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Tagung zu Krebs im Globalen Süden diskutiert Handlungsbedarf

Die Versorgung krebskranker Menschen ist in Deutschland ein öffentlich präsentes Thema - solange es um den Globalen Norden geht. Die Situation in ärmeren Ländern wird hierzulande hingegen nur spärlich kommuniziert. Auch in der zivilgesellschaftlichen Arbeit findet sich eine große Lücke auf diesem Gebiet. Mit einer Fachtagung widmete sich die Pharma-Kampagne im Mai der Lage der PatientInnen in Ländern des Südens, den Gründen für die schlechte Versorgung sowie Möglichkeiten für mehr politisches Engagement.

Wie dringend das Thema einer besseren Krebsversorgung für die Arbeit in Entwicklungszusammenarbeit und Humanitärer Hilfe ist und vor allem noch werden wird, machen zwei Eckdaten deutlich: Zum einen geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass sich die Anzahl der Krebsfälle in Ländern niedrigen Einkommens bis 2040 verdoppeln wird.[1] Zum anderen schätzt sie, dass bereits 2030 bis zu drei Viertel der an Krebs Verstorbenen auf Länder niedrigen und mittleren Einkommens entfallen könnten.[2] Dieser Trend ist angesichts der ohnehin schon überlasteten Versorgungssysteme in vielen Regionen und den hohen direkten Kosten für die meisten PatientInnen umso bedrohlicher. So stellte 2021 eine Studie über den Zugang zu wichtigen Krebs-Präparaten (größtenteils auf der Liste unentbehrlicher Arzneimittel der WHO) angesichts der Daten aus über 80 Ländern fest: „Der Umstand, dass ein bedeutender Anteil der PatientInnen weltweit nicht einmal ältere generische zytotoxische Präparate mit nachgewiesenem Nutzen bezahlen kann, wirft ein Schlaglicht auf ein großes Problem der globalen Arzneimittelpolitik im Krebsbereich.“[3]

Das Projekt „Unbezahlbar krank?“ der Pharma-Kampagne hat seit 2020 zum Ziel, die deutsche Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft und Politik mit diesem noch wenig beachteten Aspekt Globaler Gesundheit in Kontakt zu bringen. Neben einer Fachpublikation[4] und einer bundesweiten Vortragsreihe mit KooperationspartnerInnen war auch die Tagung Teil des Vorhabens. Unter dem Titel „Krebs im Globalen Süden und die Vision einer allgemeinen Gesundheitsversorgung“ fanden sich am 19. Mai AkteurInnen aus Zivilgesellschaft, dem akademischen Bereich und der Entwicklungszusammenarbeit in Bielefeld ein, um sich über eine bessere Verankerung des Themas hierzulande auszutauschen. Kurzfristig wurde die Veranstaltung als hybrides Format angeboten.

Regionale und lokale Ebene im Fokus

Der erste inhaltliche Beitrag des Tages wurde von Frau PD Dr. Eva Kantelhardt von der Uniklinik Halle (Saale) beigesteuert. Sie gab zunächst einen Einblick in die schwierige Datenlage der Verbreitung sowie Versorgung von Krebs in verschiedenen afrikanischen Ländern. Dann kontrastierte sie die Realitäten in Deutschland mit denen Äthiopiens, dem zweitbevölkerungsreichsten Land Afrikas – ein Schwerpunkt ihrer Forschung.[5]

So unterschiedlich auf dem Kontinent teils die Aussichten auf eine einigermaßen frühe Diagnose oder eine leitliniengerechte Therapie sind, zeigt sich ein Trend doch überall: Die demographische Entwicklung mit alternden Gesellschaften und meist weiterhin hohem Bevölkerungswachstum ist eine zentrale Triebfeder steigender Fallzahlen. Umso wichtiger ist es, zumindest eine entsprechende Basisversorgung zu gewährleisten. Schon mit verhältnismäßig geringem Aufwand können signifikante Erfolge erzielt werden, wie Dr. Kantelhardt eindrücklich hervorhob – etwa bei Brustkrebs-Patient­innen, für die das etablierte Präparat Tamoxifen geeignet ist.

Ergänzt wurde diese regionale Perspektive durch einen Vortrag mit Fokus auf ein einzelnes lokales Projekt. Peter Vollmer, der als Krankenhausapotheker für das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm) Projekte weltweit begleitet hat, beschrieb dabei anschaulich den schrittweisen Aufbau der Zytostatika-Versorgung des Christian Medical Centres in Moshi, Tansania (siehe Bild). Dabei vermittelte er die praktischen Risiken im Umgang mit toxischen Mitteln für das Gesundheitspersonal vor Ort. Er betonte, dass Training und neue Hilfsinstrumente die Sicherheit erhöhen und so bestimmte Krebs-Behandlungen in der Klinik überhaupt erst möglich werden. Ebenso wie beim ersten Vortrag gab es zahlreiche interessierte Nachfragen von den Teilnehmenden. Von der Frage nachhaltiger Finanzierung solcher Projekte bis hin zur Beseitigung des giftigen Mülls.

