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arznei telegramm Wasserturm J Schaaber
Das unabhängige arznei-telegramm berichtet aktuell über Hintergründe von Lieferengpässen bei Medikamenten. Die Herstellung von Wirkstoffen konzentriert sich auf wenige Länder. Manche Wirkstoffe werden weltweit nur noch in wenigen Fabriken hergestellt. Gibt es Probleme bei der Produktion, kann es schnell zu Lieferengpässen kommen. Ein Beispiel ist die Verunreinigung von Valsartan-Präparaten mit krebserzeugenden Substanzen 2018, die zu zahlreichen verübergehenden Verboten führten (Pharma-Brief 7/2018, S. 4). Beim Gesundheitsministerium, Krankenkassen und anderen Akteuren ist wenig Problembewusstsein vorhanden und konkrete Lösungvorschläge sind erst recht Mangelware. Dabei ist eine bessere Steuerung und Dezentralisierung der Arzneimittelproduktion dringend erforderlich. 

CC Nagarjun Masked woman

Wie viele Menschen an der Corona-Pandemie sterben werden, ist derzeit noch unklar. Doch die gesellschaftlichen Folgen reichen weit über die unmittelbar durch Covid-19 verursachten Todesfälle hinaus. Eine kritische Überprüfung von Nutzen und Schaden von Eindämmungsmaßnahmen ist ebenso nötig wie ein globaler sozialer Ausgleich.


Merkel 2020 2Die BUKO Pharma-Kampagne richtet sich angesichts der COVID-19-Pandemie gemeinsam mit einer breiten Koalition zivilgesellschaftlicher Organisationen mit einem dringenden Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Gesundheit ist ein Menschenrecht, auch in Krisenzeiten.“Es darf keinen Platz für nationale Egoismen geben. Deutschland muss sich dafür einsetzen, dass niemand bei den Bemühungen gegen das Virus benachteiligt oder ausgeschlossen wird. Zahlreiche Hilfsorganisationen sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kirche haben sich dem Aufruf angeschlossen. Lesen Sie mehr in unserer Pressemitteilung.


Anthony AppleyardDerzeit wird mit Hochdruck und unter viel Einsatz öffentlicher Gelder an Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19 geforscht. Was dabei unklar bleibt: Werden erfolgreiche Entwicklungen auch allen PatientInnen zur Verfügung stehen, die sie brauchen? Zwar fordern das die UN und die WHO und es gibt vage Versprechen auch von anderen Akteuren, aber sicher ist das keineswegs.

Was auf uns zukommt, zeigt die Drohung des Sanofi-Chefs Paul Hudson. Er will den von seiner Firma derzeit getesteten Impfstoff nach der Zulassung zunächst nur in den USA vertreiben, denn das Land hätte finanzielle Unterstützung zugesagt. Wenn die EuropäerInnen den Impfstoff ebenfalls haben wollten, sollten sie der Firma ordentlich Geld für „neue Produktionsstätten, Abfüllanlagen und Verpackungsmaschinen“ bezahlen. Wäre es da  nicht einfacher, der Staat übernähme die Impfstoffproduktion gleich selbst? 

 Lesen Sie hierzu auch unsere gemeinsam mit vdää, vdpp und MEZIS herausgegebene Pressemitteilung vom 29.4.2020.


478px SARS CoV 2 without backgroundDie BUKO Pharma-Kampagne fordert anlässlich der Corona-Pandemie gemeinsam mit über 250 internationalen Organisationen und UnterstützerInnen eine internationale Kooperation zur Förderung medizinischer Entwicklung sowie eine umfassende und gerechte weltweite Gesundheitsversorgung. Die gegenwärtige Krise ist ein globaler Weckruf, endlich das unfaire, intransparente und wenig effektive Forschungssystem zu verändern.


Berlin 2020 03Schon in der kommenden Woche, ab 23.3.2020, soll ein Gesetz verabschiedet werden, das dem Gesundheitsminister angesichts der Ausbreitung von Corona weitreichende Vollmachten geben würde, die durch das Parlament nicht mehr kontrolliert werden können.
Auch angesichts der insgesamt großen Bereitschaft der Bevölkerung, Einschränkungen hinzunehmen und den bereits vorhandenen Restriktionsmöglichkeiten durch das Infektionsschutzgesetz sind die Maßnahmen übertrieben und greifen tief in die Grundrechte ein.
 
