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Ein neues Bildungsprojekt der Pharma-Kampagne

Mit Problemen und Fallstricken beim global gerechten Zugang zu Arzneimitteln beschäftigt sich ein neues Projekt der Pharma-Kampagne, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wird. Im Rahmen einer Online-Seminarreihe soll umfangreiches Fachwissen an entwicklungspolitische Akteure vermittelt werden.

 

BMZ 2017 Office Farbe de2018

 

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat laut der Weltgesundheitsorganisation noch immer keinen Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung. Etwa 800 Millionen Menschen müssen mehr als zehn Prozent ihres Einkommens für ihre Gesundheit aufwenden und fast 100 Millionen Menschen verarmen jährlich in Folge von Krankheit.[1] Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung macht deshalb eine universelle Gesundheitsversorgung (engl.: Universal Health Coverage, UHC) zum Leitkonzept für gesundheits- und entwicklungspolitisches Handeln.

Jeder Mensch soll Zugang zu gesundheitsbezogenen Informationen, zu angemessenen Gesundheitsdiensten sowie zu wirksamen, hochwertigen und bezahlbaren Arzneimitteln wie Impfstoffen haben. Auch die deutsche Entwicklungspolitik legt einen Schwerpunkt auf UHC und sieht dafür eine gute Arzneimittelversorgung als Grundlage an. Das BMZ setzt sich dafür ein, den Zugang zu Medikamenten und Gesundheitstechnologien weltweit zu verbessern.[2] Der Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln, Impfungen und Medizinprodukten ist schließlich bei der Bekämpfung der weltweiten Covid-19-Pandemie ebenso wichtig wie bei der Kontrolle von Tuberkulose oder HIV/Aids, beim Thema Mutter-Kind-Gesundheit, Verhütung sowie bei der Senkung der Sterblichkeit durch nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes oder Krebs.[3] Umso wichtiger ist es, dass entwicklungspolitische Akteure mit dieser Thematik gut vertraut sind, die Lücken in der Versorgung, ihre Ursachen und Lösungswege kennen.

Das Thema ist komplex: Lieferketten und die Infrastruktur vor Ort spielen bei der Medikamentenversorgung ebenso eine Rolle wie die Nutzenbewertung von Arzneimitteln, der Zugang zu unabhängigen Arzneimittelinformationen, Qualitätsstandards oder Fragen der Zulassung, Patentierung und Lizensierung von Medikamenten.

Die Zielgruppen

Neben Mitarbeitenden entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen sollen auch politische Entscheidungsträger erreicht werden. Nicht nur bei im globalen Süden durchgeführten Kampagnen und Projekten besteht Handlungs- und Informationsbedarf: Auch den VertreterInnen aus Politik und Verwaltung soll die Möglichkeit gegeben werden, sich umfassend über die Hürden beim Arzneimittelzugang im globalen Süden zu informieren. Für die Vermittlung der Fachinformationen und die Ermöglichung des Austausches zwischen ExpertInnen ist eine Online-Seminarreihe mit fünf Themenblöcken geplant.

Der Bauplan

Vorgesehen ist eine digitale Seminarreihe mit je fünf halbtägigen Kursblöcken. Der erste Block befasst sich mit dem Recht auf eine universelle Gesundheitsversorgung. Hier werden Lücken bei der Versorgung am Beispiel der Covid-19-Pandemie aufgedeckt und gleichzeitig wird gezeigt, welche anderen Baustellen wie vernachlässigte Krankheiten während der Pandemie in Vergessenheit geraten sind. Der zweite Tag beschäftigt sich mit essentiellen Arzneimitteln und deren Nutzenbewertung. Ebenso soll die Qualitätssicherung von Medikamenten sowie die Fälschung dieser auf den Märkten unter die Lupe genommen werden. Am folgenden Kurstag wird der Prozess von der Erforschung bis hin zur Zulassung und Vermarktung eines Arzneimittels betrachtet. Hier werden vor allem Patentsysteme und alternative Lizensierungsmodelle thematisiert. Der vorletzte Kurstag widmet sich u.a. der Frage, warum in ärmeren Ländern vieles nicht auf dem Markt ist, was aber dringend benötigt würde, um weit verbreitete Erkrankungen zu vermeiden, zu erkennen oder zu behandeln. Und: Wer bestimmt überhaupt, woran geforscht wird? Tag 5 der Seminarreihe beschäftigt sich mit der Transparenz von Informationen wie Studienergebnissen. Sowohl dem Gesundheitspersonal als auch den PatientInnen selbst muss ein Zugang zu Informationen über Medikamente sowie Therapien gewährleistet sein.  

Die gesamte Kursreihe wird in der zweiten Jahreshälfte 2021 produziert, wird im nächsten Jahr zweimal durchgeführt. Anschließend werden alle Inhalte in einem Baukasten auf unserer Internetseite bereitgestellt und sind für alle Interessierten frei zugänglich.

Erste Umzäunung der Baustelle

Im Juni hat das erste Fachtreffen mit ExpertInnen aus medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Berufsfeldern online stattgefunden, um den inhaltlichen Rahmen des Projektes zu umzäunen. Zudem waren Mitarbeitende deutscher Nichtregierungsorganisationen anwesend, die weitere inhaltliche Schwerpunkte und Fortbildungsbedarf zur Sprache brachten und somit bei der Konkretisierung der Seminarreihe beitrugen. Durch die beim Fachtreffen anwesenden Interessierten werden in den nächsten Woche Kontakte zu Partnerorganisationen im globalen Süden hergestellt, sodass neben der wissenschaftlichen Recherche zur Arzneimittelversorgung auch Fachgespräche wie Interviews mit ExpertInnen vor Ort geführt werden können. Mit den erarbeiteten Materialen wird die Seminarreihe Stück für Stück gefüllt und somit aus der Großbaustelle Arzneimittelversorgung Schritt für Schritt ein attraktives Seminargebäude konstruiert. (CK)

Auf unserer Projektseite können Sie sich zum aktuellen Stand der Dinge des Projektes informieren!

 

Dieser Beitrag erscheint ebenfalls im nächsten Pharma-Brief Ende Juli/Anfang August 2021.

Baggerschaufel © halid994

 

[1]www.un.org/Depts/german/gs/COVID-19-UHC.pdf [Zugriff 29.6.21]

[2]www.bmz.de/de/agenda-2030/sdg-3 [Zugriff 29.6.21]

[3]Martens J und Obenland W (2016) Die 2030-Agenda. Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung. Bonn / Osnabrück:  Global Policy Forum 6  terre des hommes www.2030agenda.de/sites/default/files/Agenda_2030_online_2016.pdf [Zugriff 29.6.21]