Globale Zusammenhänge in Aktion

Ein Länderbeispiel aus Lateinamerika wiederum brachte Carlos Durán ein, der am Universitätsklinkum Utrecht und der Nationalen Universität Kolumbiens forscht. Sein Blick richtete sich auf das Andenland Ecuador, das im Zuge einer neuen Verfassung 2008 das Recht auf Gesundheit bedeutend stärkte. Das führte für viele Krebs-PatientInnen zu einem verbesserten und kostenfreien Zugang zur Behandlung, aber auch zu einem veränderten Verschreibungsverhalten mit dem verstärkten Einsatz neuer, teurer Präparate – mit verheerenden Konsequenzen für das staatliche Budget. Durán betonte, dass der Trend explodierender Budgets durch onkologische Produkte auch in vielen anderen Staaten Lateinamerikas zu beobachten ist. Bemerkenswert dabei: Das Vorgehen der Zulassungsbehörden in der EU und Nordamerika hat direkten Einfluss auf diesen bedrohlichen Trend (siehe S. 1 in dieser Ausgabe).

Eine weitere Süd-Perspektive bot Baone Twala, die als Rechtswissenschaftlerin  für die südafrikanische Menschenrechtsorganisation Section 27 tätig ist. In ihrem Beitrag hob sie die vielfältigen Unzulänglichkeiten der nationalen Gesundheitsarchitektur hervor. Die Zugangssituation für viele Krebs-PatientInnen ist vor dem Hintergrund der hohen Preise wichtiger Medikamente ganz besonders dramatisch. So etwa beim Wirkstoff Trastuzumab, vermarktet unter dem Namen Herceptin®, der vor allem gegen Brustkrebs, aber auch bei Magenkrebs eingesetzt wird. Wie Twala berichtete, führen vom Hersteller Roche errichtete Patentbarrieren in Südafrika bei Trastuzumab zu hohen Kosten in der Versorgung, da sie Konkurrenz vom Markt fernhalten. In Deutschland hingegen sind gleich mehrere Biosimilar-Varianten für die Behandlung verfügbar. Twalas mit Nachdruck vorgetragener Appell für weltweit mehr zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit für die Belange von Menschen mit Krebs, bildete die passende Überleitung zur letzten Tagungsetappe.

Deutscher Nachholbedarf

Nach dem Beleuchten der Lage von PatientInnen in verschiedenen Teilen des Globalen Südens, rückte zum Abschluss die politische Arbeit in Deutschland in den Fokus. Ein Input der Pharma-Kampagne vermittelte dabei die zentralen Erfahrungen aus der Projektarbeit der zurückliegenden Monate. Auffällig war dabei, wie umfangreich das Advocacy-Loch in Deutschland zu Krebs im Globalen Süden wirklich ist und wie äußerst schwierig es sich bei dem Thema gestaltete, einen Brückenschlag zu den zahlreichen PatientInnengruppen hierzulande zu erreichen. Leider erschwerte es die anhaltende Covid-19-Pandemie zudem, die Problemstellung im politischen Rahmen sichtbarer zu machen.

Eingehend und durchaus selbstkritisch diskutierten die Teilnehmenden anschließend über diese Bestandsaufnahme. Zugleich flossen Vorschläge, wie es besser gemacht werden könnte, direkt in eine erste Skizze für einen politischen Handlungsleitfaden ein. Jener soll in diesem Sommer Mitglieder des Bundestages und relevante Ministerien adressieren und konkrete Ansatzpunkte für die deutsche Politik liefern, damit die drängenden Bedürfnisse von Menschen mit Krebs im Globalen Süden nicht weiter ein Schattendasein fristen müssen.  (MK)

Feedbackbogen für Teilnehmende der Tagung

Der Artikel wird im Pharma-Brief 4/2022 (S. 4) erscheinen.
Gruppenbild Tagung in Bielefeld © Esther Guthy 

[1] WHO (2020) WHO report on cancer: setting priorities, investing wisely and providing care for all. Gene-va. https://apps.who.int/iris/handle/10665/330745

[2] Pramesh CS et al. (2022) Priorities for cancer research in low- and middle-income countries: a global perspective. Nature Medicine; 28, p 649

[3] Fundytus A (2021) Access to cancer medicines deemed essential by oncologists in 82 countries: an international, cross-sectional survey; Lancet Oncology; 22, p 1367  https://doi.org/10.1016/S1470-2045(21)00463-0

[4] Pharma Brief (2021) Unbezahlbar krank? Spezial Nr. 1 bukopharma.de/images/pharmabriefspezial/2021/2021-01_spezial_krebs.pdf 

[5] Wondimu A (2022) Breast cancer morbidity and mortality in rural Ethiopia: data from 788 verbal autopsies. BMC Women’s Health; 22, p 89

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