Eine Einordnung der gegenwärtigen Lage bietet auch ein Papier des Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin: www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19 

Memento Preis JSchaaber Für ihren Einsatz für bezahlbare Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente wird die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens mit dem diesjährigen Memento Politikpreis ausgezeichnet. „Es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn Menschen sterben, weil das Medikament, das geholfen hätte, zu teuer ist oder wegen mangelnder Renditeerwartung nicht entwickelt wurde“, so die Preisträgerin, Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit des Deutschen Bundestages. Die Preisverleihung wird nicht wie geplant am Mittwoch, dem 11. März stattfinden, sondern wird auf Grund der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) und der veränderten gesundheitspolitischen Empfehlungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.


DPGG-Tagung zu Öffentlich-Privaten Partnerschaften

DPGG win loseAm 11.11.2019 veranstaltete die Deutsche Plattform für globale Gesundheit (DPGG) in Berlin unter dem Titel „Win-win oder win-loose?“ eine gut besuchte Veranstaltung zu den Chancen und Risiken Öffentlich-Privater Partnerschaften in der Globalen Gesundheit. Die Pharma-Kampagne hatte die Fachkonferenz mitorganisiert.

Damit wurde ein Thema auf die Agenda gesetzt, das gewöhnlich von Parteien, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen gleichermaßen lieber hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Mit der Frage „Win-win oder Win-lose?“ beleuchteten wir die Wucht, mit der private AkteurInnen, allen voran die großen philanthropischen Stiftungen, die Agenda der globalen Gesundheit beeinflussen. Der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Anna Holzscheiter, Wissenschaftszentrum Berlin, die dort die Forschungsgruppe Governance for Global Health leitet, machte pointiert den massiven Einfluss deutlich, den einzelne private Akteure bereits heute haben.
Danach gab es zwei moderierte Gespräche. Die erste Runde mit einer Journalistin, die die engen Kooperationen von staatlichen und privaten Akteuren seit längerem kritisch verfolgt, einer Vertreterin des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und einem ehemaligen Vertreter des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. In der zweiten Runde stellten sich PolitikerInnen von CDU, SPD, Grünen und Linken der Diskussion. Die zusammenfassende Dokumentation der Tagung ist jetzt erschienen (JS)

DPGG (2020) Win-win oder win-loose.


pexels photo 928199Die Charité Universitätsmedizin, eines der größten Lehr- und Forschungskrankenhäuser in der Republik, hat sich Bayer-Vorstand Stefan Oelrich in den Aufsichtsrat geholt. Dazu Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Es ist uns gelungen, fünf exzellente Expertinnen und Experten für den Aufsichtsrat der Charité zu gewinnen. Ich danke ihnen für ihre Bereitschaft, die Charité auf dem Weg zu einer der weltweit besten Unikliniken zu begleiten, und freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“1 Kliniken, die zu 100% im Besitz des Landes Berlin sind, von einem Topmanager eines privaten Pharmakonzerns beaufsichtigen und beeinflussen zu lassen, scheint uns keine besonders brillante Idee. (JS)

1 Senatskanzlei (2020). Der Neue Sachverständige im Aufsichtsrat der Charité. Pressemitteilung vom 25. Feb. www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.899253.php [Zugriff 3.3.2020]


csm GF MSF Memento Preis 2018 WEB 070 96f2c4abaeDie Preisverleihung des Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten wird nicht wie geplant am Mittwoch, dem 11. März 2020 stattfinden, sondern wird auf Grund der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) und der veränderten gesundheitspolitischen Empfehlungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen in ärmeren Ländern werden seit langem vernachlässigt. Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten wie zum Beispiel Chagas oder Tuberkulose sind entweder nicht vorhanden, veraltet oder ungeeignet für die klimatischen und strukturellen Gegebenheiten vor Ort, nicht für Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten und für die Betroffenen oft unbezahlbar. Um auf diesen Notstand hinzuweisen, haben sich Ärzte ohne Grenzen e.V., Brot für die Welt, die BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. zusammengeschlossen und gemeinsam den Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten ins Leben gerufen. Seit 2014 wird er für besonderes Engagement in der Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten in den Kategorien „Forschung und Entwicklung“, „Journalismus“ und „Politischer Wille“ an Personen in einer öffentlichen Funktion verliehen.

Weitere Informationen zum Memento-Bündnis und dem Preis finden Sie auf der Internetseite: www.memento-preis.de.


