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Abwerbung von Pflegekräften aus dem globalen Süden

Die Corona-Pandemie hat den Pflegenotstand im deutschen Gesundheitssektor noch verschärft und die Abwerbung von Fachkräften aus dem weit entfernten Ausland forciert. Doch gerade in armen Ländern fehlt es häufig an Pflegepersonal. Die größten Lücken gibt es auf dem afrikanischen Kontinent, in Südostasien und in einigen Ländern Lateinamerikas.[1]

Um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken, wirbt Deutschland seit Jahren gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland ab. Das Phänomen ist nicht neu.[2] Doch die „Gewinnung von Pflegefachkräften in weit entfernten Drittstaaten“ wurde 2021 massiv ausgeweitet und vom Bundesgesundheitsministerium gefördert.[3] Schon im Dezember 2019 hatte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) vorgestellt, die die Vermittlung beschleunigen sollte.[4] Mittlerweile gibt es etliche gut finanzierte Abwerbeprogramme, die sich auf zehn Länder konzentrieren: Bosnien-Herzegowina, Brasilien, die Dominikanische Republik, Indien, Indonesien, Kolumbien, Mexiko, Philippinen, Tunesien und Vietnam. Die Zahl ausländischer Pflegekräfte in Deutschland hat sich in wenigen Jahren verdoppelt. 2021 kam jede achte Pflegekraft aus dem Ausland. Das trägt nicht nur dazu bei, die Personalkosten niedrig zu halten, sondern hat auch verheerende Folgen für die Gesundheitssysteme in den Herkunftsländern, so eine Analyse der Rosa Luxemburg Stiftung zur „Internationalen Abwerbung von Pflegekräften durch die Bundesregierung“.[5]

Die WHO hat 2020 eine Liste von 47 Ländern veröffentlicht, aus denen wegen eklatanter Engpässe bei der Gesundheitsversorgung keine Pflegefachkräfte rekrutiert werden sollten. Auch Deutschland orientiert sich bei seiner Abwerbungspraxis an dieser sogenannten „Health Workforce and Safeguard List“. Doch die Liste lässt jeglichen Bezug zu den nachhaltigen Entwicklungszielen vermissen. Fünf der zehn Länder, aus denen Deutschland aktiv Personal abwirbt, können nicht einmal eine elementare Gesundheitsversorgung gewährleisten. Weniger als 4 ÄrztInnen, Pflegekräfte und Hebammen kommen hier auf 1.000 EinwohnerInnen (in Deutschland sind es 15). Die Rosa Luxemburg Stiftung fordert deshalb, alle Abwerbeaktivitäten aus der Dominikanischen Republik, Indien, Indonesien, Tunesien und Vietnam unverzüglich einzustellen.[5]

Stattdessen brauche es eine Strategie zur langfristigen Personalentwicklung im deutschen Gesundheitswesen. Auch die besonders zu schützenden Herkunftsländer sollten neu definiert werden. Außerdem gelte es, angeworbene Fachkräfte besser vor Knebelverträgen zu schützen, denn 90% der ausländischen Pflegekräfte werden privat vermittelt, nicht selten mithilfe dubioser Methoden.[5] (ES)

Artikel aus dem Pharma-Brief 3/2022, S. 2
Bild © Alberto Giuliani

[1] WHO (2020) State of the world’s nursing 2020: investing in education, jobs and leadership. Geneva www.who.int/publications/i/item/9789240003279

[2] dpgg (2016) Brain-Drain durch grenzüberschreitende Abwerbung von Gesundheitsfachkräften. www.plattformglobalegesundheit.de/wp-content/uploads/2016/10/dpgg_brain-drain.pdf  [Zugriff 4.4.2022]

[3] PTI (2021) Faire Anwerbung Pflege Deutschland eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) www.ptj.de/projektfoerderung/faire-anwerbung-pflege-deutschland  [Zugriff 4.4.2022]

[4] Deutscher Bundestag (2019) Drucksache 19/22067 https://dserver.bundestag.de/btd/19/220/1922067.pdf

[5] Rosa Luxemburg Stiftung (2022) Mehr als nur Brain Drain – The Great Brain Robbery. Genf

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16. September: Rationale Versorgung und Regulierung
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23. September: Bedarfsgerechte Forschung, klinische Studien und Zulassung
06. Oktober: Transparenz und Zugang zu Information

 

20. Oktober: Memento Preisverleihung 2022 in Berlin