ so zielgerichtet und angepasst wie möglich umzusetzen. Es braucht sicher noch einen langen Atem – und natürlich auch Ressourcen – aber die Bemühungen gehen in die richtige Richtung und geben Anlass zur Hoffnung.

Der aktuelle Ausbruchsursprung ist weiter unklar, zuletzt vermutete eine Studie abermals den Übergang von Wildtieren auf Menschen als Ursache.3 Warum finden solche sogenannten Spillover in der DR Kongo immer wieder statt?

Dass solche Ereignisse in der Region immer wieder vorkommen können, hat viel mit dem engen Kontakt zwischen Menschen und Tierwelt zu tun. Menschen leben und arbeiten in Gebieten, in denen sie unmittelbar mit Wildtieren und ihren Lebensräumen in Kontakt kommen. Aufgrund der Armut und fehlender Alternativen jagen sie im Wald und verkaufen das Bushmeat auch auf Märkten. Gleichzeitig führen Bergbau, Landwirtschaft, Waldnutzung, Mobilität und Vertreibung dazu, dass die Kontaktzonen zwischen Mensch und Tier zunehmen.

Die aktuelle Epidemie ging von Mongwalu aus, wo es eine große Goldmine gibt, in der viele Kleinschürfer arbeiten. Um mehr Rohstoffe zu gewinnen, dringt man immer wieder in den Regenwald vor und auch so entsteht engerer Kontakt zu Wildtieren. Wenn eine solche Übertragung stattgefunden hat, kommt es dann zur Übertragung von Mensch zu Mensch. Von Mongwalu aus bewegten sich Bevölkerungsteile zur medizinischen Versorgung unter anderem nach Rwampara und Bunia. Durch solche Mobilität kann eine zunächst lokal begrenzte Infektion sehr schnell auf größere Bevölkerungsgruppen überspringen.

Das Risiko entsteht an der Schnittstelle von Ökosystemen, Lebensbedingungen, wirtschaftlicher Tätigkeit, Mobilität und der mangelnden Fähigkeit eines Gesundheitssystems, ungewöhnliche Erkrankungen früh zu erkennen und sie schnell einzudämmen. Der aktuelle Ausbruch hätte in einem stabileren System nie diese Ausmaße erreichen können. Daher sollte der Fokus aus meiner Sicht ganz klar darauf liegen, vorhandene Systeme zu stärken und sie resilienter zu machen. Hierfür ist wieder mehr internationale Solidarität dringend erforderlich!

Auch im Globalen Norden gefürchtete Erkrankungen wie Ebola lenken ab und an zumindest für kurze Zeit den globalen Blick auf die Gesundheitslage in Provinzen wie Ituri und Nord-Kivu. Was sind dort die alltäglichen Gesundheitsprobleme einer Bevölkerung, die keine Aufmerksamkeit bekommt?

Ebola ist für die Menschen vor Ort aktuell eine enorme Bedrohung, aber es ist bei weitem nicht das einzige Gesundheitsproblem. Malaria gehört zum Alltag, ebenso Tuberkulose und HIV. Es kommt immer wieder zu Cholera-Ausbrüchen, auch Mpox-Fälle wurden gerade wieder von unseren Partnern gemeldet.

Jede vierte Person in der Region ist ein Binnenflüchtling. Das bringt zusätzliche Probleme wie Mangelernährung und die Folgen von fehlendem Zugang zu Wasser und Hygienemöglichkeiten. Daneben nehmen Schwangerschaftskomplikationen zu, da die Frauen nicht mehr in die Entbindungsstationen kommen aus Angst vor Ansteckung. Hinzu kommen die gesundheitlichen Folgen von Gewalt und Vertreibung. Die WHO weist außerdem auf die hohe Belastung durch Traumata und die Unterbrechung chronischer Behandlungen hin.