Leider wird der diesjährige Kongress Armut und Gesundheit 2020 abgesagt!

csm Armut und Gesundheit 2020 750x500px 7c6475fdb8Auf dem Kongress wird Jörg Schaaber von der BUKO Pharma-Kampagne am 08.03. zum Thema "Das 1 x 1 der globalen Gesundheitspolitik: Private Interessen und globale Gesundheit – wie geht das zusammen?" zu Gast sein:

Termin: 8.3.2020 11.00-12.30
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135
Raum: H 1012

Globale Gesundheit hat es in den letzten 20 Jahren vom Nischendasein zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda geschafft. In Deutschland zeigt sich dies unter anderem in der neuen Globalen Gesundheitsstrategie der Bundesregierung. Mit dem Bedeutungsgewinn von Global Health treten aber auch inhaltlich-konzeptionelle Differenzen stärker zu Tage. Diese will die Deutschen Plattform für Globale Gesundheit näher beleuchten. Eine besondere Dynamik ist nicht zuletzt durch die wachsende Bedeutung internationaler Privatstiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation und die Bildung von so genannten Multi-Akteurs-Foren wie dem Global Health Hub Germany entstanden, die die Gesundheitsdebatte in Deutschland stark prägen. Die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit will das Gesundheitsverständnis der neuen Akteure beleuchten und nach ihrer Prioritätensetzung bei der Lösung globaler Gesundheitsprobleme fragen. Mit dem Fachforum „Das Einmaleins der Gesundheitspolitik - Wie kann Gesundheit gesamtgesellschaftlich gedacht und gestaltet werden?“ bietet die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit (DPGG) eine Einführung in die grundlegenden Fragen und Probleme der Gesundheitspolitik an. Das Format soll eine Orientierung über die komplexen Anforderungen und Verflechtungen der nationalen und globalen Gesundheitspolitik bieten. Das Fachforum richtet sich vor allem an alle Neulinge in der Gesundheitspolitik.

11:00 Uhr: Das Partnerschafts-Paradigma in der globalen Gesundheit
Mareike Haase | Brot für die Welt | Germany

11:20 Uhr: Der Global Health Hub Germany, der Einfluss philanthropischer Stiftungen und andere aktuelle Entwicklungen in Deutschland
Jörg Schaaber | BUKO Pharma-Kampagne | Germany



Am 09.03. wird Claudia Jenkes von der BUKO Pharma-Kampagne zum Thema "Zunehmende Antimikrobielle Resistenzen im Globalen Süden und weltweit – welche Rolle spielt die Armut?" zu Gast sein.

Termin: 9.3.2020 9.00-10.30
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135
Raum: H 1058

Hintergrund: Antimikrobielle Resistenzen (AMR) breiten sich durch reisende Menschen und globalisierten Handel rund um den Globus aus. Sie sorgen weltweit für massive Behandlungsproblemen, tragen zur Explosion der Gesundheitskosten und erhöhten Sterberaten bei behandelbaren Erkrankungen bei u.a.: Tuberkulose, Wundinfektionen, Malaria, krankenhausassoziierten Infektionen. Das drohende Zukunftsszenario eines post-antibiotischen Zeitalters bezeichnete die WHO schon 2015 als eine "globale Gesundheitskrise". Methode: In vier Beiträgen werden eigene wissenschaftliche (quantitative und qualitative) Daten der teilnehmenden Referenten bzw. ihrer Netzwerke dargestellt und diskutiert: Die aktuelle Verbreitung von AMR und die Herausforderungen an effektives Monitoring. Außerdem der Einfluss der Armut, schwacher Gesundheitssysteme, des Gesundheitsfachkräftemangels, fehlender Diagnostika sowie begrenzter Überwachung von Arzneimitteln- und Arzneimittelmärkten. Ergebnisse: AMR und fehlende Wirksamkeit essentieller Medikamente werden aus zahlreichen low- and middle-income countries (LMICs) berichtet, die Daten sind allerdings häufig unvollständig, werden selten erhoben und notwendige Diagnostika sowie Instrumente zur Surveillance fehlen oft. Es werden irrationale Verschreibungspraxis durch inadäquat qualifiziertes Personal bei Erkrankten und unkontrollierter Gebrauch in der Tierproduktion berichtet. Diskussion: Armut und fehlender Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung und Gesundheitsüberwachung sind Triebfedern für hohe Resistenzraten in LMICs. Um die komplexen Probleme zu lösen braucht es nationale und globale Antworten. Auch Deutschland steht hier in der Verantwortung.

