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Deutschland macht nicht mit

WHO Pool

Es war ein großartiger Vorschlag von Costa Rica: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) solle das Wissen und die notwendigen Technologien zu Covid-19 bündeln, damit Produkte schneller entwickelt werden und nach Zulassung allen Menschen weltweit zur Verfügung stehen. Jetzt wurde der COVID-19 Technology Access Pool (C-TAP) von der WHO aus der Taufe gehoben.[1]

In einem offenen Brief hatten die BUKO Pharma-Kampagne, medico international, das Aktionsbündnis gegen AIDS und World Vision Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, sich zu beteiligen. Doch vergeblich. Am 29. Mai 2020 beim Start von C-TAP war Deutschland nicht dabei.[2] Unterstützt wird der Pool bisher von 38 Ländern, darunter fünf EU-Staaten.[3] (Details zu C-TAP siehe unten.)

Dabei hätte die Bundesregierung allen Grund, die Bemühungen der WHO zu unterstützen. Schließlich hatte Kanzlerin Merkel im Vorfeld und bei der Weltgesundheitsversammlung ausdrücklich erklärt, dass Covid-19 Impfstoffe ein globales öffentliches Gut seien, das allen weltweit zugänglich sein müsse.[4],[5] Deutschland hat 525 Millionen € für die Erforschung von Impfstoffen und die künftige Produktion zugesagt.[6] Aber wie dieses Geld investiert wird, bleibt unklar. Es besteht die Gefahr, dass Impfstoffe und Medikamente – wenn sie denn erfolgreich entwickelt wurden – zu teuer verkauft werden. Auf das Versprechen von Big Pharma, Medikamente und Impfstoffe zu günstigen Preisen anbieten zu wollen, ist jedenfalls wenig Verlass.

Deshalb ist der Pool der WHO die einzig richtige Antwort. Nur so kann sichergestellt werden, dass Wissen weltweit geteilt wird und Generikafirmen schnell in die Produktion einsteigen können. Die Alternative wäre ein Flickenteppich von langwierigen Preisverhandlungen zwischen den Herstellern und einzelnen Ländern, der den Zugang zu den notwendigen Medikamenten verzögern und zum Teil ganz verhindern würde – denn Schwellenländer bleiben bei solchen Vergünstigungen meist außen vor.

Außerdem sollten die staatlichen Forschungsinvestitionen nicht durch überhöhte Produktpreise zu einem versteckten Subventionsprogramm für die Pharmabranche werden. In diesem Fall würden deutsche Steuerzahler gleich zweimal für Medikamente und Impfstoffe bezahlen und eine ausreichende Versorgung von Menschen in armen Ländern wäre nicht finanzierbar. Bleibt zu hoffen, dass sich die Bundesregierung doch noch dazu durchringt, klare Vorgaben für ihre Forschungsförderung zu machen: Was mit öffentlichen Mitteln entwickelt wurde, gehört in den Pool!  (JS)

Was steckt hinter C-TAP?

Der COVID-19 Technology Access Pool hat sich fünf Ziele gesetzt, die für eine schnelle Produktentwicklung und Versorgung wichtig sind:[7]

  • Gensequenzen und Daten öffentlich verfügbar zu machen, um die Forschung zu beschleunigen;
  • Transparenz bei den Studienergebnissen herzustellen, damit es Klarheit über die besten Produkte gibt;
  • Regierungen und andere Geldgeber sollen ihre Zahlungen an Firmen und ForscherInnen an Bedingungen knüpfen: gerechter Zugang, günstige Preise und eine vollständige Veröffentlichung wissenschaftlicher Daten;
  • Produktentwickler sind aufgefordert, ihre Covid-19-Technologien, geistigen Eigentumsrechte und Daten freiwillig in den Patentpool einzubringen, um eine schnelle und kostengünstige Generikaproduktion zu ermöglichen;
  • Offene Innovationsmodelle und Technologietransfer zu fördern, um eine lokale Produktion zu ermöglichen und lokale Versorgungsstrukturen zu stärken.

Die Federführung für den Access Pool liegt bei der WHO. Dabei wird auf etablierte Strukturen wie den Medicines Patent Pool zurückgegriffen, der 2010 gegründet wurde und inzwischen eine ganze Reihe von Patenten für etliche lebenswichtige Therapien gegen HIV, TB, Malaria u.a. bündelt. Ebenfalls beteiligt ist TAP, das Technology Access Partnership, eine Kooperation von vier UN-Organisationen, darunter die United Nations Technology Bank, eine UN-Organisation zur Stärkung von Wissenschaft, Technologie und Innovation in den am wenigsten entwickelten Ländern. Bei ihr ist seit dem 12. Mai eine Covid-19-Plattform angesiedelt, die für Technologietransfer und den Aufbau lokaler Produktionskapazitäten sorgen soll.[8]

 

[1]www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/global-research-on-novel-coronavirus-2019-ncov/covid-19-technology-access-pool [Zugriff 2.6.2020]

[2]www.bukopharma.de/index.php/de/8-aktuelles/347-who-patentpool-fuer-covid-19-produkte-gesundheitsorganisationen-fordern-bundeskanzlerin-zur-unterstuetzung-auf

[3]Argentinien, Bangladesch, Barbados, Belgien, Belize, Bhutan, Brazil, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, Egypt, El Salvador, Honduras, Indonesien, Libanon, Luxemburg, Malaysia, Maldiven, Mexico, Mongolei, Mosambik, Norwegen, Oman, Pakistan, Palau, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Sant Vincent und die Grenadinen, Südafrika, Sri Lanka, Sudan, Niederlande, Osttimor, Uruguay, Zimbabwe

[4]www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuelles/pressestatement-von-bundeskanzlerin-merkel-im-rahmen-der-who-spenden-videokonferenz-1746960 [Zugriff 3.6.2020]

[5]www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuelles/videobotschaft-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-anlaesslich-der-world-health-assembly-2020-am-18-mai-2020-1753676 [Zugriff 3.6.2020]

[6]www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzlerin-merkel-im-rahmen-der-covid-19-geberkonferenz-am-4-mai-2020-in-berlin-videokonferenz--1750234 [Zugriff 3.6.2020]

[7]WHO (2020) International community rallies to support open research and science to fight COVID-19. News release 29 May www.who.int/news-room/detail/29-05-2020-international-community-rallies-to-support-open-research-and-science-to-fight-covid-19

[8]https://techaccesspartnership.org

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