Gerade die Versorgung von Frauen und Kindern ist ein gutes Beispiel dafür, was eine Epidemie zusätzlich anrichtet. Während der aktuellen Ebola-Epidemie ist die Nutzung grundlegender Gesundheitsdienste, einschließlich Impfungen und Geburten, in den am stärksten betroffenen Gebieten Ituris laut UNICEF zwischen April und Juni um 42 % zurückgegangen.4 Das hat zwangsläufig negative Folgen bei Masern, Malaria, Durchfall und anderen behandelbaren Krankheiten, die zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern gehören. Die Zahl der Müttersterbefälle in Ituri hat sich zwischen Mai und Juli verdoppelt.4

Das zeigt für mich sehr deutlich, warum es problematisch ist, die Gesundheitslage dieser Regionen nur durch die Brille von Ebola zu betrachten. Wenn internationale Aufmerksamkeit erst dann entsteht, wenn ein für uns bedrohliches Virus auftaucht, geraten die Krankheiten und Gesundheitsprobleme, mit denen Menschen dort jeden Tag leben, leicht aus dem Blick.

Was wäre stattdessen zu tun?

Hier nochmals der Appell, kontinuierlich internationale Solidarität zu zeigen und unter Ownership der Akteure vor Ort Strukturen in fragilen Regionen nachhaltig zu stärken. Als Difäm Weltweit stehen wir bereits seit vielen Jahren an der Seite unserer Partner im Ostkongo, gerade auch in Ituri, wo es ansonsten kaum internationales Engagement gibt. Manches ist mühsam, die Ressourcen sind begrenzt und die lokalen Rahmenbedingungen nicht sehr förderlich. Aber gerade in dieser Epidemie zeigt sich wieder, dass unsere Partner schnell einsatzbereit waren und ihren Beitrag zur Bekämpfung von Ebola leisten können, weil sie den Kontext vor Ort gut kennen und mit den Menschen verbunden sind. Einer unserer Partner in Bunia sagte in einem Interview: „Natürlich gibt es auch Momente der Angst. Das geht nicht nur mir so, sondern vielen meiner Kolleginnen und Kollegen, die als Gesundheitsfachkräfte an vorderster Front arbeiten. Wir wissen, dass wir uns selbst einem Risiko aussetzen. Gleichzeitig sind wir keine Außenstehenden. Wir gehören zu dieser Gemeinschaft. Die Menschen, die wir behandeln, sind unsere Brüder und Schwestern, unsere Nachbarn, unsere Freunde. Deshalb fühlen wir uns ihnen verbunden – und auch verpflichtet.“

Diese Verbundenheit und Solidarität wünsche ich mir auch auf internationaler Ebene.
Vielen Dank für das Gespräch! (MK)


  1. Die Partner von Difäm Weltweit im Ostkongo betreiben mehr als 600 kirchliche Gesundheitseinrichtungen, die insbesondere in den ländlichen Gegenden oft den Großteil der Gesundheitsversorgung abdecken und bis hin zu Referenzkrankenhäusern wichtige Aufgaben im System übernehmen, wo die staatliche Versorgung unzureichend bleibt. ↩︎
  2. Pharma-Brief (2026) Zoonosen: Die schmale Grenzen zwischen Mensch und Tier. Nr. 4, S. 1 ↩︎
  3. Amuri-Aziza A et al. (2026) Emergence of a Bundibugyo virus variant in the 2026 outbreak in the Democratic Republic of the Congo and Uganda. Nature Medicine ↩︎
  4. UNICEF (2026) DR Kongo: Mehr als 300 Kinder an Ebola gestorben. Pressemitteilung vom 7. August ↩︎

Wenn Sie sich regelmäßig über die Pharma-Problematik informieren wollen, sollten Sie den Pharma-Brief abonnieren.

Jetzt abonnieren

BUKO Pharma-Kampagne
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Google Analytics über den Google Tag Manager. Lesen Sie unsere Datenschutzerklärung.