09:00 Uhr: Antimikrobielle Resistenzen - soziale, ökonomische und politische Dimensionen Indien, Tansania und Südafrika
Claudia Jenkes | BUKO Pharma-Kampagne | Germany

09:20 Uhr: Antimikrobielle Resistenzen in Afrika und Indien
Prof. Dr. Frank Mockenhaupt | Charité | Germany

09:40 Uhr: Erfahrungen bei der Erhebung Antimikrobieller Resistenzen (AMR) in Nigeria
Dr. Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser | Berater für das Robert Koch-Institut | Germany

10:00 Uhr: Antimikrobielle Resistenz (AMR) als globale Herausforderung
Dr. Tim Eckmanns | Robert Koch-Institut, Berlin | Germany


800px J30 193 Bf Karsdorf Weiche 62Für den Global Health Hub Germany (GHHG) stehen Richtungsentscheidungen an. Zeitnah wird der Interims-Lenkungskreis in einer Sitzung über die Kommentare zum Satzungsentwurf entscheiden. In den vergangenen Monaten war intensiv darum gerungen worden, wie transparent und partizipativ das BMG-Projekt wirklich arbeiten sollte – der Satzung kam in der Debatte eine zentrale Rolle zu (wir berichteten).

Die Akteursgruppen Jugend und Zivilgesellschaft kommentierten intensiv und konstruktiv. Dabei ging es ihnen vor allem um die Sicherung basisdemokratischer Strukturen und Partizipationsmöglichkeiten. So soll nach Meinung der zwei Gruppen zwingend jährlich eine Mitgliederversammlung (MV) stattfinden, die das zentrale Entscheidungsgremium bilden soll. Auch soll das Wahlverfahren für den Lenkungskreis basisdemokratisch werden, so dass die jeweiligen Akteursgruppen selbst ihre Kandidaten dafür benennen können und zuvor „intern“ wählen. Zudem sollen die zu Recht kritisierten automatischen Mitgliedschaften im Lenkungskreis, wie sie etwa für den World Health Summit und die großen Stiftungen eingerichtet wurden, auf keinen Fall einfach in der Satzung verankert, sondern zunächst gut begründet und in der MV zur Abstimmung gebracht werden. Im Übrigen findet sich in der Kommentierung auch die Forderung nach einem Bekenntnis des GHHG zu Open Access, Open Data und Equitable Licensing.

Die baldige Satzungsentscheidung wird elementar für den weiteren Verlauf des Projekts sein. Sie wird zeigen, ob der Hub tatsächlich den deutlich formulierten Gestaltungswillen seiner Mitglieder ernst nimmt oder ein Gremium mit undurchsichtigen und asymmetrischen Strukturen bleibt. (MK)

Foto: Falk2 [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

 


Gerichtshof der Europäischen Union: EMA darf Zulassungsunterlagen öffentlich machen

CURIA CC Cdric Puisney(22.1.2020) In einem wegweisenden Urteil hat der Europäische Gerichtshof heute entschieden, dass die European Medicines Agency (EMA) die Ergebnisse von Studien, die im Rahmen des Zulassungsverfahrens eingereicht wurden, weiterhin öffentlich machen kann. Dagegen hatten zwei Hersteller geklagt, weil sie das für geschäftsschädigend hielten. Wir berichteten und hatten die industriefreundliche Stellungnahme des EU Generalanwalts im Verfahren gemeinsam mit vielen anderen Organisationen kritisiert. Jörg Schaaber von der Pharma-Kampagne kommentierte das Urteil: "Das ist ein guter Tag für Patientinnen und Patienten. Denn gute Therapieentscheidungen basieren auf vollständigem Wissen über Nutzen und Schaden. Der Europäische Gerichtshof hat bestätigt, dass Gesundheit Vorrang vor kommerziellen Interessen hat."


German university performance ranking Nov 2019(30.12.2019) Gemeinsam mit TranspariMED hat die BUKO Pharma-Kampagne untersucht, ob deutsche Universitäten die Resultate von Medikamentenstudien veröffentlichen. Laut EU-Gesetzgebung müssen die Ergebnisse 12 Monate nach Abschluss im europäischen Register EudraCT hinterlegt werden. Doch die Unis kommen dieser Verpflichtung nur ungenügend nach: Im Schnitt sind nur 6,7% aller Studien zeitgerecht veröffentlicht worden. Die Ergebnisse von 445 klinischen Studien fehlen. Die Berliner Charité trägt zur Lücke mit allein 68 fehlenden Berichten bei. Das Berliner Universitätsklinikum hat damit nur 3% der fälligen Studienergebnisse veröffentlicht. Positiv sticht die Uni Münster hervor, die immerhin 61% der Ergebnisse in  EudraCT publiziert hat.

Jörg Schaaber von der Pharma-Kampagne kommentiert: "Klinische Studien dienen dazu, die bestmöglichen Therapien zu finden. Umso enttäuschender ist es, dass die meisten deutsche Universitäten es nicht schaffen, ihre Forschungsergebnisse in das EU-Studienregister einzutragen. Jede Studie, deren Ergebnisse unveröffentlicht bleiben, verzerrt das Wissen über Medikamente. Außerdem zeugt das von wenig Respekt für die Patientinnen und Patienten, die an den Studien teilgenommen haben."

Die Ergebnisse der Untersuchung im Detail finden Sie hier.

Über unsere Recherche berichten auch die Süddeutsche Zeitung und die Tagesthemen

 


Open letter access clinical study reportsSeit einiger Zeit ist die europäische Zulassungsbehörde EMA transparenter geworden. Sie hat begonnen, die Clinical Study Reports (CSR) von Medikamenten zu veröffentlichen. Für neue Mittel sieht das die EU Verordnung zu klinischen Studien von 2014 auch ausdrücklich vor.[i] Damit könnte bald Schluss sein: Der Europäische Gerichtshof hatte 2018 noch Herstellerklagen gegen die Veröffentlichung der Studienergebnisse zurückgewiesen. Jetzt hat der Generalanwalt der EU Gerard Hoogan dem Einspruch von zwei Firmen[ii] stattgegeben und die Sache muss erneut verhandelt werden.[iii]
Die Hersteller behaupten, der CSR enthielte Geschäftsgeheimnisse, die bei Offenlegung der Konkurrenz Vorteile verschafften. Das ist aber vermutlich nur ein Teil der Wahrheit. CSR enthalten unentbehrliche Informationen für die Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln. Würden sie nicht mehr öffentlich zugänglich, wäre es noch einfacher zweifelhafte Produkte zu vermarkten. Das schadet PatientInnen. Auch die EMA warnt, dass ihre Transparenzpolitik dann revidiert werden müsse.[iv]
Die Einlassungen des Generalanwalts sind sehr wirtschaftsfreundlich und enthalten auch bizarre Elemente. So wird allen Ernstes als Argument, dass der CSR ein Geschäftsgeheimnis sei, darauf verwiesen, dass auf jeder Seite steht: „PTC Therapeutics, Inc. — Confidential“. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird für Anfang 2020 erwartet. Die Pharma-Kampagne hat einen offenen Brief mit unterzeichnet, der zu einer Verteidigung des Zugangs zu unterstützt und die Politik zum Handeln auffordert.[v] (JS)


[i] Regulation (EU) No 536/2014 of the European Parliament and of the Council of 16 April 2014
[ii] Translarna® (Ataluren) von PTC Therapeutics International (Case C-175/18 P) und ein Tierarzneimittel von MSD (Case C‑178/18)
[iii] Opinion of advocate general Hogan delivered on 11 September 2019 Case C-175/18 P http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=217636&pageIndex=0&doclang=EN&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=6556014
[iv] Coombes R (2019) European drug regulator fears return to days of data secrecy. BMJ; 367, p I6133
[v] www.bukopharma.de/images/aktuelles/EU_Clinical_studies_2019.pdf


PhB2019 10

Der Pharma-Brief 10/2019 widmet sich folgenden Themen:

Läuft wie geschmiert…
Indien: Antibiotika-Hersteller locken mit teuren Geschenken

Pharmafirmen belohnen indische ÄrztInnen mit Geschenken, wenn sie viele Antibiotika verschreiben. Das britische Bureau of Investigative Journalism deckte diese Werbepraktiken gemeinsam mit dem indischen Journalisten Rahul Meesaraganda auf. Der folgende Artikel ist eine gekürzte und leicht bearbeitete Fassung des englischen Originaltextes von Madlen Davies und Ben Stockton. Weiterlesen

Wege in die Unabhängigkeit
Für bessere Evidenz ohne Industrieeinfluss

Die angesehene britische Fachzeitschrift BMJ unterstützt die globale Initiative “Pathways to independence” von WissenschaftlerInnen, ÄrztInnen, Bewertungsagenturen und Zivilgesellschaft, die den kommerziellen Einfluss bei der Wissensgewinnung und Weitergabe eindämmen will. Weiterlesen

Misshandelt bei der Entbindung
Studie deckt Missstände auf

Weltweit werden Frauen bei der Geburt ihrer Kinder misshandelt oder diskriminiert. Eine aktuelle Studie aus mehreren Ländern liefert erschütternde Hinweise. Doch auch in Deutschland ist eine Debatte um Patientinnenrechte längst überfällig. Weiterlesen

Die schmutzige Rückseite der Medaille
UN verletzt eigene Prinzipien durch fragwürdige Kooperationen

Public-Private-Partnerships (PPPs) zwischen staatlichen und privaten Akteuren finanzieren weltweit zahlreiche (semi-)öffentliche Projekte. Ein kürzlich erschienenes Arbeitspapier von MISEREOR, Brot für die Welt und Global Policy Forum wirft einen kritischen Blick auf die Partnerschaften der UN. Weiterlesen

Wohin das Geld fließt
Schwachstellen bei Arzneimittelversorgung

Längst nicht alles, was in Deutschland zu Lasten der Krankenkassen verordnet wird, ist auch sinnvoll. Und oft steht der Preis in keinem Verhältnis zum Nutzen. Das macht der Arzneiverordnungs-Report 2019 (AVR) deutlich. Weiterlesen

Aus aller Welt

  • Fäkalien: Oft ein Scheißjob
  • EU-Anwalt: Gegen Transparenz
  • GAVI: Viel Geld an Industrie
  • Österreich: Pharma verteilt Geld

Download: Pharmabrief 10/2019 [pdf/500kB]

Bild © Madlen Davies


Erick gets congratulated by Prince WilliamIn unserem Projekt zu Antibiotika-Resistenzen arbeiten wir mit Partnern auf der ganzen Welt zusammen. In Tansania gehört Erick Vevant von der RBA-Intitiative dazu. Ende November erhielt er nun den "Legacy Award" für seine Arbeit im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Am selben Tag empfing Prince William die PreisträgerInnen im Kensington Palast. Erick Venant sprach mit ihm kurz über Antimikrobielle Resistenzen und nahm eine Gratulation des Prinzen auf Swahili entgegen. Auch wir gratulieren herzlich zum Gewinn des Awards!


Versorgungslücken weltweit und auch in Deutschland

Tony WebsterMinnesota AIDS Project Twin Cities Pride Parade 9180874836Auch wenn sich der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten weltweit stark verbessert hat – Stigmatisierung, Kriminalisierung und auch hohe Medikamentenpreise schließen immer noch viele Menschen von Prävention, Diagnose und Behandlung aus. Eine neue Broschüre von BUKO Pharma-Kampagne und Aktionsbündnis gegen Aids (AgA) analysiert den Status Quo der globalen Bemühungen gegen HIV/Aids und beleuchtet diese Probleme.

UNAIDS verzeichnet weiterhin Rekordzahlen bei den Behandlungsraten und Erfolge bei der Verringerung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV. Auch im Bereich Vorsorge hat sich Einiges getan: So stehen z.B. neue Therapien zur Verfügung, um stark gefährdete Menschen aus Schlüsselgruppen vor einer Ansteckung zu schützen.


Während sich die Transparenz bei der Europäischen Kommission und dem EU-Parlament langsam bessert,  bleibt der europäische Rat eine Black Box. Welche LobbyistInnen ihn beeinflussen bleibt im Dunkeln. Gemeinsam mit vielen anderen europäischen NGOs hat die BUKO Pharma-Kampagne einen offenen Brief an den neuen Präsidenten des EU-Rates, den Belgier Charles Michels geschrieben. Wir fordern, dass die Industrielobby nicht nur offengelegt wird, sondern der Präsident sich auch darum kümmert, dass alle gesellschaftlichen Gruppen fairen Zugang zum Rat erhalten und der Einfluss von Großkonzernen zurückgedrängt wird. Der ganze Brief findet sich hier: https://www.alter-eu.org/documents/2019/11

Spezial AIDSAuch wenn sich der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten weltweit stark verbessert hat – Stigmatisierung, Kriminalisierung und auch hohe Medikamentenpreise schließen immer noch viele Menschen von Prävention, Diagnose und Behandlung aus. Eine neue Broschüre von BUKO Pharma-Kampagne und Aktionsbündnis gegen Aids (AgA) analysiert den Status Quo der globalen Bemühungen gegen HIV/Aids und beleuchtet diese Probleme.

 

Download: Pharma-Brief Spezial 1/2019 HIB/Aids global [PDF]
Die Broschüre kann auch für 5,- € bestellt werden. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!